Heutzutage sinkt die Geburtenrate rapide. Frauen werden immer später erstmals Mutter – wenn sie denn überhaupt noch Babys bekommen. Die Mehrheit der Deutschen glaubt inzwischen, dass man sich Kinder finanziell kaum noch leisten kann. Schon einmal sank die Geburtenrate in den Deutschland rapide – nach dem Pillenkick in den 60ern. Doch im Gegensatz zur BRD hatte die DDR damals eine kluge Antwort auf das Problem.
Die DDR reagierte klüger auf den Pillenknick
Schaut man sich Statistiken zur Geburtenrate in der BRD und der DDR an, sieht man sofort einen eklatanten Unterschied. Nach Einführung der Antibabypille in den 60er Jahren sank die Zahl der Babys stetig und das Durchschnittsalter junger Mütter stieg an.
Doch in der DDR flachte die Negativ-Kurve sehr schnell wieder ab und die Schere zwischen Ost und West ging in der Folge weit auf. Im Jahr 1980 bekamen Frauen in der DDR ihr erstes Kind mit durchschnittlich 22,1 Jahren – im Westen aber waren Frauen da schon 25,2 Jahre alt.
Die DDR hatte einen Vorteil. Die spätere Einführung der Antibabypille: 1961 in der BRD, 1965 in der DDR. Der Osten konnte aus den Fehlern des Westens lernen und hatte die bessere Antwort auf die Geburtenkrise. Denn die Frage war: Wie bekommt man wieder mehr Babys?
Denn der Geburtenrückgang war ein großes Problem: Erst weniger Kinder, dann weniger Schüler, dann weniger Lehrlinge und Studenten, dann weniger Arbeiter. Der Westen versuchte das Minus mit Gastarbeitern ausgleichen und so die Bevölkerungszahl stabil halten. Das brachte neue Probleme mit sich.

Doch die DDR handelte klüger. Mit dem, was später als „Honecker-Buckel“ in die Demografie einging. Auf dem 8. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands im Juni 1971, einen Monat nachdem Erich Honecker gegen Walter Ulbricht putschte und sich zum Ersten Sekretär des Zentralkomitees der SED wählen ließ, beschloss die SED, mehrere Erleichterungen für Eltern einzuführen.
Das Kindergeld wurde erhöht, es gab zinslose Ehekredite (erst 5000, später 7000 Mark), für die man pro Kind immer weniger zurückzahlen musste. Der Kredit wurde „abgekindert“, wie es hieß. Eltern wurden bevorzugt. Sie bekamen das schneller, worauf andere viele Jahre länger warten mussten: Autos, Urlaubsreisen und vor allem Wohnungen.
Junge Mütter konnten in der DDR weiter arbeiten und studieren
Das führte im Wohnungsmangelland DDR dazu, dass nicht nur die Geburtenrate, sondern auch das Alter bei Eheschließungen deutlich niedriger als im Westen war. 1971 heirateten Frauen im Osten im Schnitt mit 21 Jahren, Männer mit 23 Jahren.
Und ganz wichtig für junge Frauen: die Kindertagesbetreuung wurde ausgebaut. So, dass auch junge Mütter ohne Probleme weiter studieren und arbeiten konnten, nicht ihre Lehre abbrechen mussten.
Ein Kollege von mir, der damals Journalistik in Leipzig studierte, erzählt, dass er und seine Frau 21 Jahre alt waren, als sie während des Studiums zum ersten Mal Eltern wurde. Es gab aber auch Studententinnen, die mit 19 oder 20 schwanger wurden – und trotzdem problemlos weiter studieren konnten.
Im Studentenwohnheim gab es Mutter-Kind-Appartements, fiel eine Mutter mal aus, organisierten Mitstudenten Hilfe und schrieben bei Seminaren mit. Und natürlich gab es ausreichend Plätze in Kinderkrippe und Kindergarten.

Dass die Maßnahmen, die die SED 1971 beschloss, funktionierten, zeigt wieder der Blick auf die Zahlen. Nach ein Tief im Jahre 1973 (1,54) kletterte die Geburtenrate wieder nach oben – bis auf 1,9 im Jahre 1980.
Das ist der sogenannte „Honecker-Buckel“. Erst runter, dann hoch. Weil die Geburtenrate nach dem rapiden „Pillenknick“-Abfall durch die Maßnahmen von Erich Honecker und seinen Genossen wieder steil anstieg.
Deutschland heute: Die Geburtenrate sinkt weiter
In der BRD hingegen lag die Zahl 1974 und 1980 (1,45) gleich niedrig, zwischendurch ging sie sogar mal auf 1,38 herunter. Heutzutage sind wir in in Ost und West sogar noch tiefer abgesackt – auf eine Geburtenrate von 1,35. Und es liegt wieder Geld.
Laut einer Insa-Umfrage sagen 55 Prozent der Deutschen, dass man sich in Deutschland keine Kinder mehr leisten könne. Die hohen Lebenshaltungskosten drückten aufs Familienkonto: 81 Prozent nennen steigende Mieten, teure Lebensmittel und Energiepreise als Hauptbelastung.
Und dadurch gerät das ganze Sozialsystem in Schieflage. Immer wenige junge Leute müssen später immer mehr Rentner finanzieren.




