400 Mitarbeiter betroffen

Traditionsfirma Atlas insolvent, plötzlich steht alles auf dem Spiel

Ob sie sich da wieder herausschaufeln können? Die Baumaschinenfirma Atlas hat Insolvenz angemeldet.

Author - Sharone Treskow
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Der Großmaschinenhersteller Atlas hat finanzielle Probleme.
Der Großmaschinenhersteller Atlas hat finanzielle Probleme.Sharone Treskow

Die Atlas-Gruppe, einer der bekanntesten deutschen Bagger- und Kranbauer, steckt tiefer in den roten Zahlen als bislang bekannt und hat nun offiziell ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestartet.

Verschwinden die Bagger jetzt aus Berlin?

Seit mehr als 100 Jahren produziert das Unternehmen aus dem niedersächsischen Delmenhorst schwere Baumaschinen, die weltweit eingesetzt werden. Auch in Berlin stehen einige von ihnen. Ob diese Tradition fortgesetzt werden kann, entscheidet sich allerdings erst in den kommenden Monaten. Denn beim Amtsgericht Delmenhorst hat die Gruppe nun einen Antrag auf eine Sanierung in Eigenverantwortung gestellt. Das geht aus einer Pressemitteilung von Atlas hervor.

Bei dieser Form der Insolvenz bleibt das bisherige Management im Amt, soll das Unternehmen jedoch gemeinsam mit externen Sanierungsexperten wieder auf Kurs bringen. Ein vom Gericht eingesetzter Sachwalter überwacht zudem, dass die Interessen der Gläubiger gewahrt bleiben. Ein Balanceakt zwischen Erhalt und Neustart.

Der Großmaschinenhersteller Atlas hat einen Antrag auf eine Sanierung in Eigenverantwortung gestellt.
Der Großmaschinenhersteller Atlas hat einen Antrag auf eine Sanierung in Eigenverantwortung gestellt.Ardan Fuessmann/Imago

Für die Atlas-Gruppe übernehmen die Sanierungsspezialisten Malte Köster und Hans-Joachim Berner von der Kanzlei KösterBerner die Restrukturierung. Hendrik Gittermann von der Kanzlei Reimer wurde als vorläufiger Sachwalter bestellt. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, die Produktion ebenso. Rund 400 Beschäftigte können vorerst aufatmen: Ihre Löhne sind über das Insolvenzgeld bis April 2026 gesichert.

Marktschwäche drückt die gesamte Baubranche

Das Unternehmen selbst sieht die Gründe für den Absturz in einer „länger andauernden, branchenweiten Marktschwäche“. In der Baumaschinen- und Bauwirtschaft seien die Auftragseingänge stark eingebrochen, die Auslastung nach unten gerauscht. Viele Konzerne kämpfen derzeit um jeden Auftrag, Atlas ist nur eines der prominenteren Beispiele.

Trotz bereits gestarteter Einsparmaßnahmen und finanzieller Hilfe von Gesellschafterseite reichte das alles am Ende nicht mehr aus. Die Liquidität geriet zunehmend unter Druck, ein Weiterbetrieb ohne Insolvenzverfahren war kaum noch realistisch. Dennoch betont der Generalbevollmächtigte Köster: „Atlas ist operativ leistungsfähig und verfügt über eine starke Marke. Das Eigenverwaltungsverfahren schafft jetzt den rechtlichen Rahmen, um die Restrukturierung konsequent umzusetzen und das Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren.“

Insolvenzverwalter versuchen jetzt, den Hersteller für Baumaschinen zu retten.
Insolvenzverwalter versuchen jetzt, den Hersteller für Baumaschinen zu retten.Manfred Segerer/Imago

Ein Blick in die Branche zeigt ein schwieriges Bild. Zwar meldete der Maschinenbauverband VDMA zuletzt steigende Auftragseingänge, doch die Erholung fällt nach einem Einbruch von 21 Prozent im Jahr 2024 eher verhalten aus, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Hinzu kommen politische Unsicherheiten, hart umkämpfte Märkte und ein zunehmender Druck durch billige Importe aus China.

Auch US-Präsident Trump ist schuld

Nicht nur Europa und China bereiten Sorgen. Auch die Stahlzölle der US-Regierung unter Präsident Donald Trump belasten die Branche massiv. Die europäischen Baumaschinenexporte in die USA sind laut VDMA im Jahr 2025 um fast 30 Prozent eingebrochen. Ein herber Schlag für viele Hersteller, die traditionell stark im amerikanischen Markt sind.

Donald Trumps Stahlzölle haben auch bei Atlas zugeschlagen.
Donald Trumps Stahlzölle haben auch bei Atlas zugeschlagen.AdMedia/Imago

Dass nun auch Atlas in die Insolvenz rutschen musste, überrascht daher viele Experten nicht. Es ist nach dem spektakulären Fall des Kranunternehmens Hüffermann bereits das zweite große Unternehmen innerhalb kurzer Zeit, das unter der Marktlage zusammenbricht. Hüffermann wurde inzwischen von der Hagedorn-Gruppe übernommen, eine Art Rettungsanker in letzter Sekunde.

Ob Atlas ein ähnliches Schicksal erwartet, bleibt offen. Die Verantwortlichen betonen, dass es handfeste Chancen gebe, den traditionsreichen Hersteller neu aufzustellen. Doch klar ist auch: Die kommenden Monate werden entscheidend.

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