Kurioser Fall

Blitzer-Panne: Beifahrerin soll Bußgeld zahlen

150 Euro Bußgeld sollte die Frau zahlen, dabei saß sie überhaupt nicht am Steuer. So wehrte sie sich!

Author - Stefan Doerr
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Blitzer-Fotos können auch fehlerhaft sein.
Blitzer-Fotos können auch fehlerhaft sein.dpa

Ein kurioser Bußgeld-Fall mit Happy End: Ein Toyota-Fahrer rauschte mit 107 Stundenkilometern über die A30 bei Ibbenbüren und wird geblitzt. Erlaubt waren nur 80 km/h. Nach Toleranzabzug drohen 150 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Zu seiner Überraschung soll aber nicht er zahlen, sondern seine Ehefrau. Dabei war sie nur die Beifahrerin!

Wie es zu dieser kuriosen Verwechslung in Niedersachsen kommen konnte, ist einfach erklärt und doch bemerkenswert: Beim geblitzten Auto handelt es sich um einen Rechtslenker. Während in Deutschland der Fahrer üblicherweise links sitzt, befindet sich das Steuer in diesem Toyota auf der rechten Seite, wie es auch bei Autos in Großbritannien üblich ist.

Das Blitzerfoto zeigt daher die linke Fahrzeugseite und damit die Beifahrerin. Die zuständige Bußgeldstelle erkannte diesen Unterschied nicht richtig und ordnete den Vorwurf der falschen Person zu, wie „geblitzt.de“ berichtet.

Die Beifahrerin erhielt im Fall einen Bußgeldbescheid und wehrte sich.
Die Beifahrerin erhielt im Fall einen Bußgeldbescheid und wehrte sich.Bihlmayerfotografie/Imago

Einsprüche gegen Bußgeldbescheide lohnen sich oft

Die Betroffene ließ diesen Behördenfehler nicht auf sich sitzen und legte Einspruch ein. Mit Erfolg! Die Behörde hätte nachweisen müssen, wer tatsächlich am Steuer saß. Das konnte sie nicht. Da das Verfahren von Anfang an gegen die falsche Person gerichtet war, wurde es schließlich eingestellt.

Der Fall zeigt: Bußgeldbescheide sind häufig nicht in Stein gemeißelt. Fehler bei Fotos, Fahrzeugdaten oder Zuordnungen kommen vor und können angefochten werden. In der Regel bleibt für Einsprüche eine Frist von zwei Wochen nach Zustellung des Knöllchens.

Ein genauer Blick lohnt sich. Laut „geblitzt.de“ werden rund zwölf Prozent der geprüften Fälle komplett eingestellt, in weiteren 35 Prozent lässt sich zumindest eine Minderung erreichen.

Und der Fall aus Niedersachsen ist kein Einzelfall. Immer wieder sorgen Pannen und Schlampereien für kuriose Blitzer-Geschichten:

Auf der A9 zwischen Bayern und Thüringen wurde einer Frau eine Geschwindigkeitsüberschreitung vorgeworfen. Doch das Foto zeigte sie lediglich auf dem Rücksitz. Verfahren eingestellt.

In Berlin verschickte eine Bußgeldstelle mehr als 2000 fehlerhafte Bescheide, nachdem Fotos durcheinandergeraten waren. Eine Porsche-Fahrerin bekam plötzlich das Bild eines Mannes im Skoda zugeschickt.

In Leipzig stellten Unbekannte kurzerhand ein falsches Tempolimit auf und lockten Autofahrer in eine Radarfalle – wie lange, weiß bis heute niemand.

Und in Köln wurde aus einem kleinen Vergehen plötzlich ein teures Missverständnis: Statt 75 Euro forderte die Behörde wegen eines Tippfehlers satte 7500 Euro.

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