Der Internationale Kindertag wurde erstmals 1925 auf der Weltkonferenz für das Wohlergehen der Kinder in Genf ausgerufen. Seitdem feiern ihn viele Länder jedes Jahr am 1. Juni – als Zeichen für den Schutz der Kinderrechte. In Deutschland wurde der 1. Juni seit 1950 besonders ausgiebig in der DDR gefeiert. Für uns Kinder war der Tag einfach das Größte!
Viele feiern heute noch den DDR-Kindertag
In der DDR war der Kindertag ein fester Bestandteil im Jahreskalender: mit kleinen Geschenken, Ausflügen und bunten Veranstaltungen war der Tag ein besonderer Tag. Auch nach der Wiedervereinigung wird der Tag heute noch in vielen Familien weiterhin traditionell begangen – besonders in Ostdeutschland erinnern sich Eltern und Großeltern von heute noch an den Kindertag in ihrer Kindheit.
Kein Unterricht in der Schule
Für Schulkinder in der DDR war der 1. Juni ein Glückstag: unterrichtsfrei! Wir Kinder freuten uns schon Tage vorher auf „unseren“ Tag.
Schon am Morgen ging es auf den Schulhof oder die Festwiese, wo Spielstände, Bastelstationen, Sackhüpfen, Eierlaufen und kleine Wettbewerbe aufgebaut waren. Süßigkeiten und kleine Geschenke gab es fast überall. Mancherorts wurden sogar Klassenausflüge in die nächste Bezirksstadt organisiert. Die überall im Land gebauten Pioniereisenbahnen wurden oft am Kindertag eingeweiht.
Für alle Kinder zwischen Anklam und Zwickau gab es Aktionen, Feste, Fahrten.
Alles drehte sich um die Kinder
Kindertag in der DDR, das war ein Tag, an dem sich wirklich alles um die Kinder, die Stützen der jungen, sozialistischen Gesellschaft drehte. So wurde etwa auch in Hausgemeinschaften zum Hoffest eingeladen. Straßen wurden zu Spielstraßen, in den Kulturzentren gab es Kinderprogramm und Spiele.

In Kreiskulturhäusern traten Künstler wie Gerhard Schöne auf, oder es gab Puppentheatervorstellungen. Von all den Kuchenbasaren und Fackelumzügen am Abend konnte einem als Kind ganz schwindelig werden vor lauter Angeboten.
In vielen Städten gab es große zentrale Veranstaltungen, oft mit Bühnenprogrammen, Pionierchören und Sportvorführungen. Lieder, die auf die Kinder in aller Welt hinwiesen, durfte dabei nicht fehlen.
Denn am internationalen Kindertag standen in der DDR auch immer Kinder in anderen Ländern im Fokus. Kinder, denen es ganz propagandagemäß, nicht so gut ging wie den jungen Menschen in der sozialistischen DDR.
Natürlich wurde der Kindertag auch für die politische Erziehung genutzt. Wenngleich für die meisten Kinder der Spaß an diesem Tag ganz sicher im Vordergrund stand.
Beliebtes DDR-Kinderlied
In dem Lied „Über allen strahlt die Sonne“, das helfen sollte, die Bedeutung des Tages besser zu erfassen, heißt es: Über allen strahlt die Sonne, über allen in der Welt. Alle Kinder wollen Frieden, Frieden, der das Glück erhält. Froh und glücklich will doch spielen auf der Erde jedes Kind, ob nun seine Eltern Schwarze, Gelbe oder Weiße sind.

Am Kindertag fanden in der DDR meist am Morgen in der Schule Fahnenappelle statt, bei denen Schüler ausgezeichnet wurden, dann begann das lockere Programm. Oft halfen die Patenbrigaden in den Schulen mit, kleine Spiele für die Kinder zu organisieren.
Im Sinne der Erziehung zur „Liebe zur Arbeit“ war eine Schulklasse in der DDR mit einer Patenbrigade verbunden. Diese kleinste Arbeitseinheit in einem Betrieb kümmerte sich um „ihre Klasse“, etwa auch mit durch Glückwunschkarten zum Internationalen Kindertag.
Bei den Umzügen die mancherorts stattfanden, hatten Kinder sogar einen Kindertags-Stock dabei, der mit bunten Bändern und Ballons oder Bildern geschmückt war, auch Bonbons wurden manchmal dran geklebt.


