Es ist die Sensations-Meldung des Tages: Der tote Wal, der vor der Insel Anholt strandete und bei dem es sich angeblich um den Buckelwal Timmy Hope handelte, könnte tatsächlich gar nicht Timmy Hope sein. Das soll eine DNA-Analyse von mehreren Proben ergeben haben, die Dr. Kirsten Tönnies jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen wollte. Doch ihre Verkündung wurde zur Blamage: Die Untersuchung der Proben, die angeblich von den Buckelwalen vor Poel und der dänischen Insel Anholt stammen, zeigt: Das Genmaterial kommt vermutlich nicht einmal von der gleichen Tierart.
Dr. Kirsten Tönnies stellt DNA-Analyse vor
„Wir haben zwei Probenherkünfte“, sagt sie in einer Pressekonferenz am Nachmittag. „Das eine ist Anholt.“ Die Probe stammt also wohl von dem Wal, der vor der dänischen Insel Anholt strandete. Die Menschen, die die Probe organisiert hätten, bezeichnet sie als „tapfere Krieger“. „Die sind da hochgefahren und haben das Material geholt.“
Sie sei dankbar dafür, dass die Probe organisiert wurde – und alles sei noch da. „Wir sind jederzeit bereit, das Material zur Verfügung zu stellen, um Zweiflern die Möglichkeit zu geben, das zu überprüfen.“ Für sie sei das die Aufgabe öffentlicher Stellen gewesen.
Die andere Probenentnahme habe sie nicht gesehen – sie stamme aus dem Loch, das gebohrt wurde, um den Tracker an der Rückenflosse von Timmy Hope zu befestigen, als er noch vor der Insel Poel lag. Diese Probe wurde entnommen, als Timmy Hope sich auf der Barge befand, dem Transportschiff, mit dem er in die Nordsee gebracht wurde. Das Material sei am 1. Mai abends geborgen worden, niemand durfte dabei sein. „Am 2. Mai ist Timmy dann freigezogen worden.“
Erst am 5. Mai habe sie das Material bekommen. Sie habe die Probe bekommen, weil sie eine Tasche mit Betäubungsmittel, Nahtmaterial und anderen Dingen dabei hatte. In der Tasche sei das Material dann in der Kanüle verwahrt worden. Später nahm sie das Material mit, damit es tiefgekühlt werden konnte.

Alles wurde dann reisefertig gemacht, mit DHL Express versendet. Es habe viel Arbeit gemacht, die Formulare auszufüllen. Beide Proben wurden in ein Labor in China geschickt. Dort sei die DNA-Analyse maschinell erstellt worden. „Es ist ein komplett verblindetes System. Die Fragestellung, die Hintergründe, die Zuordnung sind in den Arbeitsabläufen nicht bekannt.“
In Deutschland habe es kein Labor machen wollen. „Ich habe das versucht“, sagt Tönnies. Sie habe verschiedene Anbieter angerufen, doch niemand wollte die Aufgabe übernehmen – auch nicht die Labore, die sie selbst kennt. Niemand wollte in die politischen Debatten hineingezogen werden.
Daten aus DNA-Analyse in Deutschland ausgewertet
Die Daten der Analyse wurden in Deutschland ausgewertet. Die Experten, die alles beurteilten, wollten bei der Pressekonferenz aber nicht dabei sein. Die Ergebnisse stellte Tönnies deshalb allein vor, gab allerdings offen zu, selbst wenig von den Daten zu verstehen. Die wohl wichtigste Erkenntnis: Zwischen den beiden Proben gibt es an vielen Stellen große Abweichungen. „Wenn sie von demselben Organismus diese beiden Proben nehmen, können Sie nach meiner Auskunft nicht so unterschiedliche Ergebnisse kriegen“, sagt sie.
Die Analyse ergibt also, dass die Proben von zwei verschiedenen Probengebern stammen müssen, erklärt die Tiermedizinerin. Doch dann wird es plötzlich ziemlich seltsam: Die Abweichung sei an einer Stelle so groß, dass man sich die Fragen stellen müsse, ob beide Proben überhaupt von der gleichen Tierart stammen.

Schnell gerät Tönnies ins Kreuzfeuer. Denn wenn die Proben laut Analyse von unterschiedlichen Tierarten stammen – wie aussagekräftig ist das Ergebnis dann, wenn es sich bei den gestrandeten Tieren offensichtlich um zwei Buckelwale handelte? Wurde nicht vielleicht einfach eine der Proben vertauscht, was das Ergebnis und die Untersuchung hinfällig machen würde? „Ich kann die Ergebnisse leider nicht ändern“, sagt Tönnies auf die Frage, ob die Probe vom Wal vor der Insel Poel überhaupt von Timmy Hope stammt.
Tierärztin will Probenmaterial zur Verfügung stellen
Tönnies bleibt deshalb auch schwammig: Was das alles zu bedeuten habe, könne jeder ergründen, stellt sie noch einmal klar. Denn das Material könne sich jeder holen, um eigene Tests und Untersuchungen durchzuführen. Die Proben würden dafür zur Verfügung gestellt. „Wir offerieren das an jedes Institut.“ Außerdem wisse sie, dass sich einige Menschen von Poel Haut des Wals mitgenommen hätten – wer solche Proben habe, könne sich melden.



