Viele Menschen mögen Insekten nicht besonders - doch wer sie aus der Nähe betrachtet, erlebt sie mit Faszination. Foto: imago/blickwinkel

Viele Menschen mögen Tiere, streicheln gern Hunde und Katzen oder gucken sich mal im Zoo Elefanten und Giraffen an. Doch an einer Tierkategorie scheiden sich die Geister: Insekten! Mögen Sie Ameisen, Käfer und andere Krabbeltiere? Finden Sie es gut, wenn sich Fliegen, Mücken und Wespen in Ihre Wohnung verirren? Und wie sieht es mit Spinnen aus? Dass ich Spinnen hasse, habe ich in meiner Tier-Kolumne bereits erzählt. Aber ich habe etwas entdeckt, das die Faszination für Krabbler jeder Art größer werden lässt als die Angst.

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Wenn Sie den KURIER aufmerksam lesen, wird Ihnen nicht entgangen sein, dass wir vor ein paar Tagen über eine Spezies berichtet haben, die momentan vielen Menschen zu schaffen macht: Fruchtfliegen! Kennen Sie die, diese kleinen Biester, die munter und lustig vor allem in der Küche umherschwirren? Tierliebe in allen Ehren, aber die nerven doch wirklich, oder nicht?

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Genau das haben wir im KURIER diese Woche thematisiert – und zum Illustrieren ein wundervolles Foto benutzt. Da steht sie, eine Fruchtfliege, wie ein Soldat, und so, als würde sie direkt in die Kamera schauen. Eine perfekte Aufnahme, die zumindest bei mir dafür sorgt, dass die Abneigung gegen die Insekten der Faszination weicht. Sie sieht schon erstaunlich aus, die Fliege.

So titelte der KURIER zum Thema Fruchtfliegen - das Foto des Insekts begeisterte die Redaktion. Foto: Archiv

Klappt das auch mit anderen Tierchen? Ein Beispiel: Kennen Sie Silberfische? Bestimmt! Ich habe seit ein paar Wochen welche in meiner Wohnung. Am Anfang war es komisch. Ich sitze in der Küche und trinke in Ruhe meinen Kaffee. Dann, ganz plötzlich, nehme ich auf dem Fußboden eine Bewegung wahr. Ich bin nicht allein.

Nützlich oder ekelhaft: Was kann man gegen Silberfische tun?

Was tun? Ich habe kleine Silberfisch-Köderdöschen aufgestellt. Das Problem: Nun fragt jeder, der hier zu Besuch ist, was der Sinn der kleinen Döschen ist, nur die Silberfische interessiert das ziemlich wenig. Eine Kollegin hat inzwischen fleißig Tipps zusammengetragen, was man gegen die Fischchen tun kann.

Ich ging einen anderen Weg, suchte nach Bildern– und auch hier sind die kleinen Quälgeister, die ich gelegentlich über den Flur huschen sehe, plötzlich wahnsinnig faszinierend. Und übrigens: Überaus nützlich sind sie auch, habe ich gelesen! Sie fressen nämlich unter anderem Hautschuppen, Schimmelpilze und Hausstaub – also Dinge, die bei uns Menschen Allergien auslösen können.

Silberfische sind auf den ersten Blick scheußlich - aber stark vergrößert sehen sie einfach faszinierend aus. Foto: imago/Blickwinkel

Vielleicht hätte man die Zeit, die man in die Entwicklung von Staubsauger-Robotern gesteckt hat, also lieber ins Züchten von XXL-Silberfischen stecken sollen.

Ich habe nach weiteren Insekten gesucht – und habe nun eine ganze Galerie mit Bildern der kleinen Mitbewohner, die in meiner Wohnung leben. Und wirklich: Je länger ich die Fotos betrachte, desto weniger schlimm finde ich die Tierchen! Etwa die faszinierenden Facettenaugen der Stubenfliege.

Die Stubenfliege verfügt über faszinierende Facettenaugen. Foto: imago/imagebroker

Aber auch: Die Fühlerchen der Ameise, das Gesichtchen des Marienkäfers, der ja sowieso niedlich ist, aber so eben gleich doppelt so niedlich. Und das aggressive Gesicht der Wespe, die scheinbar das einzige Insekt ist, das selbst durch das Makro-Objektiv so aussieht, als würde sie einen provozieren wollen.

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Und Spinnen! Auch da habe ich es probiert, und sogar hier war ich erfolgreich. Als ich mal mit einem Insekten-Fachmann über die Achtbeiner sprach und fragte, welche auch in Berlin in fast jedem Haus vorkommen, antwortete er: Hauswinkelspinnen.

Marienkäfer sind sowieso schon putzig - aber aus der Nähe betrachtet gleich noch niedlicher. Foto: imago/cavan images

Wenn man die Tiere so fürchtet wie ich, ist das nicht die Antwort, die man hören will. Denn Hauswinkelspinnen sind die großen, oft sehr dunkel gefärbten, die mit den langen Beinen. Auch von dieser Art habe ich mir ein Foto gesucht. Und jetzt schauen Sie sich das mal an.

Die Augen der Hauswinkelspinne sehen beinahe zutraulich aus. Foto: imago/Blickwinkel

Putzig, oder? Diese kleinen Äugelein, die fast zutraulich aussehen, so, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Schau‘ mir einfach mal in meine acht Augen, Kleines. Ich finde das bezaubernd. Im Internet habe ich vor längerer Zeit mal einen Kommentar zum Thema Spinnen-Angst gelesen.

Da schrieb jemand: Spinnen wären nur halb so schlimm, wenn sie sprechen könnten. Wenn sie sagen würden: „Hallo, ich bin die Sibylle, ich baue hier mal eben ein Netz, alles klar?“ Nachdem ich dieses Foto gesehen habe, wünschte ich, es wäre so.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com