Es war der Tag, den Herthaner nie vergessen werden. Vor zwei Jahren, am 16. Januar 2024, starb der beliebte, junge Präsident Kay Bernstein mit nur 43 Jahren. Hertha BSC stand danach für Wochen unter Schock. Bernstein hinterließ mit seinem ausgerufenen „Berliner Weg“ ein Vermächtnis. Wie viel ist davon noch übrig geblieben? Der KURIER macht den Check.
Bessere Nachwuchsarbeit
Bernstein wollte, dass im Profiteam so viel wie möglich eigene Talente aus der Hertha-Akademie spielen und die Nachwuchsarbeit konsequent gefördert wird. Wurde von den jetzigen Bossen komplett eingehalten. In keinem anderem Profi-Team in Deutschland gibt es so viele Nachwuchsspieler und sind sogar Stammspieler. Wunderkind Kennet Eichhorn (16) spielt jetzt schon in der Zweiten Liga. Dieser Mut aller Verantwortlichen würde Bernstein glücklich machen.

Loslösung vom Investor
Der verstorbene Boss machte kein Hehl daraus, dass er eigentlich keinen Investor mehr im Klub haben will. Doch er musste damals die Kröte schlucken. Erst Lars Windhorst, dann 777 Partners. Dafür war Bernstein Pragmatiker, sein Ziel war es trotzdem, auf lange Sicht den Klub wieder in eigene Hände zu bringen. Die Ironie des Schicksals: Windhorst und 777 Partners sind längst Geschichte. Jetzt hat die amerikanische Versicherung A-Cap die Anteile der Hertha KGaA im Besitz. Doch die Amis wollen sie verkaufen. Eine Einmischung ins operative Tagesgeschäft gibt es schon lange nicht mehr.
Sanierung der Finanzen
Bernstein musste in seiner Amtszeit die Notbremse bei den Finanzen ziehen. Der Klub stand kurz vor der Insolvenz. Der knallharte Sparkurs wird bis heute konsequent fortgesetzt. Die Erfolge stellen sich Schritt für Schritt ein. Die 40-Millionen-Hertha-Anleihe, die wie ein Damoklesschwert über dem Klub schwebte, konnte im November 2025 auf nur noch 18,8 Millionen Euro reduziert werden. Sie soll so schnell wie möglich ganz zurückgezahlt werden. Könnte schon bis Saisonende klappen.

Bundesliga-Aufstieg
Bernstein war wegen der Finanzlage Realist und forderte nach dem Bundesliga-Abstieg 2023 nie den sofortigen Wiederaufstieg. Im Gegenteil: Er ging von einer längeren Zeitspanne aus. Das hat sich bewahrheitet. Der Umbruch der Mannschaft wurde ein Langzeit-Projekt. Mit viel Glück könnte es in dieser Saison, im dritten Zweitliga-Jahr, klappen. Bernstein sprach immer von einer zarten Pflanze, die behutsam wachsen muss. Die ersten Früchte werden trotzdem geerntet. Im Pokal stehen die Blau-Weißen nach einem 6:1 gegen Kaiserslautern im Viertelfinale und haben ein Heimspiel gegen den SC Freiburg (10. Februar). Pokalfinale im Olympiastadion, dieser Bernstein-Traum lebt.

Stärkung der Fankultur
Als ehemaliger Vorsänger der Ultra-Gruppe Harlekins machte er sich für die Belange der Fans stark. Er sprach sich ziemlich offensiv für die Legalisierung von kontrollierter Pyrotechnik aus und erachtete die DFB-Strafen als sinnlos. Hertha hat sich nach Bernsteins Tod dem Fän-Verein-Bündnis gegen die hohen Geldstrafen angeschlossen. In der Politik gibt es ein Umdenken. Es gibt Überlegungen, dass bei der nächsten Innenministerkonferenz das generelle Pyro-Verbot aufgehoben wird und unter bestimmten Sicherheitsauflagen die Feuer- und Rauch-Choreografien in den Fankurven zugelassen werden. Wegen zu viel Kommerz im Fußball lehnte Bernstein auch einen Investoreneinstieg bei der DFL ab. Auf dem Höhepunkt der bundesweiten Fan-Proteste starb Bernstein, einen Monat nach seinem Tod kassierte die DFL ihre Investorenpläne wieder ein.



