Mehrere Ossis Millionäre

Kennen Sie noch Tele-Lotto? Lotto in der DDR war besser als im Westen!

Lotto in der DDR war anders: Tele-Lotto bot bessere Gewinnchancen, aber kleinere Summen. Warum viele das Spiel heute vermissen.

Author - Florian Thalmann
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Lotto in der DDR: Mit der Sendung „Tele-Lotto“ wurde das Glücksspiel auch im Osten zum Kult. Ob bunte Tippscheine, Lotto-Otto oder futuristisches Ziehungsgerät: Viele erinnern sich noch heute an die beliebte Sendung von damals.
Lotto in der DDR: Mit der Sendung „Tele-Lotto“ wurde das Glücksspiel auch im Osten zum Kult. Ob bunte Tippscheine, Lotto-Otto oder futuristisches Ziehungsgerät: Viele erinnern sich noch heute an die beliebte Sendung von damals.dpa, DDR Museum Berlin

Ganz Deutschland ist im Lotto-Fieber! Am Dienstag wurden ein weiteres Mal die Zahlen für den Eurojackpot gezogen, im Jackpot warteten 120 Millionen Euro. Und dieses Mal ging das Geld tatsächlich raus: Ein Spieler oder eine Tippgemeinschaft aus Tschechien holte sich die unfassbare Gewinnsumme. Aber: Auch mehrere Ossis wurden zu neuen Millionären. Denn mehrfach gingen mehr als vier Millionen Euro nach Thüringen und Sachsen. Das wirft eine Frage auf: Wie lief eigentlich Lotto in der DDR? Wir erinnern an die kultige Show „Tele-Lotto“ und verraten, warum die Chancen beim Lotto der DDR besser waren als beim Spiel aus dem Westen.

Lotto in der DDR lief anders ab als im Westen

Schon immer haben die Deutschen gern gespielt – und es geliebt, ein paar Zahlen anzukreuzen und dann auf das große Geld zu hoffen. Auch im Osten: In der DDR gab es zwischen 1972 und 1990 die Sendung „Tele-Lotto“, in der die Ziehung der Lottozahlen präsentiert wurde. Lotto in der DDR lief aber etwas anders als beim Spiel „6 aus 49“ im Westen, das nach der Wende das Gegenstück aus dem Osten verdrängte.

Lotto gab es in der DDR schon Jahre, bevor es durch die TV-Sendung „Tele-Lotto“ richtig populär wurde. Im Jahr 1954 beschloss die DDR-Regierung, dass im gesamten Land ein Zahlenlotto eingeführt wird – schon am 8. März des gleichen Jahres wurden dann die ersten Tippscheine verkauft.

Die erste Ziehung fand dann am 14. März 1954 statt, die Gewinnzahlen damals lauteten 17, 33, 61, 73, 75. Am 10. März 1957 wurde die Ziehung der Lottozahlen erstmals auch im Fernsehen übertragen. Zuerst kümmerte sich der VEB Zahlenlotto Leipzig um das Glücksspiel, später wurde aus diesem und anderen Lotto-Betrieben die VEB Vereinigte Wettspielbetriebe mit Sitz in Berlin.

Wolfgang Reichardt, Moderator der 1. und der 1000. Sendung „Tele-Lotto“ des DDR-Fernsehens mit Ziehungsleiter Wolfgang Morgner und Justiziarin Sabine Herrmann
Wolfgang Reichardt, Moderator der 1. und der 1000. Sendung „Tele-Lotto“ des DDR-Fernsehens mit Ziehungsleiter Wolfgang Morgner und Justiziarin Sabine HerrmannKlaus Winkler/dpa

Am 9. Januar 1972 feierte dann das Tele-Lotto seine Premiere. Zuvor hatte es zwar schon andere Lotto-Systeme gegeben, doch dieses Spiel setzte sich auch aufgrund der zugehörigen Fernsehsendung, die zum Kult wurde, durch.  Angekreuzt wurden auf den Tippscheinen 5 Zahlen aus 35. Damit hatte das DDR-Lotto einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Gegenstück aus dem Westen: Hier war es wesentlich leichter, einen großen Gewinn abzuräumen, denn es gab längst nicht so viele Kombinationen!

Beim Lotto der DDR waren die Gewinnchancen höher

Während es beim Lotto 6 aus 49 insgesamt 13.983.816, also knapp 14 Millionen Möglichkeiten für Zahlenkombinationen gab, waren es beim DDR-Lotto nur läppische 324.632 Möglichkeiten. Damit war die Gewinnwahrscheinlichkeit beim DDR-Lotto etwa 43-mal höher als beim Lotto im Westen. Hinzu kamen die Lottogebühren, die mit einer Mark pro Lottofeld niedriger lagen als beim West-Spiel. Allerdings hat die Sache auch einen Haken: Beim DDR-Lotto gab es auch wesentlich weniger Geld zu gewinnen!

Für fünf richtig getippte Zahlen lagen die Gewinnsummen zwischen 10.000 und 20.000 Mark. Gewinne gab es allerdings auch bei Kombinationen mit weniger Zahlen. Wer etwa drei Richtige schaffte, bekam zwischen 15 und 25 Mark. Bei vier Richtigen wurden auch schon mal zwischen 300 und 600 Mark ausgeschüttet.

Dafür ging in der DDR ein höherer Anteil der Spieleinsätze wieder zurück an die Spieler: Beim DDR-Lotto wurden 60 Prozent der Einsätze als Gewinne ausgeschüttet, beim Lotto 6 aus 49 sind und waren es nur 50 Prozent. Lotto in der DDR war also nicht nur günstiger und hatte bessere Gewinnchancen, sondern war auch fairer gegenüber den Spielern. Auch wenn die DDR dafür leider keine Lotto-Millionäre hervorbringen konnte.

„Tele-Lotto“ bot auch Kurzkrimis und Marschmusik

Und: „Tele-Lotto“ auch unterhaltsamer. Denn hinter jeder einzelnen Zahl versteckte sich beim Tele-Lotto ein bestimmtes Genre, aus dem nach der Ziehung der jeweiligen Zahl Filmschnipsel gezeigt wurden. Hinter der Zahl 5 lag etwa der Bereich „Chansons“, hinter der 10 die Rubrik „Frecher Zeichenstift“ und hinter der 19 gab es einen Kurzkrimi. Dieses besondere Vorgehen machte die Sendung zum Kult!

Diese Kategorien gab es beim „Tele-Lotto“ in der DDR
  • 1 – Anekdote
  • 2 – Aus alten Filmen
  • 3 – Ballett
  • 4 – Blasmusik
  • 5 – Chansons
  • 6 – Ensemble der Welt
  • 7 – Evergreens
  • 8 – Fernsehspiel
  • 9 – Filmspaß
  • 10 – Frecher Zeichenstift
  • 11 – Große Mimen
  • 12 – Große Stimmen
  • 13 – Heitere Verse
  • 14 – Humor
  • 15 – Jazz
  • 16 – Junge Talente
  • 17 – Komödie
  • 18 – Kuriositäten
  • 19 – Kurzkrimi
  • 20 – Marschmusik
  • 21 – Musical
  • 22 – Oper
  • 23 – Operette
  • 24 – Schlager
  • 25 – Sensationen
  • 26 – Shanties
  • 27 – Singeclub
  • 28 – Spielfilm
  • 29 – Sport
  • 30 – Tanz
  • 31 – Tierwelt
  • 32 – Trickfilm
  • 33 – Unterhaltungsmusik
  • 34 – Volksmusik
  • 35 – Zirkus

Die Menschen in der DDR liebten ihr „Tele-Lotto“ – und wollten die Sendung auch sehen, nachdem das Glücksspiel nach der Wende abgeschafft und durch das Gegenstück aus dem Westen ersetzt wurde.

Der Lotto-Otto war das offizielle Maskottchen des „Tele-Lotto“ aus der DDR. Heute schlummern mehrere Exemplare im DDR Museum Berlin.
Der Lotto-Otto war das offizielle Maskottchen des „Tele-Lotto“ aus der DDR. Heute schlummern mehrere Exemplare im DDR Museum Berlin.DDr Museum Berlin

Sendung „Tele-Lotto“ aus der DDR gab es bis 1997

Das eigentliche „Tele-Lotto“ war bis zum 30. September 1992 im Fernsehen zu sehen, danach gab es das eigentliche 5 aus 35 nicht mehr, die Show hatte aber weiter Bestand. Erst 1997 wurde dann auch die eigentliche Sendung eingestellt. Bis dahin wurden in der Show lediglich die Zahlen der anderen Lotterien verlesen, die bereits am Tag zuvor gezogen und veröffentlicht worden waren. Sieben Jahre nach der Wiedervereinigung fand dann auch dieses geniale Kapitel der Fernsehgeschichte der DDR ein Ende.

Erinnern Sie sich noch an „Tele-Lotto“ – und haben Sie zu DDR-Zeiten vielleicht sogar mal Geld im Lotto gewonnen? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!