Raphael Thelen im Jahr 2017, damals arbeitete er noch als Journalist.
Raphael Thelen im Jahr 2017, damals arbeitete er noch als Journalist. Imago/Robert Fishman

Raphael Thelen hat mehr als zehn Jahre als Journalist gearbeitet. Für deutschlandweit bekannte Medien wie die Zeit oder den Spiegel hatte er geschrieben, sich dabei oft Klimathemen gewidmet. Doch nun kehrt er der Branche den Rücken und schließt sich den Aktivisten der „Letzten Generation“ an - und stellt den Medien in Deutschland kein gutes Zeugnis aus.

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Raphael Thelen: Darum wird ein Journalist zum Aktivisten

Sein Schritt, sich nach vielen Jahren im Beruf, mit einigen Erfolgen und Meilensteinen wie beispielsweise der Gründung des Netzwerks Klimajournalismus, zurückzuziehen, sei Thelen nicht einfach gefallen. Erklärt hat er ihn mittlerweile mehrfach: bei Twitter und im Podcast „Holger ruft an“ von Übermedien. Dort erklärte er: „So wie unsere Branche gerade arbeitet, halte ich sie eher für einen Teil des Problems, als für einen Teil der Lösung.“

Er habe auf seinen Recherchen in den verschiedensten Teilen der Welt erlebt, was es bedeute, wenn durch die Klimakrise „Lebensgrundlagen zusammenbrechen“. Er könne sich vorstellen, was es bedeute, „wenn das Wasser versiegt“, schreibt er. Dennoch werde die Klimakrise in den Medien nicht angemessen kommuniziert. Thelen klagt an: „Leser:innen wissen bis heute nicht, was Kipppunkte und was Feedback-Loops sind. Viele wissen nicht, dass wir pro Jahr unsere Emissionen um sieben Prozent senken müssen.“ Es sei die zentrale Aufgabe des Journalismus, den Bürgern alles zur Verfügung zu stellen, damit sie informierte Entscheidungen treffen können. Doch das finde nicht statt. 

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Raphael Thelen: Klimaschutz ist kein „grünes Thema“

Thelen sieht den Grund unter anderem darin, dass die Klimakrise trotz ihrer Wichtigkeit, und obwohl das Bundesverfassungsgericht dem Thema Verfassungsrang eingeräumt hat, noch immer als „grünes Thema“ gilt - ein großer Erfolg der Lobby-Arbeit der fossilen Industrie.

Entsprechend würde Journalisten, die angemessenen Klimaschutz fordern, schnell vorgeworfen, Aktivist zu sein. Er selbst und andere Kollegen seien immer wieder damit konfrontiert worden. Zudem berichtet er von Kollegen, die gerne mehr über das Klima-Thema schreiben würden, von Vorgesetzten aber einen Riegel vorgeschoben bekommen. 

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Nun hat Thelen tatsächlich die Seiten gewechselt. Dafür führt er auf Twitter drei Gründe an, die sich letztendlich so zusammenfassen lassen: Der Journalismus trägt nicht zur Bekämpfung der Klimakrise bei, er will jedoch nicht weiter tatenlos und mit gebundenen Händen dasitzen. 

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Leicht gefallen sei ihm dieser Schritt nicht. „Zehn Jahre Erfahrung mit einer Arbeit, die ich liebe, wegschmeißen, dazu die Aussicht im Gefängnis zu landen“ seien nicht gerade verlockend. Jedoch habe er einen persönlichen Kipppunkt erreicht, an dem er nicht weitermachen konnte, wie zuvor.