Ostern steht vor der Tür. Viele Familien schmücken jetzt ihre Wohnungen mit kleinen Hasen, Küken und bunt bemalten Eiern. Schon Tage vorher werden das Mittagessen und Kaffeetrinken an den Feiertagen geplant und vorbereitet. Kinder bekommen teils teure Geschenke, die der Osterhase versteckt hat.
Ostern in der DDR sah bei Familien anders aus
So sieht das Programm bei vielen Familien heutzutage aus. Doch zu DDR-Zeiten war es anders. Der KURIER begibt sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit und nimmt Sie mit.
In der DDR war der Ostermontag kein Feiertag
Heute scheint es selbstverständlich, doch in der DDR war das nicht so. Wer sich nach einem langen und anstrengenden Ostersonntag noch einmal richtig entspannen möchte, hat dazu den Montag danach Zeit. Zu Ostzeiten ging das jedoch nicht, weil der Ostermontag mehr als zwei Jahrzehnte lang kein gesetzlicher Feiertag war.
Grund: Die Einführung der Fünf-Tage-Woche. Staats- und SED-Parteichef Walter Ulbricht schlug 1967 den nächsten Sozial-Coup vor und brachte einige Vorschläge ein. Dazu gehörten die Erhöhung des Mindesturlaubs, der Mindestbruttolöhne, der Mindestrenten und des Kindergeldes für das vierte und jedes weitere Kind – und eben die Fünf-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich.
Folge: Für den arbeitsfreien Samstag mussten einige gesetzliche, arbeitsfreie Feiertage geopfert werden. Das waren der Tag der Befreiung (8. Mai), Christi Himmelfahrt, der Reformationstag (31. Oktober), Buß- und Bettag und Ostermontag. Erst nach der Wende kehrte der Ostermontag zurück. Am 16. April 1990 war er erstmals wieder gesetzlicher Feiertag.
Beliebte und würzige Soleier für die Familie
Heute gibt es an den Osterfeiertagen deftiges Fleisch, herzhaften Käse und tropische Früchte. Es herrscht ein Überangebot in den Supermarkt-Regalen. Zu DDR-Zeiten wurde hingegen aus dem was gezaubert, was man zur Verfügung hatte.
Sehr beliebt waren etwa würzige Soleier. Dabei werden Eier in Wasser, Essig, Salz, Zwiebeln und Kümmel eingelegt. Diese Methode wurde gern genutzt, um überzählige Eier vom Osterfeld haltbar zu machen. Wie haltbar die Eier danach tatsächlich sind, dazu gehen die Meinungen auseinander. Grundsätzlich, heißt es, seien die Eier vernünftig eingelegt noch einige Monate genießbar.

Bunte Papp-Eier mit süßen Leckereien
Sie sind niedlich, bunt und aus Pappe – die kleinen nostalgischen Papp-Eier, in denen eine süße Leckerei versteckt wurde. Jeder aus der DDR kennt sie.
Heute schlummern diese Objekte unter anderem im Berliner DDR-Museum. Mehr als 30.000 einzelne Exponate sammelte das Museum und erinnert damit an längst vergangene Zeiten.
Warum aber waren die Papp-Eier so beliebt? „Vor allem, weil man sie immer wieder verwenden konnte. Dieser Aspekt der Sparsamkeit war sehr wichtig. Die Eltern haben die Eier jedes Jahr aufs Neue zu Ostern versteckt“, sagte Grafikdesignerin Christiane Beck von der Nestler GmbH Feinkartonagen in Ehrenfriedersdorf auf Nachfrage der Mitteldeutschen Zeitung.
Eierlikör und Knusperflocken in der DDR sehr beliebt
Neben den nostalgischen Papp-Eiern waren auch selbst bemalte Eier in den Osterkörben der absolute Renner. Hinzu kamen Dragee-Eier und manchmal auch Schlagersüßtafeln, Knusperflocken von Zetti oder eine Bambina-Butterkaramelltafel.
Und was gab es für Erwachsene? „Eierlikör von Goldbrand in Waffelbechern“, erzählte Silke Rüdiger, Standortleiterin des Ostprodukte-Versands in Stendal. Schnaps wurde häufig auch zu Hause selbst gemacht. „Er war ein Highlight für die Erwachsenen zu Ostern.“

Eiertrudeln wird zum festen und beliebten Brauch
Große Freude gab es indes, wenn Kinder ihre bunt bemalten Ostereier von einem Berg kullern ließen. Das sogenannte Eiertrudeln war ein fester Brauch, bei dem man hartgekochte, bunte Eier einen Hügel oder eine Bahn hinabrollen ließ.
Ziel war es meist, dass das Ei am weitesten rollt und unversehrt bleibt. Dieser Brauch wurde oft am Ostersonntag mit der Familie gefeiert – und mancherorts ist es auch heute noch so.




