Schauspielerin Anouschka Renzi durfte in ihrer Prüfung unter anderem in einem Becken mit Schlangen wühlen. RTL

Es gibt wohl keine Sendung im deutschen Fernsehen, an der sich die Geister so sehr scheiden wie an dieser: Aktuell läuft bei RTL täglich „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, landauf, landab bekannt unter dem fluffigeren Titel „Das Dschungelcamp“. Wieder sitzen fast vergessene Promis für zwei Wochen um ein Lagerfeuer, packen ihre Lebensbeichten aus und treten in „Dschungelprüfungen“ an, um sich ihr Essen zu verdienen. Schauen Sie sich die Sendung an?

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Ich möchte mich an dieser Stelle outen: Tatsächlich bin ich ein großer Fan. „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ ist schließlich die mit Abstand am längsten bestehende Trash-Show im deutschen Fernsehen. Und das muss Gründe haben. Ich fühle mich davon blendend unterhalten – von den Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Aber auch von den Promis, für die ich kein Mitleid habe. Denn als Rampenlicht-Profis mit Managements sollten sie wissen, worauf Sie sich einlassen.

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Dschungelcamp: An dieser Show scheiden sich die Geister

Mitleid habe ich tatsächlich nur an einer Stelle: Wenn es um das Thema Tiere geht. Denn ohne die kommt die Dschungel-Show auch nach Jahren nicht aus - und erst recht nicht in Südafrika, wo das Camp in diesem Jahr stattfindet. Sie sind aus dem Dschungel schließlich auch nicht wegzudenken. Sie dienen hier der Unterhaltung – sie sind, neben den C-, D-, E- und F-Promis die Stars der Show. Und sie regen Diskussionen an. Denn nirgendwo sonst kann man so gut darüber grübeln, wo Tierschutz eigentlich beginnt. Und wo er endet – zumindest für die meisten Menschen.

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Bea Fiedler und Lars Tönsfeuerborn un der Dschungel-Show im Jahr 2021. RTL

Im vergangenen Jahr, als das Camp nicht stattfinden konnte, gab es bereits nach der ersten Folge der Dschungel-Ersatzshow einen Aufschrei: In der allerersten Prüfung, so wurde berichtet, ertrank ein Tier in einem Wassertank. „Am Ende der Prüfung war eine Echse, offenbar eine Grüne Wasseragame, tot“, hieß es von Seiten der Tierschutzorganisation Peta. Und weiter: „Bereits seit Jahren fordern wir RTL auf, keine Tiere mehr für das Dschungelcamp zu missbrauchen.“

Dschungelcamp: Wie sieht es in der RTL-Show mit dem Tierschutz aus?

RTL hielt dagegen: Kein Tier sei zu Schaden gekommen. Im Gegenteil: Das Tierwohl stehe bei den Dschungel-Produktionen an oberster Stelle. „Die Tiere sind über Wochen auf die Prüfungen und den Kontakt mit Menschen vorbereitet worden. Von Tierquälerei kann daher in diesem Zusammenhang keine Rede sein“, hieß es. Wenn es um den Tierschutz geht, steht Aussage gegen Aussage: Nur jene, die an der Produktion der Sendung mitwirken, könnten sicher sagen, wie es hinter den Kulissen läuft.

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Auch in diesem Jahr sind reichlich Tiere auf der Mattscheibe zu sehen. Schlangen, Spinnen, Echsen bevölkern die Prüfungen, in denen davon ausgegangen wird, dass die Stars panisch reagieren. Zwar wird vorher stets um vorsichtigen Umgang gebeten. Aber ich frage mich: Könnte ich ruhig bleiben, wenn ich in ein Bassin mit unzähligen Schlangen fasse? Wenn ich aus einer Kiste, gefüllt mit Spinnen, einen festgeknoteten Stern befreien soll?  Und: Wer garantiert, dass in einem verfallenen Haus, in dem in allen Winkeln etwas krabbelt und kriecht, nicht ein Star versehentlich einen falschen Schritt macht, der mit dem Tod eines Tiers endet?

Nicht nur kleine, auch größere Tiere spielen in den Dschungelprüfungen mit. RTL

Man kann nur hoffen, dass sich alle, die an der Show teilnehmen, ihrer Verantwortung bewusst sind. Und dass auch die Stars Vorsicht walten lassen – trotz der Ängste, die sie sicherlich haben. Zumindest in einem Punkt hat RTL bewiesen, dass es anders geht. Denn eines geht gar nicht, finde ich: Jahrelang war es fester Bestandteil der Essens-Prüfung, einer lebenden XXL-Wichetty-Made den Kopf abzubeißen. Das ist an Perversion nicht zu überbieten. Doch seit 2020 sind lebende Tiere vom Speiseplan im Dschungelcamp gestrichen.

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Wie sehen Sie es, liebe Leser und liebe Leserinnen? Ich bin in dieser Diskussion hin- und hergerissen, trage einen inneren Konflikt aus. Verstehe die Tierschützer mit ihren Bedenken, verstehe aber auch den Sender und die Freude daran, die Kandidaten mit den Tieren zu erschrecken. Immerhin: Auch auf mich – und ich bin mit einer handfesten Angst vor Spinnen gesegnet – üben die Dschungelprüfungen Faszination aus. Wie so oft im Leben sollte hier gelten: Es braucht ein gesundes Mittelmaß. Nicht alles muss verboten werden. Aber niemand darf zu Schaden kommen, auch kein Tier, und sei es für die Stars und Sternchen noch so gruselig.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com