Die meisten Hundewelpen, die sich mit der Viruserkrankung infizieren, sterben. Rechts: Hunde aus dem illegalen Handel werden oft unter unwürdigen Bedingungen gehalten. Fotos: Vier Pfoten

Der Hund ist der beste Freundes Menschen – und wer sich Herrchen oder Frauchen nennen darf, der liebt seinen Vierbeiner über alles. Niemand möchte, dass das eigene Tier schwer erkrankt oder gar stirbt. Doch eine gefährliche Hunde-Seuche, die eigentlich bereits als eingedämmt galt, kommt nun immer häufiger vor. Der Grund ist der illegale Welpenhandel, der trotz massiver Warnungen von Tierschützern immer weiter blüht.

Vor allem bei illegal gehandelten Welpen kommt die Krankheit vor

Die Rede ist von Parvovirose, einer Viruserkrankung, die vor allem bei Tieren aus dem illegalen Welpenhandel festgestellt wird. Das Problem: Diese Hundebabys kommen in Zucht-Fabriken in Ostblock-Ländern zur Welt, werden dort unter unwürdigen Bedingungen gehalten, später quer durch Europa gekarrt, um sie zu verscherbeln. Laut der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ sind solche Welpen-Fabriken die idealen Brutstätten für die Erkrankung.

Welpen, die sich mit dem Virus infiziert haben, sterben oft noch vor Erreichen ihres dritten Lebensmonats an den Folgen einer Entzündung des Herzmuskels, heißt es in einer Mitteilung von „Vier Pfoten“. Die Tiere leiden demnach unter heftigem Erbrechen und wässrigem, oft blutigem Durchfall. Schlimmstenfalls kann es auch zu einer Infektion des Knochenmarks kommen.

Illegale Händler verkaufen ihre Welpen oft direkt aus dem Kofferraum ihrer Autos. Foto: dpa

Wie schlimm die Erkrankung für Tiere und ihre Halter sein kann, weiß Tierärztin Kirsten Tönnies. „Der Verlauf der Krankheit ist schrecklich für jedes einzelne Tier und endet in den meisten Fällen tödlich. Eine Impfung ist der beste Schutz gegen die Krankheit und gehört in Deutschland zum absoluten Standard“, sagt sie. „Die Krankheit tritt daher hauptsächlich bei Tieren aus dem Ausland auf – der Zusammenhang mit dem illegalen  Welpenhandel  ist eindeutig.“

Tierschützer wollen, dass der Online-Handel besser reguliert wird

Tieren aus illegalem Handel fehle meist jegliche medizinische Versorgung. Tönnies: „Ihr noch unterentwickeltes Immunsystem wird durch den Stress und die Ängste zudem übermäßig gefordert, so dass die Immunabwehr versagt und die Krankheitsverläufe besonders dramatisch sind. Auch für die neuen Besitzerinnen und Besitzer ist die Viruserkrankung traumatisch und mit hohen Tierarztkosten von bis zu 6.000 Euro für die Behandlung verbunden.“

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Ein Beispiel: Lara Gryczynska (16) und ihre Mutter Karolina (42) kamen zur Mahnwache am Brandenburger Tor. Sie selbst kauften einen Welpen. Über eine Kleinanzeigenseite im Netz stießen sie auf eine Anzeige, verliebten sich in den Hund. „Wir vereinbarten einen Termin mit dem Händler, wurden zu einer Adresse gelotst und bekamen den Kleinen an der Tür“, sagt Karolina. Zu Hause wollte der Hund nicht spielen, wirkte schwach. „In der Nacht fing er an, sich zu übergeben, bekam Durchfall“, sagt Lara. Der Tierarzt stellte fest: Der Hund war an Parvovirose erkrankt. Drei Tage später verstarb der Hund, ein Schock für die Familie. „Wir haben eine Weile gebraucht, um uns davon zu erholen. Wir waren ja so verliebt in den Kleinen“, sagt Karolina.

Die Tierschützer setzen sich für eine bessere Regulierung des Online-Handels ein, hielten dafür erst im Juni eine Mahnwache am Brandenburger Tor ab, sammelte Unterschriften. „Es liegt in der Verantwortung der zukünftigen Bundesregierung, alle Plattformen dazu zu verpflichten, die Herkunft von Tieren sowie die Identität der Verkäuferinnen und Verkäufern zuverlässig zu überprüfen und damit wirksam gegen den illegalen Welpenhandel vorzugehen“, sagt Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“.