Iran-Regime jagt Ali Daei

Ali Daei in Gefahr: Vom Welttorjäger zum Staatsfeind der Mullahs

Ali Daei ist ein Volksheld im Iran, Regimegegner und ein Präsidentenkandidat, wenn der Gottesstaat fällt. Jetzt wurde der frühere Hertha-Stürmer enteignet.

Author - Wolfgang Heise
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Ali Daei spielte von 1999 bis 2002 bei Hertha BSC. Der Welttorjäger unterstützt in seiner Heimat Iran die Opposition. Er ist seit Jahren im Fadenkreuz des Mullah-Regimes.
Ali Daei spielte von 1999 bis 2002 bei Hertha BSC. Der Welttorjäger unterstützt in seiner Heimat Iran die Opposition. Er ist seit Jahren im Fadenkreuz des Mullah-Regimes.Contrast/imago

Die Fußballwelt ist in großer Sorge. Wie geht es dem Welttorjäger Ali Daei (56), der von 1999 bis 2002 bei Hertha BSC stürmte, im menschenverachtenden Mullah-Regime im Iran? Daei ist ein Volksheld in seinem Land und unterstützt seit Jahren die Opposition und Massenproteste gegen die Regierung. Repressalien sind gegen ihn der Regelfall. Doch die Situation um den ehemaligen Stürmer im jetzigen Kriegsland wird immer dramatischer.

Mullah-Regime enteignete Ali Daei

Im Januar beschlagnahmten die Mullahs sein ganzes Vermögen – über 50 Millionen Dollar. Seit Wochen ist von ihm nichts mehr zu hören. Er ist zum Staatsfeind geworden. Denn er ist für das machthabende und langsam zerfallende Regime ein gefährlicher Gegner geworden – nicht zuletzt weil er in der Opposition als ein Präsidentenkandidat gilt, falls die Regierung gestürzt wird.

Daei legte sich im Flieger mit Präsident Ahmadinejad an

Daei macht schon seit Jahren keinen Hehl daraus, was er von dem Regime hält. Als er 2019 im Flugzeug einen Sitz neben dem damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad bekam, stand er auf und wechselte von der Businessclass in die Economyclass.

Er kommentierte den Vorfall so: „Ich hatte einfach keine Lust, ihn zu treffen, nicht mal zu begrüßen, geschweige denn mit ihm zu plaudern. Ich bin kein Mann der vielen Worte, sondern des Handelns. Daher mag ich auch keine Typen, die nur reden.“

Die Fifa kämpfte 2022 und 2023 darum, dass Ali Daei bei der WM-Auslosung in Katar dabei sein durfte. Sonst hat er Ausreiseverbot.
Die Fifa kämpfte 2022 und 2023 darum, dass Ali Daei bei der WM-Auslosung in Katar dabei sein durfte. Sonst hat er Ausreiseverbot.Marcio Machado/M.i.S./imago

Spätestens da war Daei, der Weltfußballer, im Fadenkreuz des Mullah-Regimes. 2022 durften er und seine Familie nicht mehr aus dem Land reisen. Seine Frau und die Kinder wurden bei einem Flug nach Dubai von Sicherheitsbehörden aus dem Flieger gezogen. Dazu wurde für den früheren Nationaltrainer ein Berufsverbot im Fußball verhängt.

Vom berüchtigten Geheimdienst wird er ständig überwacht. Er hatte sein Geld als Fußballprofi gut angelegt. Er hat Restaurants und eine Juwelierkette. Alles wurde mit den aufkommenden massiven Protesten der Bevölkerung geschlossen. Seine Popularität ist für die Mullahs eine Bedrohung.

Ali Daei: „Das Land brennt, und ich bin dabei“

Denn seitdem die Menschen auf die Straße gehen und demonstrieren, hat sich auch Daeis Ton verschärft. Im Sommer schrieb er auf seinem Instagram-Kanal, dem 13,3 Millionen Menschen folgen: „Das Land brennt, und ich bin dabei. Möge ich kein Feigling sein. Ich hoffe, ich sterbe, und möge ich kein Verräter meines Landes sein. Egal, wer tot ist, möge er lange leben. Lang lebe das Mutterland.“

Das sind keine Sätze mit Pathos, es ist pure Realität in dem Gottesstaat. Menschen werden gefoltert, verschleppt, erschossen oder hingerichtet. Im Januar gab er nochmal ein Interview und äußerte sich erneut kritisch. Danach enteigneten die Mullahs den Volkshelden. Seit acht Wochen ist es still um Daei geworden.