Haben Sie über die Ostertage auch ordentlich geschlemmt? Hier ein leckerer Braten, dort ein ordentliches Frühstück mit der Familie – da fallen die Schokoeier, die man hier und da genüsslich nascht, gar nicht ins Gewicht. Schon früher hat man zu Ostern gern gegessen, auch zu DDR-Zeiten. Ein letztes Relikt, das an das Festmahl zur damaligen Zeit erinnert, schlummert im Depot des DDR Museum Berlin: Eine Speisekarte der berühmten Hotelkette Interhotel vom Osterfest. Lesen Sie zum Abschluss des Ostersfestes mal, was damals auf dem Tisch kam – und vor allem: Was es kostete!
Viele Hotels von Interhotel gibt es heute nicht mehr
Viele können sich an die Hotelkette Interhotel noch erinnern – sie wurde schon am 1. Januar 1965 gegründet, war allerdings zunächst Gästen aus dem „nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ vorbehalten. Als die Kette das Licht der Welt erblickte, gab es Häuser in Berlin und Erfurt, Jena und Magdeburg.
Zwei Hotels von Interhotel standen in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz) und fünf weitere in der Messestadt Leipzig. Viele sind inzwischen geschlossen – erst im vergangenen Jahr sorgte etwa die Meldung für Wirbel, dass das Congress Hotel Chemnitz, das frühere Interhotel Kongreß Karl-Marx-Stadt – seine Pforten schloss und den Hotelbetrieb einstellte.
Im Laufe der DDR-Zeit entstanden weitere Hotels in anderen Städten im Gebiet der Republik – darunter auch das legendäre Hotel Neptun direkt am Ostseestrand in Warnemünde. Viele der Hotels hatten auch eigene Restaurants, in denen die Gäste speisen konnten.
Eine Speisekarte des Interhotel in Gera in Thüringen ist noch heute im DDR Museum Berlin erhalten – sie stammt also aus einem Haus, das es längst nicht mehr gibt. Das Hotel wurde im Jahr 1967 eröffnet, firmierte nach der Wende unter dem Namen Maritim Hotel Gera, wurde aber 1997 abgerissen. Heute befinden sich auf dem Grundstück die Gera Arcaden, ein Einkaufszentrum.

Das Besondere: Die Speisekarte wurde zum Osterfest herausgegeben – das Jahr kann man leider nicht mehr nachvollziehen. Ein Blick auf die Speisen, die damals serviert wurden, ist eine kleine Reise in die Vergangenheit. So wurden in dem Hotel mehrere Menüs angeboten, die man damals noch „Gedecke“ nannte.
Speisekarte des Interhotel zeigt, was es in der DDR gab
Gedeck Nummer 1 bestand aus einer italienischen Frühlingssuppe, Kalbssteak „Florida“ mit Pommes Frites und Nusseis mit Sahne, kostete 12,20 Mark. Etwas günstiger war das Gedeck Nummer 2 mit einer Champignoncremesuppe, dem Filetsteak „Meyerbeer“ mit Rotweinsoße und Pommes Frites und Mokkacreme mit Sahne für 10,75 Mark.
Wer lieber eine französische Weinbauernsuppe, Seezunge mit Kartoffeln und einen Eisbecher wollte, zahlte 12,90 Mark. Der Dessertbecher wurde sogar stilecht „Ostergruß“ genannt. Über die Preise kann man aus heutiger Sicht nur staunen.

Auch sonst hatte die Speisekarte viel zu bieten. Als Vorspeisen gab es beispielsweise Krabbencocktail mit Toast (2,85 Mark), Blätterteigpastete mit Ragout (3,05 Mark) und gefüllte Eier auf Gemüsesalat (3,20 Mark), aber auch Kaviar auf gestoßenem Eis für 9,60 Mark. Zum Osterfest gönnte man sich Delikatessen!
Für Suppen-Fans hatte das Restaurant des Interhotel unter anderem Kraftbrühe mit gebackenen Erbsen (1,05 Mark) und Ochsenschwanzsuppe (1,35 Mark) im Angebot. Auch die Schildkrötensuppe, die in vielen Restaurants in der DDR auf der Karte stand, wurde für 2,60 Mark verkauft – im Interhotel Gera wurde sie sogar mit altem Kognak angereichert.

Heilbutt und Mastputer: Speisekarte des Interhotel Gera
Wer danach Lust auf ein Hauptgericht hatte, konnte zwischen Fisch, Geflügel und Wild und Fleisch wählen. Die Heilbuttschnitte „Helgoland“ gab es schon für 4,80 Mark, die Seezunge „Teufels Art“ für 5,40 Mark. Am teuersten war der kanadische Silberlachs mit Orangenbutter und Schloßkartoffeln für 12,10 Mark.
Brathähnchen und Mastputer mit Ananaskraut und Kroketten waren mit 6,55 Mark und 6,80 Mark etwas günstiger. Sogar Wildschweinkeule mit Apfelrotkohl und Schwenkkartoffeln (5,80 Mark) und Hirschsteak „Karpatis“ (6,45 Mark) gab es. Einfach lecker!


