Eine Initiative will Gendersprache in Hamburg verbieten lassen.
Eine Initiative will Gendersprache in Hamburg verbieten lassen. dpa/Marijan Murat

Über kaum ein Thema ist in den vergangenen Jahren so ausdauernd besprochen und diskutiert worden wie die gendersensible Sprache. Während eine Umfrage zuletzt ergab, dass die Mehrheit der Deutschen das Gendern ablehnen, wird sie dennoch sowohl von Firmen, Universitäten, Medien, aber auch im Privatleben immer öfter genutzt. Doch nun schickt sich eine Hamburger Initiative an, diese Entwicklung zu verbieten und plant einen Volksentscheid.

Sprachpolizei will Gendern verbieten: Das steckt dahinter

„Schluss mit der Gendersprache in Verwaltung und Bildung“ nennt sich die Volksinitiative, die sich anschickt in der Hansestadt Sprachpolizei zu spielen. Kopf der Initiative ist die Autorin Sabine Mertens, die auch Vorstandsmitglied im Verein Deutsche Sprache ist, dem immer wieder Nähe zum Rechtspopulismus vorgeworfen wird. 

Mertens kritisiert, dass Begriffe wie „Bürger*innen“ nichts weiter seien als „Propagandasprache eines radikal queer feministischen Weltbilds“. Aus Sicht der Initiatoren und Initiatorinnen geht durch das Gendern außerdem die Verständlichkeit verloren. Wie der NDR berichtet, arbeitete die Initiative bereits seit mehr als einem Jahr an einem juristisch sauberen Abstimmungstext. Derzeit liegt dieser Dem Hamburger Landeswahlleiter vor. Gibt der grünes Licht, könnte die Unterschriftensammlung beginnen. 

Hamburgs Politik lehnt Gender-Verbots-Initiative weitgehend ab

Vertreter aus der Hamburger Politik lehnen den Vorstoß der Initiative weitgehend ab. Lena Zagst, die Vize-Fraktionschefin der Hamburger Grünen erklärte gegenüber dem NRD: „Gendersensible Sprache ist durchaus wichtig, weil es darum geht, Frauen und Personen, die sich als nicht binär einordnen, sichtbarer zu machen.“ Es ist eines der Hauptargumente der Befürworter der Gendersprache. Zudem gehe es darum, die Wahrnehmung zu ändern. Das Credo lautet: Wenn alle Geschlechter mitgesprochen werden, werden sie auch mitgedacht.

Zagsts Partei-Kollegin, die Hamburger Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank lehnte ein generelles Verbot der Gendersprache ab. „Wir wollen keine Vorschriften machen, wie jemand sprechen oder schreiben soll“, sagte sie. In Hamburg sei weder in der Verwaltung noch in der Schule oder an der Uni die Gendersprache vorgeschrieben. 

So seien auch die „Hinweise zur geschlechtersensiblen Sprache in der Hamburgischen Verwaltung“ zu verstehen gewesen, die im vergangenen Sommer herausgegeben wurden. Darin wurde das Gendern mit Doppelpunkt empfohlen. Dabei habe es sich laut Fegebank um Vorschläge gehandelt, die jene verwenden könnten, die es möchten. Es müsse aber möglich sein, Gendersprache zu benutzen, so Fegebank. Doch genau das will die Initiative verhindern.

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Auch SPD und Linke sehen den Verbots-Vorstoß kritisch. „Den Wandel von Sprache verbieten zu wollen, ist absurd und autoritär“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken Cansu Özdemir. Katharina Blume von der FDP erklärte: „Wer nicht gendern will, soll es lassen.“