Claudia Messerschmidt mit Tinga - die beiden verstanden sich von Anfang an richtig gut. Foto: Tierheim Berlin

Unzählige Tiere warten im Tierheim auf ein neues Zuhause – und während der Corona-Zeit wünschten sich so viele Berliner ein Haustier. Es ist so schmerzhaft, wenn man sehen muss, dass es trotzdem Hunde und Katzen gibt, die einfach niemand möchte.

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In meiner Kolumne berichtete ich vor ein paar Wochen über Sorgen-Hündin Tinga, die schon mehr als 3000 Tage in Falkenberg auf ein neues Herrchen oder Frauchen wartete. Doch nun gibt es ein Happy End! Tatsächlich konnte die Hündin in ein neues Zuhause ziehen – und die Geschichte dahinter rührt zu Tränen.

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Tinga saß inzwischen rund 3050 Tage im Tierheim, als ich in meiner Kolumne über sie schrieb. Sie landete vor Jahren bei den Tierschützern in Falkenberg, weil sie immer ein Problem mit fremden Menschen hatte und das bei den Vorbesitzern auch immer wieder deutlich zeigte. Kein neues Zuhause wollte sich finden.

Jahrelang musste Hündin Tinga auf ein neues Zuhause warten

Doch dann, nach dem KURIER-Bericht, passierte das Wunder! Claudia Messerschmidt aus dem Landkreis Schwäbisch-Hall holte die Hündin nach Baden-Württemberg! „Ich habe den Artikel gelesen und mir gedacht: Das gibt es nicht“,erzählt sie am Telefon. „Warum muss so eine schöne Hündin denn so lange im Tierheim sitzen?“ Die heute 59-Jährige hatte bereits vor Jahren eine Golden-Retriever-Hündin namens Sheala, sie starb aber vor zwei Jahren. „Das war für mich sehr traurig. Sie war immer so unkompliziert, mein Seelenhund.“

Mit diesem Beitrag verkündete das Tierheim, dass Hündin Tinga ein neues Zuhause gefunden hat.

Foto: Facebook/Tierheim Berlin

Tingas Geschichte übte auf sie eine besondere Faszination aus. Deshalb meldete sich Messerschmidt beim Tierheim – und ging einen rührenden Schritt. „Ich fuhr mit meinem Wohnwagen für zwei Wochen nach Berlin, um Tinga kennenzulernen“, erzählt sie.

Messerschmidt campierte vor dem Tierheim, ging täglich mit der Hündin Gassi, machte lange Sparziergänge über die Falkenberger Felder. „Ich habe die Zeit sehr genossen, denn ich mag Tinga sehr. Ich kann absolut nicht verstehen, warum sie so lange nicht vermittelt werden konnte.“ Nach langem Beschnuppern durfte die Sorgen-Hündin mit nach Baden-Württemberg reisen.

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Die Tierpfleger kurz vor dem Abschied von Tinga mit Claudia Messerschmidt, dem neuen Frauchen. Foto: Tierheim Berlin

Ist das nicht ein wundervolles Happy End? Übrigens nicht nur für Tinga, sondern auch für das Tierheim. „Alle waren ganz aufgeregt. Und ein Tierpfleger, der sie lange betreut hat, hatte Tränen in den Augen“, sagt Tierheim-Sprecherin Beate Kaminski. „Nach einer so langen Zeit ist es eine Mischung aus Abschiedsschmerz und riesiger Freude. Aber die Freude überwiegt. Denn viele wollen eher unkomplizierte, junge Tiere – ältere Hunde mit etwas größeren Ansprüchen sind eher schwer zu vermitteln.“

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Auch deshalb warten noch einige auf ihr neues Zuhause. Wie Runa: Die Jack-Russell-Terrier-Dame ist etwa elf Jahre alt, wurde erst im September im Wald gefunden. „Was Runa in ihrem Leben schon durchmachen musste, wissen wir leider nicht“, heißt es in ihrem Steckbrief. „Sie ist sehr personenbezogen, klettert ihrer Pflegemami auch auf den Schoß und fixiert sich sehr auf ihren Menschen.“

Hündin Runa sucht noch ein neues Zuhause. Kontakt unter hunde-reha@tierschutz-berlin.de. Foto: Tierheim Berlin

Leider litt sie an Tumoren und ist altersbedingt fast taub. Für sie wäre ein ebenerdiges Zuhause wichtig. Und auch der zehn Jahre alte Apollo, der seit August im Tierheim sitzt, wartet auf ein gemütliches Sofa.

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Die Grauschnute sei anfänglich „noch etwas misstrauisch, ist nach einer Kennenlernphase dem Menschen gegenüber jedoch sehr freundlich gestimmt“, heißt es. „Dementsprechend sollten Interessenten entsprechend Geduld und Zeit für Apollo mitbringen.“

Auch Apollo wartet noch auf einen gemütlichen Ruhesitz fürs Alter. Foto: Tierheim Berlin

Auch Messerschmidt hatte Geduld – und hat es nicht bereut. Auch wenn ihre neue Mitbewohnerin sich noch ans neue Zuhause gewöhnen muss, lernen muss, wie es mit dem Autofahren geht und aktuell ihre Tabletten nicht nehme will. „Es gibt noch ein paar Dinge, an die wir uns herantasten müssen. Aber Tinga ist so ruhig und entspannt, wie viele ältere Hunde“, sagt sie. Sie wünscht sich, dass noch mehr Menschen ein Herz für ältere Tiere zeigen.  „Gerade sie haben es verdient, nochmal ein Plätzchen zum Ausruhen zu finden.“

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com