Die Spieler von Ungarns Erstliga-Mannschaft Ujpest Budapest haben ihrem Sportdirektor Pal Dardai ein wunderbares Geburtstagsgeschenk bereitet. Am zurückliegenden Sonnabend schlugen sie das Team von Kisvarda FC, den bis dato Tabellenvierten der obersten Spielklasse, nach großem Kampf mit 2:1.
Montag stieg Dardais Geburtstagsparty in Berlin
Nach diesem Erfolgserlebnis konnte Dardai erst am Sonntag nach Berlin fliegen, sah das 1:1 seiner alten Liebe Hertha BSC gegen den VfL Bochum nur im TV. Am Montag aber ging die Fete an seinem 50. Geburtstag in Berlin im großen Kreis der fußballverrückten Familie über die Bühne.

Der ehemalige kampf- und spielstarke Mittelfeldstratege, ausgestattet mit einem harten Schuss, hat über die Hälfte seines bisherigen Lebens in Diensten der Hertha verbracht. Seine Meriten sind beeindruckend: 286 Erstligaspiele und 11 Einsätze in Liga zwei. Später stand er als Cheftrainer von Hertha 186 Mal in der Ersten Liga (Platz 2 hinter Helmut „Fiffi“ Kronsbein/212 Spiele) und 34 Mal in Liga zwei an der Seitenlinie.
Seit drei Monaten ist Dardai Sportdirektor in Ungarn
Von Pal Dardai stammt der Satz: „Ich habe blau-weißes Blut in den Adern und ein ungarisches Herz!“ Ende vorigen Jahres entschied er sich für sein Herz, als er von Ujpest Budapest, einem Traditionsverein, dessen 20 Meisterschaften und elf Pokalsiege allerdings schon viele Jahre zurückliegen, heftig umworben wurde. Seit Januar amtiert er als Sportdirektor. Drei Siege, zwei Remis und drei Niederlagen stehen seitdem zu Buche, was aktuell Platz 8 bedeutet. Die Gegner kamen bislang alle aus der oberen Tabellenhälfte.
Dass Pal Dardai den neuen Job nicht als Intermezzo betrachtet, zeigen seine Zielsetzungen, die er mir verriet. „In dieser Saison der Klassenerhalt, danach vielleicht Rang sechs und noch ein Jahr später ein Platz unter den ersten Drei!“ Dardai, in Ungarn sehr beliebt und verehrt, besitzt einen Dreijahresvertrag mit Option. Mit Mittelfeldmann Arne Maier (27) hat er einen Erstligaspieler vom FC Augsburg nach Budapest geholt, der einst unter seiner Leitung bei Hertha zum Profi reifte. Und mit Admir Hamzagic fungiert Dardais ehemaliger Assistent bei Hertha nun als Co-Trainer von Ujpest-Chefcoach Zoltan Szelesi.
Dardai pendelt zwischen Balaton, Budapest und Berlin
Dardai ist nun zum Dauer-Pendler geworden. Er wohnt in seinem Feriendomizil am Balaton, steht fast jeden Morgen gegen 6 Uhr auf und fährt eine Stunde mit dem Auto nach Budapest. Und er fährt oft nach Berlin, um die Heimspiele der Hertha mit seinem Sohn Marton zu sehen.
„Die Zeit rennt“, sagt Dardai, was ich nur bestätigen kann. Als Reporter war ich dabei, als der blutjunge Ungar an einem Januartag 1997 auf dem windigen Maifeld sein erstes Training bei Hertha absolvierte. Damals konnte niemand ahnen, dass Dardai , der als kleiner Junge angab, sein Traumjob sei Tierarzt, einmal in Berlin eine Ära prägen würde. Im März 1997 gab er sein Profidebüt, kam bei einem 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg nach 46 Minuten für Marc Arnold ins Spiel.

Dardai war dreimal Hertha-Coach
Auch bei seinem letzten Auftritt als Profi war ich Augenzeuge. Am 15. Mai 2011, bei einem 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg, ging er mit seinem jüngsten Sohn Bence auf den Schultern auf eine umjubelte Ehrenrunde. 77.116 Zuschauer bildeten die perfekte Kulisse. Dreimal in seiner Karriere war der 61-malige Nationalspieler Chefcoach der Hertha.
Seine Kritiker warfen ihm oft vor, zu defensiven Fußball spielen zu lassen, zu unattraktiv sei die Spielweise. Doch der Erfolg gab ihm meist recht. Bezeichnend, dass seine jeweiligen Nachfolger als Hertha-Trainer – Ante Covic 2019, Tayfun Korkut 2022 und Cristian Fiel 2023 - alle keine komplette Saison überstanden.




