Handy-Sünder im Visier

Bundesweite Kontrollen ab April: Das müssen Autofahrer jetzt wissen!

Neue Checks sollen Handy-Sünder im Straßenverkehr entlarven – schon ein kurzer Blick aufs Smartphone kann lebensgefährlich sein.

Author - Tobias Esters
Teilen
Ein kurzer Blick aufs Smartphone kann fatale Folgen haben: Schon wenige Sekunden Ablenkung bedeuten bei Tempo 50 mehrere Meter Blindflug.
Ein kurzer Blick aufs Smartphone kann fatale Folgen haben: Schon wenige Sekunden Ablenkung bedeuten bei Tempo 50 mehrere Meter Blindflug.Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der ACE Auto Club Europa will ab April bundesweit gegen ein Problem vorgehen, das viele Autofahrer unterschätzen: die Ablenkung durch Smartphones am Steuer. An mehr als 250 Kreuzungen sollen rund 700 Ehrenamtliche beobachten, wie häufig Fahrer während der Fahrt zum Handy greifen. Dokumentiert werden dabei typische Verhaltensweisen wie Tippen, Scrollen, Telefonieren oder das Halten des Geräts am Ohr.

Erschreckende Zahlen: So verbreitet ist das Handy am Steuer

Ziel der Aktion ist es, sichtbar zu machen, wie verbreitet die Nutzung tatsächlich ist – und gleichzeitig das Bewusstsein für die Risiken zu schärfen. Ein erster Testlauf in Frankfurt am Main zeigt bereits, wie präsent das Problem ist: Innerhalb von nur 30 Minuten wurden 207 Fahrzeuge beobachtet, bei 14 Fahrern wurde ein Verstoß festgestellt. Das entspricht etwa sieben Prozent. Zuerst berichtete das Computermagazin chip.de

Gleichzeitig gehen Untersuchungen der Polizei in NRW davon aus, dass rund 55 Prozent der Autofahrer ihr Smartphone zumindest gelegentlich am Steuer nutzen. Dabei wird oft unterschätzt, wie gefährlich selbst kurze Ablenkungen sind. Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden nicht auf die Straße schaut, legt rund 28 Meter im sogenannten Blindflug zurück.

Unter dem Motto „Kopf hoch!“ will der ACE deshalb nicht nur Daten sammeln, sondern gezielt aufklären. Schon ein kurzer Blick aufs Display kann ausreichen, um andere Verkehrsteilnehmer zu übersehen.

Studien, unter anderem von der National Highway Traffic Safety Administration und dem Allianz Zentrum für Technik, zeigen, dass sich das Unfallrisiko durch Smartphone-Nutzung um das Drei- bis Vierfache erhöhen kann. Besonders betroffen sind junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren, die laut Untersuchungen am häufigsten zum Handy greifen.

Sogenannte Monokameras erfassen den Verkehr von Brücken aus – sie können erkennen, ob Autofahrer während der Fahrt ihr Smartphone benutzen.
Sogenannte Monokameras erfassen den Verkehr von Brücken aus – sie können erkennen, ob Autofahrer während der Fahrt ihr Smartphone benutzen.Harald Tittel/dpa

Um Ablenkung zu vermeiden, empfehlen Experten einfache, aber effektive Maßnahmen: Das Smartphone sollte während der Fahrt auf „Nicht stören“ gestellt oder außer Reichweite gelegt werden. Navigation und Musik sollten vor Fahrtbeginn eingestellt werden, und wenn überhaupt, sollte nur eine Freisprechanlage genutzt werden – besser ist es jedoch, ganz auf die Nutzung zu verzichten.

International härtere Regeln – auch Deutschland zieht an

Auch international wird das Problem zunehmend ernst genommen. In Australien kommen bereits KI-gestützte Kameras zum Einsatz, die automatisch erkennen, ob Fahrer ein Handy benutzen. In den Niederlanden setzt man auf groß angelegte Aufklärungskampagnen, während in Großbritannien besonders strenge Strafen drohen.

Auch in Deutschland wurde das Bußgeld bereits verschärft: Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss mindestens 100 Euro zahlen und erhält einen Punkt in Flensburg, bei Gefährdung drohen höhere Strafen bis hin zum Fahrverbot.

Mit seiner Kampagne setzt der ACE auf eine Kombination aus Datenerhebung und Öffentlichkeitsarbeit. Durch die Beobachtungen vor Ort, mediale Begleitung und direkte Ansprache der Autofahrer soll langfristig ein Umdenken erreicht werden. 

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com