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Krasse Speisekarten aus der DDR: Das gab es zu Ostern im Interhotel

Das Osterfest neigt sich dem Ende zu, überall wurde geschlemmt. Wer wissen will, was zu Ostern in der DDR auf den Tisch kam: Hier ist unsere Zeitkapsel!

Author - Florian Thalmann
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Das Interhotel Gera wurde nach der Wende abgerissen. Heute erinnert unter anderem eine Speisekarte im Depot des DDR Museum Berlin an die Zeit, als im Restanraut noch serviert wurde.
Das Interhotel Gera wurde nach der Wende abgerissen. Heute erinnert unter anderem eine Speisekarte im Depot des DDR Museum Berlin an die Zeit, als im Restanraut noch serviert wurde.Archiv, DDR Museum Berlin

Haben Sie über die Ostertage auch ordentlich geschlemmt? Hier ein leckerer Braten, dort ein ordentliches Frühstück mit der Familie – da fallen die Schokoeier, die man hier und da genüsslich nascht, gar nicht ins Gewicht. Schon früher hat man zu Ostern gern gegessen, auch zu DDR-Zeiten. Ein letztes Relikt, das an das Festmahl zur damaligen Zeit erinnert, schlummert im Depot des DDR Museum Berlin: Eine Speisekarte der berühmten Hotelkette Interhotel vom Osterfest. Lesen Sie zum Abschluss des Ostersfestes mal, was damals auf dem Tisch kam – und vor allem: Was es kostete!

Viele Hotels von Interhotel gibt es heute nicht mehr

Viele können sich an die Hotelkette Interhotel noch erinnern – sie wurde schon am 1. Januar 1965 gegründet, war allerdings zunächst Gästen aus dem „nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ vorbehalten. Als die Kette das Licht der Welt erblickte, gab es Häuser in Berlin und Erfurt, Jena und Magdeburg.

Zwei Hotels von Interhotel standen in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz) und fünf weitere in der Messestadt Leipzig. Viele sind inzwischen geschlossen – erst im vergangenen Jahr sorgte etwa die Meldung für Wirbel, dass das Congress Hotel Chemnitz, das frühere Interhotel Kongreß Karl-Marx-Stadt – seine Pforten schloss und den Hotelbetrieb einstellte.

Im Laufe der DDR-Zeit entstanden weitere Hotels in anderen Städten im Gebiet der Republik – darunter auch das legendäre Hotel Neptun direkt am Ostseestrand in Warnemünde. Viele der Hotels hatten auch eigene Restaurants, in denen die Gäste speisen konnten.

Eine Speisekarte des Interhotel in Gera in Thüringen ist noch heute im DDR Museum Berlin erhalten – sie stammt also aus einem Haus, das es längst nicht mehr gibt. Das Hotel wurde im Jahr 1967 eröffnet, firmierte nach der Wende unter dem Namen Maritim Hotel Gera, wurde aber 1997 abgerissen. Heute befinden sich auf dem Grundstück die Gera Arcaden, ein Einkaufszentrum.

In den Küchen der Interhotels wurde fleißig gekocht. Hier: Die Küche im Interhotel Kongreß in Karl-Marx-Stadt kurz vor der Eröffnung des Hauses.
In den Küchen der Interhotels wurde fleißig gekocht. Hier: Die Küche im Interhotel Kongreß in Karl-Marx-Stadt kurz vor der Eröffnung des Hauses.Wolfgang Schmidt/imago

Das Besondere: Die Speisekarte wurde zum Osterfest herausgegeben – das Jahr kann man leider nicht mehr nachvollziehen. Ein Blick auf die Speisen, die damals serviert wurden, ist eine kleine Reise in die Vergangenheit. So wurden in dem Hotel mehrere Menüs angeboten, die man damals noch „Gedecke“ nannte.

Speisekarte des Interhotel zeigt, was es in der DDR gab

Gedeck Nummer 1 bestand aus einer italienischen Frühlingssuppe, Kalbssteak „Florida“ mit Pommes Frites und Nusseis mit Sahne, kostete 12,20 Mark. Etwas günstiger war das Gedeck Nummer 2 mit einer Champignoncremesuppe, dem Filetsteak „Meyerbeer“ mit Rotweinsoße und Pommes Frites und Mokkacreme mit Sahne für 10,75 Mark.

Wer lieber eine französische Weinbauernsuppe, Seezunge mit Kartoffeln und einen Eisbecher wollte, zahlte 12,90 Mark. Der Dessertbecher wurde sogar stilecht „Ostergruß“ genannt. Über die Preise kann man aus heutiger Sicht nur staunen.

In den Gaststätten der DDR wurde gut gegessen, auch rund um die Feiertage.
In den Gaststätten der DDR wurde gut gegessen, auch rund um die Feiertage.Sächsische Zeitung/imago

Auch sonst hatte die Speisekarte viel zu bieten. Als Vorspeisen gab es beispielsweise Krabbencocktail mit Toast (2,85 Mark), Blätterteigpastete mit Ragout (3,05 Mark) und gefüllte Eier auf Gemüsesalat (3,20 Mark), aber auch Kaviar auf gestoßenem Eis für 9,60 Mark. Zum Osterfest gönnte man sich Delikatessen!

Für Suppen-Fans hatte das Restaurant des Interhotel unter anderem Kraftbrühe mit gebackenen Erbsen (1,05 Mark) und Ochsenschwanzsuppe (1,35 Mark) im Angebot. Auch die Schildkrötensuppe, die in vielen Restaurants in der DDR auf der Karte stand, wurde für 2,60 Mark verkauft – im Interhotel Gera wurde sie sogar mit altem Kognak angereichert.

Eine Speisekarte aus dem Interhotel in Gera ist noch heute im DDR Museum Berlin erhalten. Hier kann man nachlesen, was in dem Hotel zu Ostern auf den Tisch kam.
Eine Speisekarte aus dem Interhotel in Gera ist noch heute im DDR Museum Berlin erhalten. Hier kann man nachlesen, was in dem Hotel zu Ostern auf den Tisch kam.DDR Museum Berlin, Montage: BK

Heilbutt und Mastputer: Speisekarte des Interhotel Gera

Wer danach Lust auf ein Hauptgericht hatte, konnte zwischen Fisch, Geflügel und Wild und Fleisch wählen. Die Heilbuttschnitte „Helgoland“ gab es schon für 4,80 Mark, die Seezunge „Teufels Art“ für 5,40 Mark. Am teuersten war der kanadische Silberlachs mit Orangenbutter und Schloßkartoffeln für 12,10 Mark.

Brathähnchen und Mastputer mit Ananaskraut und Kroketten waren mit 6,55 Mark und 6,80 Mark etwas günstiger. Sogar Wildschweinkeule mit Apfelrotkohl und Schwenkkartoffeln (5,80 Mark) und Hirschsteak „Karpatis“ (6,45 Mark) gab es. Einfach lecker!

Und auch Nachtisch-Liebhaber kamen nicht zu kurz. Auf der Karte standen neben Ananasparfait (3,35 Mark) auch die Eisbecher „Aida“ (3,80 Mark) und „Ostergruß“ (4 Mark) und zuletzt das „Geraer Eisgedicht“ für 4,20 Mark.

Tragisch ist einzig und allein, dass sich heute nur schwer nachvollziehen lässt, welche besonderen Erfindungen sich hinter solch schwungvollen Namen verbargen. Denn leider ging im Interhotel Gera inzwischen schon seit Jahrzehnten kein Eisbecher mehr über die Theke.

Erinnern Sie sich an das Hotel? Oder haben Sie andere Speisekarten aus der DDR-Zeit, in denen man erfährt, was in den Gaststätten des Landes damals auf den Tisch kam? Schreiben Sie uns eine Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!