Die Enttäuschung ist nach der 2:3-Heimpleite gegen Hannover 96 bei Hertha BSC groß. Der Aufstieg ist momentan mal wieder in weite Ferne gerückt. Eigentlich wollte Stefan Leitl (48) zu seinem Dienstjubiläum auch jubeln. Seit einem Jahr ist der gebürtige Münchner bei Hertha Cheftrainer. Es ist Zeit für eine Bilanz.
Leitl weckte Hertha vor zwölf Monaten auf
Nach dem Fehlgriff mit Cristian Fiel hatten die Blau-Weißen viel Glück, dass Hannover 96 in einer irrsinnigen Aktion Leitl im Dezember 2024 feuerte. So konnte er problemlos am 16. Februar „Ja“ zu Hertha sagen. In den restlichen zwölf Rückrundenspielen befreite er die Blau-Weißen von der Abstiegsangst und landete am Ende auf Platz 11.

Maßgeblich für den Aufschwung bis zum Mai 2025 waren ein überragender Fabian Reese (elf Saisontore) nach seiner schweren Knöchel-OP, Ibo Maza und Derry Scherhant. Das erste Pech für Leitl: Die beiden Youngster verließen den Klub. Hertha brauchte das Geld. Der Coach musste ohne zu Murren seine begonnene Aufbauarbeit im Sommer wieder neu starten.
Dann folgte das zweite Pech: Nacheinander verletzten sich wichtige Eckpfeiler im Team: die Mittelfeldspieler Diego Demme, Paul Seguin und Stürmer Dawid Kownacki – um nur einige der langen Verletztenliste zu nennen. Der Saisonstart stolperte so dahin. Realist Leitl blieb geduldig und seine Prognose bewahrheitete sich: „Wenn alle wieder gesund sind, werden wir erfolgreicher sein.“ Es folgte eine Siegesserie und Hertha arbeitete sich in der Tabelle nach oben.
Viele verletzte Spieler, keine Konstanz
Die echte Aufholjagd sollte in der Rückrunde beginnen. Doch Stürmer Kownacki fehlte bei der Vorbereitung wegen einer Grippe. Der bitterste Rückschlag: Leitl hatte voll auf Wunderkind Kennet Eichhorn gesetzt. Doch der junge Mittelfeldspieler wurde im ersten Spiel des Jahres 2026 gegen Schalke (0:0) kaputt getreten und fällt noch Monate aus. Leitl muss seit Saisonstart immer wieder improvisieren: „Durch die vielen Verletzten konnte sich bisher nie eine Mannschaft finden, die mal für ein paar Partien fest zusammenspielt.“

Das Pech ging weiter: Kownacki sah im dritten Spiel beim 2:2 gegen Darmstadt ein Witz-Rot und ist auch noch in Paderborn gesperrt. Das ist das nächste Problem: Hertha hat bei den Schiedsrichtern und VARs einfach kein Glück. Fragwürdige Situationen werden zu 90 Prozent gegen Hertha ausgelegt. Leitl, ein besonnener Mann, der seine Emotionen eigentlich immer unter Kontrolle hat, war jetzt gegen Hannover wegen seiner vierten Gelben Karte gesperrt. Das sieht auch für jeden neutralen Zuschauer seltsam aus.




