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Internationaler Kindertag: So feierte die DDR ihren Nachwuchs

Mit Fahnenappel und Kinderdisco ließ sich die DDR nicht lumpen und zeigte allen, wie gut es Kindern ging. Schließlich waren wir wichtig für die Zukunft.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Wenn nur jeden Tag Kindertag hätte sein können.
Wenn nur jeden Tag Kindertag hätte sein können.imago stock&people

Der Internationale Kindertag wurde erstmals 1925 auf der Weltkonferenz für das Wohlergehen der Kinder in Genf ausgerufen. Seitdem feiern ihn viele Länder jedes Jahr am 1. Juni – als Zeichen für den Schutz der Kinderrechte. In Deutschland wurde der 1. Juni seit 1950 besonders ausgiebig in der DDR gefeiert. Für uns Kinder war der Tag einfach das Größte!

Viele feiern heute noch den DDR-Kindertag

In der DDR war der Kindertag ein fester Bestandteil im Jahreskalender: mit kleinen Geschenken, Ausflügen und bunten Veranstaltungen war der Tag ein besonderer Tag. Auch nach der Wiedervereinigung wird der Tag heute noch in vielen Familien weiterhin traditionell begangen – besonders in Ostdeutschland erinnern sich Eltern und Großeltern von heute noch an den Kindertag in ihrer Kindheit.

Kein Unterricht in der Schule

Für Schulkinder in der DDR war der 1. Juni ein Glückstag: unterrichtsfrei! Wir Kinder freuten uns schon Tage vorher auf „unseren“ Tag. 

Schon am Morgen ging es auf den Schulhof oder die Festwiese, wo Spielstände, Bastelstationen, Sackhüpfen, Eierlaufen und kleine Wettbewerbe aufgebaut waren. Süßigkeiten und kleine Geschenke gab es fast überall. Mancherorts wurden sogar Klassenausflüge in die nächste Bezirksstadt organisiert. Die überall im Land gebauten Pioniereisenbahnen wurden oft am Kindertag eingeweiht.

Für alle Kinder zwischen Anklam und Zwickau gab es Aktionen, Feste, Fahrten.

Alles drehte sich um die Kinder

Kindertag in der DDR, das war ein Tag, an dem sich wirklich alles um die Kinder, die Stützen der jungen, sozialistischen Gesellschaft drehte. So wurde etwa auch in Hausgemeinschaften zum Hoffest eingeladen. Straßen wurden zu Spielstraßen, in den Kulturzentren gab es Kinderprogramm und Spiele.

Zum Kindertag am 1. Juni 1984 vergnügen sich viele Familien auf der bunt geschmückten Terrasse der HO-Gaststätte „Biesdorfer Kreuz“ im Neubauviertel an der Marchwitzastraße in Berlin-Marzahn.
Zum Kindertag am 1. Juni 1984 vergnügen sich viele Familien auf der bunt geschmückten Terrasse der HO-Gaststätte „Biesdorfer Kreuz“ im Neubauviertel an der Marchwitzastraße in Berlin-Marzahn.Reinhard Kaufhold

In Kreiskulturhäusern traten Künstler wie Gerhard Schöne auf, oder es gab Puppentheatervorstellungen. Von all den Kuchenbasaren und Fackelumzügen am Abend konnte einem als Kind ganz schwindelig werden vor lauter Angeboten.

In vielen Städten gab es große zentrale Veranstaltungen, oft mit Bühnenprogrammen, Pionierchören und Sportvorführungen. Lieder, die auf die Kinder in aller Welt hinwiesen, durfte dabei nicht fehlen.

Denn am internationalen Kindertag standen in der DDR auch immer Kinder in anderen Ländern im Fokus. Kinder, denen es ganz propagandagemäß, nicht so gut ging wie den jungen Menschen in der sozialistischen DDR.

Natürlich wurde der Kindertag auch für die politische Erziehung genutzt. Wenngleich für die meisten Kinder der Spaß an diesem Tag ganz sicher im Vordergrund stand.

Beliebtes DDR-Kinderlied

In dem Lied „Über allen strahlt die Sonne“, das helfen sollte, die Bedeutung des Tages besser zu erfassen, heißt es: Über allen strahlt die Sonne, über allen in der Welt. Alle Kinder wollen Frieden, Frieden, der das Glück erhält. Froh und glücklich will doch spielen auf der Erde jedes Kind, ob nun seine Eltern Schwarze, Gelbe oder Weiße sind.

Kinder bei einem Spiel bei einer Feier zum Kindertag im Neubaugebiet Leipzig-Grünau im Juni 1987
Kinder bei einem Spiel bei einer Feier zum Kindertag im Neubaugebiet Leipzig-Grünau im Juni 1987Waltraud Grubitzsch

Am Kindertag fanden in der DDR meist am Morgen in der Schule Fahnenappelle statt, bei denen Schüler ausgezeichnet wurden, dann begann das lockere Programm. Oft halfen die Patenbrigaden in den Schulen mit, kleine Spiele für die Kinder zu organisieren.

Im Sinne der Erziehung zur „Liebe zur Arbeit“ war eine Schulklasse in der DDR mit einer Patenbrigade verbunden. Diese kleinste Arbeitseinheit in einem Betrieb kümmerte sich um „ihre Klasse“, etwa auch mit durch Glückwunschkarten zum Internationalen Kindertag.

Bei den Umzügen die mancherorts stattfanden, hatten Kinder sogar einen Kindertags-Stock dabei, der mit bunten Bändern und Ballons oder Bildern geschmückt war, auch Bonbons wurden manchmal dran geklebt.

Eine Hausgemeinschaft feiert 1989 den Kindertag, aufgenommen am 1. Juni 1989 in Rostock-Dierkow.
Eine Hausgemeinschaft feiert 1989 den Kindertag, aufgenommen am 1. Juni 1989 in Rostock-Dierkow.imago

Ein in der DDR bekanntes Buch, „Bald bin ich ein Schulkind“, gibt Eltern Tipps wie sie den Kindertag gestalten können: „Gestalten Sie den Kindertag zu einem besonderen Ereignis! Dazu gehört gar nicht viel: ein nett gedeckter Tisch, ein kleines Geschenk, lustige Spiele in einer Kindergemeinschaft und abends der Fackelzug. Lassen Sie Ihr Kind an diesem Tag ruhig einmal etwas länger aufbleiben als sonst!“, heißt es darin. Kein Wunder, wenn sich die Kinder von damals noch heute an diesen Tag erinnern.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Schenken Sie Ihren Kindern auch etwas zum Kindertag? Feiern Sie den Kindertag? Sollten wir mehr für die Kinder in Deutschland tun? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com