Der Traum vom eigenen Neuwagen bröckelt und wird für viele sogar unerschwinglich. Eine aktuelle Analyse der Leasingexperten von Leasingmarkt.de zeigt: Noch nie war die Einkommenskluft zwischen den Berufsgruppen so deutlich wie heute. Das Auto wird für die unteren Einkommensgruppen zum absoluten Luxusgut.
15 Monate arbeiten für den VW Golf
Trotz eines Rekordbestands von 49,3 Millionen Pkw in Deutschland wird es gerade für untere und mittlere Einkommensgruppen immer schwieriger, das Geld für einen Neuwagen aufzubringen.
Während in der Politik über längere Arbeitszeiten diskutiert wird, offenbart der Blick auf die Kaufkraft eine ganz andere Realität. Für eine Verkäuferin mit durchschnittlich 1973 Euro netto im Monat bedeutet der Kauf eines neuen VW Golf (Neupreis: 29.395 Euro) fast 15 volle Monatsgehälter.

Ein Topverdiener dagegen verdient das nötige Geld im Handumdrehen: Ein Dax-Manager mit einem Monatsverdienst von durchschnittlich 276.676 Euro hat den gleichen Betrag rechnerisch in gerade einmal 3,3 Tagen in der Tasche. Ein Bundestagsabgeordneter (5515 Euro Monatsverdienst) benötigt für den VW Golf 5,3 Monate. Das ist gerade mal ein Drittel der Arbeitszeit für die Verkäuferin!
Kleinwagen waren einmal günstige Einstiegsmodelle
Und auch Kleinwagen wie der Opel Corsa oder der VW Polo haben ihren Ruf als günstige Einstiegsmodelle verloren. Der Opel Corsa etwa kostet inzwischen 22.890 Euro. Für eine Verkäuferin bedeutet das 11,6 Monatsgehälter, für Pflegeassistenten in der Altenpflege (durchschnittliches Monatsgehalt: 2107 Euro) sind es 10,9 Monate. Ein Abgeordneter schafft die Summe dagegen in 4,2 Monaten, ein Dax-Vorstand braucht gerade mal 2,4 Tage!

E-Mobilität wird zur Frage des Einkommens
Und auch wenn der Trend hin zum Elektroauto kaum aufzuhalten scheint, zeigen die Zahlen: Weite Teile der arbeitenden Bevölkerung können sich Elektroautos derzeit realistisch betrachtet nicht leisten. Modelle wie das Tesla Model Y oder der BYD Seal U liegen preislich zwischen 41.000 und 43.000 Euro. Für Beschäftigte im Verkauf, in der Logistik oder in der Pflege bedeutet das bis zu 21 Netto-Monatsgehälter. Ein Dax-Vorstand erreicht diesen Betrag in weniger als fünf Tagen, ein Bundestagsabgeordneter in knapp acht Monaten.
Damit bleiben ausgerechnet jene Berufsgruppen, die wegen Schichtarbeit, unzuverlässiger ÖPNV-Anbindungen oder ländlicher Arbeitsorte aufs Auto angewiesen sind, von der Elektromobilität ausgeschlossen. Elektromobilität wird damit zur Frage des Einkommens und weniger zur Frage des Wollens.
Bei Luxusautos wie dem Porsche 911 zeigt sich die soziale Schere in Deutschland am deutlichsten. Der Porsche 911 gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Luxusmodellen auf dem Markt. Doch mit dem stolzen Preis von 136.000 Euro bleibt der Wagen für die meisten ein bloßer Traum.

Denn während Normalverdiener jahrelang schuften müssten, um sich den Sportwagen leisten zu können, reicht es bei Spitzenverdienern gerade einmal für ein paar Arbeitstage. Eine Verkäuferin müsste laut Berechnungen ganze 69,1 Monate sparen. Das sind fast sechs Jahre. Ein Pflegeassistent bringt es auf 5,4 Jahre, eine Erzieherin auf 4,3 Jahre.
Und am anderen Ende der Skala? Ein Dax-Vorstand könnte sich den Luxus-Flitzer nach nur 15 Tagen Arbeit gönnen. Zwei Wochen und ein bisschen, mehr braucht es nicht, um sich einen der begehrtesten Sportwagen der Welt vor die Haustür zu stellen. Der Porsche 911 bleibt damit nicht nur ein Statussymbol, sondern auch ein ziemlich schonungsloser Spiegel der deutschen Einkommenskluft.


