„Armes Deutschland“

Bürgergeldempfänger kassierten doppelt vom Staat! Müssen sie in den Knast?

Mike und Angelique aus „Armes Deutschland“ kassierten monatelang doppelt. Jetzt standen sie wegen Sozialbetrugs vor Gericht – mit Folgen.

Author - Florian Thalmann
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Angelique und Mike leben vom Staat, wollen nicht arbeiten – und haben sogar über Monate doppelt vom Jobcenter kassiert. Dafür geht es jetzt vor Gericht.
Angelique und Mike leben vom Staat, wollen nicht arbeiten – und haben sogar über Monate doppelt vom Jobcenter kassiert. Dafür geht es jetzt vor Gericht.RTLZwei/Youtube

Sie können dem Arbeitsleben nicht viel abgewinnen – und gehören mit ihrer Einstellung zu den zweifelhaften Stars der Sozial-Doku „Armes Deutschland“, die regelmäßig bei RTL zwei läuft: Mike und Angelique. Sie genieße ihr Leben mit Bürgergeld – und machen nicht den Eindruck, als ob sie das Ziel hätten, dass sich daran etwas ändert. Jetzt könnte sich das Leben der beiden aber ganz dramatisch ändern: In der neuesten Folge von „Armes Deutschland“ ist zu sehen, dass bei den beiden ein Gerichtstermin ansteht. Sozialbetrug! Wir verraten, wie die Verhandlung ausgeht und was Mike und Angelique jetzt droht.

Mike und Angelique aus „Armes Deutschland“ angeklagt

„Das Jobcenter hat uns wegen Betrug angezeigt, weil wir zu viel Geld bezogen haben“, erklärt Mike W. (27) in „Armes Deutschland“. Das Problem: Die beiden leben vom Staat – und der 27-Jährige bekam über einen Zeitraum gleichzeitig Arbeitslosengeld und Bürgergeld.

Er kassierte doppelt, bis der Fehler auffiel. Von Unrechtsbewusstsein keine Spur. Mike und Angelique sind sicher, dass hier ein Fehler vom Amt vorliegen muss. Schließlich hätte das Jobcenter den doppelten Antrag ja auch ablehnen können.

Angelique W. (22) sagt, sie sei beim Ausfüllen der Anträge durcheinandergekommen – und Mike stellte klar, dass er gar nichts bezahlen möchte für einen Fehler, den aus seiner Sicht das Jobcenter gemacht hat. „Die sind selber dumm und wissen nicht, was sie tun in ihrem Job, glaube ich.“ Großspurig behauptete er, er wolle das Jobcenter verklagen. Doch das Blatt wendete sich: Schnell wurde klar, dass die Schulden bezahlt werden müssen. Und obendrein bekamen die beiden noch eine Betrugsanzeige.

Angelique und Mike, beide arbeitslos und verschuldet, bekamen über Monate zu viel Geld vom Staat. Doch sie glauben nicht, dass sie selbst schuld daran sind.
Angelique und Mike, beide arbeitslos und verschuldet, bekamen über Monate zu viel Geld vom Staat. Doch sie glauben nicht, dass sie selbst schuld daran sind.RTL zwei

Für Angelique ist es in dem Fall „teils teils“, sagt sie. Anfänglich sei es kein Betrug gewesen, sondern ein Fehler. „Es war Unwissen. Im Nachhinein war es aber schon Betrug, weil wir es wussten, aber nichts gesagt haben.“ Stattdessen freuten sie sich über den Geldsegen, der sie nicht an Arbeit denken ließ: Vom Jobcenter gab es laut Angelique 1800 Euro, dazu 1200 Euro Arbeitslosengeld. „Plus Kindergeld und Kindergeldzuschlag. Sieben Monate lang haben wir 3500 Euro bekommen.“

Elf Monate kassierten Mike und Angelique doppelt

In „Armes Deutschland“ stellen die Macher selbst richtig: Es waren sogar elf Monate. „Ich hab’s trotzdem einkassiert“, sagt Angelique. Es war der Drang, einfach mehr zu haben.“ Schuldig fühlt sich die 22-Jährige nicht. „Für was auch? Warum soll ich mich schuldig fühlen?“ Für die beiden ist klar: Das Jobcenter sollte eigentlich verurteilt werden, denn die Mitarbeiter hätten den Fehler gemacht. Einen Anwalt brauchen sie bei der Verhandlung deshalb auch überhaupt nicht.

Angelique und Mike kommen regelmäßig in der Sozial-Doku „Armes Deutschland“ vor.
Angelique und Mike kommen regelmäßig in der Sozial-Doku „Armes Deutschland“ vor.RTL zwei

In der nächsten Folge von „Armes Deutschland“ (nächsten Dienstag, 20.15 Uhr, RTL zwei) geht es für die beiden zum Gericht. Erst verzögert sich die Verhandlung, Mike und Angelique verbringen die Wartezeit rauchend vor dem Gerichtsgebäude. Sie rechnen mit Sozialstunden und einer Geldstrafe. Wie viel wird es wirklich?

Angelique bekommt 80 Sozialstunden, muss mindestens 20 der Stunden im Monat abbauen. Ein mildes Urteil, das sie trotzdem bemängelt. „Die hätten ruhig 40 Stunden machen können – das ist nichts für mich, so lange zu arbeiten.“

Muss Mike aus „Armes Deutschland“ ins Gefängnis?

Härter hat es Mike erwischt. „Ich muss 80 Sozialstunden machen – ich habe vier Monate Zeit“, sagt er. Dazu eine Haftstrafe von fünf Monaten, die auf Bewährung ausgesetzt wurde. „Das war’s.“ Das bedeutet: Er darf sich nichts zuschulden kommen lassen.

Sollte er doch etwas Verbotenes tun oder seine Sozialstunden nicht innerhalb der vier Monate ableisten, geht es für den Bürgergeldempfänger direkt ins Gefängnis. Ein Urteil, das Angelique nicht verstehen kann. „Die Richterin war gar nicht auf seiner Seite“, sagt sie nach der Gerichtsverhandlung. Und Mike? Der will Berufung einlegen, überlegt es sich dann aber anders – noch mal Gerichtskosten zahlen sei unnötig.

Was halten Sie von dem Urteil und vom Verhalten von Mike und Angelique bei „Armes Deutschland“? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!