In Sicherheit: Die beiden Hündchen, die aus der Dreck-Wohnung befreit wurden, im Streifenwagen der Polizei Stefan Klippstein

Während in der Corona-Krise ganze Wirtschaftszweige einbrechen, bescherte die Pandemie einigen einen regelrechten Boom. Vor allem den illegalen Welpenhändlern. Denn aufgrund des Lockdowns wünschen sich viele ein Haustier, der Handel mit Tieren aus Zucht-Fabriken in den Ostblockstaaten boomt. Der Tierschützer Stefan Klippstein befreit regelmäßig Welpen aus den Fängen von Tierquälern – und zeigt nun seltene Fotos aus der Wohnung eines Tier-Händlers.

Die niedlichen Welpen lebten in einem völlig verdreckten Badezimmer

Jeder wünscht sich ein süßes Hundebaby – und wenn es dann im Körbchen neben dem Sofa sitzt, scheint alles halb so wild. Was viele Herrchen und Frauchen aber nicht bedenken: Die Tiere werden von den illegalen Hunde-Händlern in Zuchtstationen produziert, viel zu früh von den Müttern getrennt und unter verheerenden Bedingungen gehalten. „Man kann sich nur immer wieder fragen, warum Menschen diese skrupellosen Händler unterstützen“, sagt Tierschützer Stefan Klippstein.

Die Händler hielten die Hündchen die meiste Zeit in der Badewanne. Stefan Klippstein

Er trifft sich regelmäßig mit Tier-Dealern, gibt vor, ihnen Welpen abkaufen zu wollen, holt dann die Polizei hinzu. „Die meisten Verkäufe werden auf der Straße abgewickelt, man bekommt keinen Einblick in die Haltung der Tiere“, sagt Klippstein. Doch erst in der vergangenen Woche gelang es ihm, in die Wohnung eines Welpenhändlers zu kommen. Er suchte auf einer Kleinanzeigenseite im Netz nach Welpen, bekam das Angebot für zwei kleine Shih Tzu-Hündchen. „Ich verabredete mich mit den Händlern, wurde in eine Wohnung in der Parchimer Straße in Neukölln gelotst“, erzählt er.

Tierschützer Stefan Klippstein befreit regelmäßig Hundebabys aus den Fängen von Welpenhändlern. Sabine Gudath

Dort der Schock: „Die Wohnung war verdreckt, es stank nach Urin, überall lag Müll“, sagt Klippstein. „Alles stank bestialisch.“ Und im völlig heruntergekommenen Bad saßen die Welpen, erst Wochen alt, in der Badewanne. Im Futternapf in Milch eingeweichte Nudeln und Trockenfutter. „Das konnten sie gar nicht fressen, weil sie so klein waren, dass sie noch keine Zähne hatten.“ Für 800 Euro pro Stück hätte er die Hunde kaufen können. Die Händler: Zwei Männer, einer regelte das Geschäft, der andere schien auf Drogen zu sein, sagt Klippstein.

Die Welpen wurden in einem total verdreckten, winzigen Badezimmer gehalten. Stefan Klippstein

Der Tierschützer rief die Polizei – als die Beamten kamen, versuchte der Händler, die Hunde im Schrank zu verstecken. Doch es half nichts: Die Tiere wurden beschlagnahmt, erst ans Veterinäramt, dann ans Tierheim in Falkenberg übergeben. „Ihnen geht es gut, sie scheinen zum Glück soweit gesund und munter zu sein, sie fressen und spielen“, heißt es auf KURIER-Nachfrage. „Sind aber erst Mitte April geboren und deshalb eigentlich viel zu jung, um ohne ihre Mutter zu sein.“ Da die Tiere bisher noch unter Aufsicht des Amtes stehen, steht noch in den Sternen, ob und wann sie überhaupt vermittelt werden können. Das Tierheim nimmt deshalb noch keine Anfragen für die Welpen an.

Wer sich einen Hund anschaffen will, sollte ins Tierheim gehen

Die Zustände, in denen die kleinen Hunde aufwachsen mussten, scheinen schockierend – für Klippstein sind sie aber Alltag. „Die Händler fahren nach Polen, decken sich dort mit Welpen für 25 Euro pro Tier ein, pferchen sie hier in Badezimmer oder Keller, dann verkaufen sie sie hier für 1000. Die Gewinnspanne ist riesig.“ Zudem werde mit Tricks gearbeitet. Unfassbar: „Die Welpen werden vor dem Verkauf sogar in Weichspüler gebadet. So duften sie gut und das Fell wird flauschig. Das zeigt, wie skrupellos die Händler sind.“

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Für eine bessere Regulierung des Handels setzt sich auch die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ ein. Am Dienstag werden die Tierschützer bei einer Mahnwache am Brandenburger Tor Hunderte Holzkreuze und Grablichter aufstellen – in Erinnerung an die Millionen Hunde, die den Welpenhändlern bereits zum Opfer fielen. Vor Ort werden Betroffene von ihren Erfahrungen berichten. Für Klippstein ist die einzige Möglichkeit, den Handel über Anzeigenportale im Netz konsequent zu verbieten. „Und bis dahin kann man den Leuten nur raten, die Finger vom Online-Handel zu lassen. Lieber ins Tierheim gehen – dort wird man beraten. Und es stehen nicht die finanziellen Interessen im Vordergrund.“