Ab 2027

Revolution beim Ausweis: Warum Millionen Deutsche bald weniger zur Behörde müssen

Digitaler Personalausweis, weniger Behördengänge, neue Regeln für Senioren: Das ändert sich ab 2027 beim Ausweis und Reisepass.

Author - Stefan Henseke
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Zeitaufwendige Behördengänge werden eingespart: Ältere müssen den Personalausweis nicht mehr neu beantragen, im Pass entfällt die Pflicht, den Wohnort umtragen zu lassen.
Zeitaufwendige Behördengänge werden eingespart: Ältere müssen den Personalausweis nicht mehr neu beantragen, im Pass entfällt die Pflicht, den Wohnort umtragen zu lassen.Markus Grummt/Zoonar/imago

Personalausweis und Reisepass sollen digitaler und bürokratieärmer werden: Die Bundesregierung plant die Einführung des Ausweises auf dem Smartphone sowie zahlreiche Erleichterungen für Bürger. Besonders Senioren könnten profitieren. Die neuen Regeln sollen ab Anfang 2027 schrittweise starten. Was sich alles ändern soll.

Neue Regeln für Senioren: Weniger Behördengänge, mehr Komfort

Ende Mai hat das Bundeskabinett den Entwurf des sogenannten Digitalen Identitätengesetzes beschlossen und somit die rechtliche Grundlage für die geplanten Änderungen beschlossen. Das Gesetz tritt in Kraft, wenn Bundestag und Bundesrat zustimmen.

1. Reduzierter Aufwand für Senioren: Bürger, die ihren Personalausweis zuletzt im Alter von mindestens 70 Jahren beantragt haben, sollen diesen unbegrenzt weiter nutzen können. Wenn etwa im kommenden Jahr der Personalausweis eines 80-Jährigen nach zehn Jahren Gültigkeit abläuft, muss kein neuer Ausweis beantragt werden.

Die Neuregelung soll Behördengänge reduzieren, wodurch Bürger sowie die Verwaltung gleichermaßen entlastet werden, erklärt die Bundesregierung. Hintergrund sei, dass mit steigendem Lebensalter die Situationen zurückgehen, in denen der Ausweis aktiv benötigt wird. Man rechnet damit, dass pro Jahr 250.000 neue Anträge entfallen.

Die Sache hat aber auch einen Haken: In Deutschland wird der „abgelaufene“ Perso für Ältere zwar ohne Probleme anerkannt (etwa bei Polizeikontrollen), im EU-Ausland ist das aber nicht sicher. Wer also verreist, sollte immer einen aktuellen Personalausweis oder Reisepass dabei haben. Und: Abgelaufene Ausweise können nach zehn Jahren nur noch ohne Online-Funktionen genutzt werden.

Reisepass: Wohnort muss künftig nicht mehr geändert werden

2. Reisepass muss nicht mehr aktualisiert werden: Es entfällt die Notwendigkeit, nach einem Umzug den Wohnort im Reisepass zu ändern. Man kann ihn zwar weiterhin aktualisieren lassen, eine Änderung ist aber mehr verpflichtend. So sollen Präsenztermine in Bürgerämtern vermieden werden und Zeit eingespart werden. Die Bundesregierung will dadurch rund 1,2 Mio. (gebührenfreie) Ummeldungen pro Jahr vermeiden.

EUDI‑Wallet: So funktioniert der digitale Ausweis auf dem Smartphone

3. Jetzt kommt der digitale Personalausweis: Künftig soll der Personalausweis direkt auf dem Smartphone nutzbar sein. Möglich machen soll das die sogenannte EUDI-Wallet (European Digital Identity Wallet) – eine digitale Brieftasche für persönliche Dokumente. Darin können Bürger ihren Ausweis als digitalen Nachweis speichern und verwenden.

Der digitale Ausweis: So soll ein Smartphone mit der App des Projektes EUDI-Wallet (European Digital Identity Wallet) aussehen.
Der digitale Ausweis: So soll ein Smartphone mit der App des Projektes EUDI-Wallet (European Digital Identity Wallet) aussehen.Soeren Stache/dpa

Später sollen auch weitere Dokumente wie Führerschein, Geburtsurkunde oder Fahrkarten in der App hinterlegt werden können. Wer seinen Personalausweis künftig in der geplanten Smartphone-App hinterlegt, soll sich damit bequem online ausweisen können.

Ob Behördengänge im Internet, die Eröffnung eines Bankkontos, Vertragsabschlüsse oder Altersnachweise beim Online-Kauf – viele Vorgänge sollen dadurch einfacher und schneller werden. „Die Wallet wird kostenlos und freiwillig nutzbar sein. Analoge Dienste bleiben weiterhin bestehen“, heißt es auf dem Infoportal der Bundesregierung.

Was halten Sie von den Änderungen und werden Sie das EUDI-Wallet zukünftig nutzen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com