Irrer Raser

Polizei stoppt Fahrrad mit 116 km/h mitten in der Innenstadt

Anwohner beschwerten sich über rasende E-Bikes. Dann fanden Polizisten ein Modell mit Tempo 116 und griffen durch.

Author - Stefan Doerr
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E-Bikes werden durch Tuning zu gefährlichen Geschossen (Symbolfoto).
E-Bikes werden durch Tuning zu gefährlichen Geschossen (Symbolfoto).Ralph Peters/imago

116 Stundenkilometer schnell auf einem E-Bike? Was wie eine überdrehte Stammtischgeschichte klingt, wurde für die Polizei im englischen Nottingham zur Realität. Mitten im Stadtzentrum zogen Beamte ein massiv getuntes Elektrofahrrad aus dem Verkehr, das bis zu 116 Stundenkilometer schnell rasen konnte. Damit war das Zweirad schneller unterwegs als mancher Autofahrer auf der Stadtautobahn.

Fahrrad wurde gefährlich stark aufgemotzt

Der spektakuläre Fund war Teil der seit November laufenden „Operation Wrangel“. Mit der Aktion geht die Polizei von Nottinghamshire gezielt gegen illegale E-Bikes und E-Scooter vor. Auslöser waren zahlreiche Beschwerden von Anwohnern und Passanten, die sich über Fahrzeuge beklagten, die mit hohem Tempo durch Fußgängerzonen und belebte Innenstadtbereiche schossen.

Das jetzt beschlagnahmte E-Bike stellt selbst unter den zahlreichen Verstößen einen Extremfall dar. 116 km/h entsprechen Geschwindigkeiten, die normalerweise nur Motorräder oder Autos schaffen. Für ein Fahrzeug, das äußerlich wie ein Fahrrad wirkt, ist ein solches Tempo gerade in dicht besiedelten Bereichen ein gefährliches Geschoss.

Auch E-Scooter werden von der Polizei in Nottingham kontrolliert.
Auch E-Scooter werden von der Polizei in Nottingham kontrolliert.Shutterstock/imago

Seit Beginn der „Operation Wrangel“ wurden nach Behördenangaben bereits mehr als 60 E-Bikes und E-Scooter sichergestellt. Gegen 38 Personen wurden rechtliche Schritte eingeleitet. Teilweise mussten Betroffene Geldstrafen von mehr als 1000 Pfund zahlen, das sind umgerechnet rund 1170 Euro.

So sind die Regeln in Deutschland

Der Fall wirft auch einen Blick auf die Regeln in Deutschland. Hier gelten die meisten elektrischen Fahrräder als sogenannte Pedelecs. Der Motor darf maximal 250 Watt leisten, nur beim Treten unterstützen und muss spätestens bei 25 km/h abschalten.

Dann wird das Fahrzeug rechtlich wie ein Fahrrad behandelt. Man braucht keinen Führerschein, keine Kennzeichen, es gilt keine Versicherungspflicht.

Wird ein E-Bike jedoch schneller oder per Tuning von diesen Vorgaben befreit, ändert sich die Rechtslage grundlegend. Schnellere Modelle können als Kraftfahrzeuge eingestuft werden. Für S-Pedelecs mit bis zu 45 km/h sind unter anderem Versicherungskennzeichen, Führerschein und Helm vorgeschrieben. Wer sein Rad eigenmächtig manipuliert, riskiert auch hierzulande Bußgelder, den Verlust des Versicherungsschutzes und weitere rechtliche Folgen.