Heimat. Das ist nicht nur ein Ort, sondern Gefühl, Geschichte und Identität. Im Heimatmuseum Warnemünde wird genau das lebendig gehalten: die Geschichten der Küste, ihre Relikte, manchmal auch ihre dunkleren Kapitel. Eines davon ist das legendäre Hotel Neptun.
Hotel in der DDR eröffnet am 4. Juni 1971
Das Prestigeprojekt der DDR wurde am 4. Juni 1971 eröffnet – als sozialistisches Vorzeigehotel direkt an der Ostsee. Ironie der Geschichte: Beim Bau half ausgerechnet der Westen.
Schwedische Firma baut das Luxushotel in Warnemünde
Eine schwedische Firma errichtete das heutige Luxushotel, zunächst sogar die Fahrstuhlschächte – um die herum erst später der Rest entstand. Während beim Bau also internationale Hilfe gefragt war, erledigte das DDR-Regime den Rest selbst: Überwachung, Bespitzelung und Denunziation gehörten im Neptun zum Alltag, vor allem bei Gästen aus dem Westen.

Eindrucksvoll dokumentiert ist das im Buch „Hotel der Spione“ von Friederike Pohlmann. Ein Exemplar liegt heute im Museum.
Große Feier fällt wegen der Corona-Pandemie aus
Dass die Geschichte noch immer nachwirkt, zeigt das 55. Jubiläum des Hotels in diesem Jahr. Schon 2021 widmete das Heimatmuseum dem Neptun eine Sonderausstellung – eigentlich zum 50. Geburtstag. Doch Corona durchkreuzte die Pläne, die kleine Schau blieb bis Ende 2022 verlängert.
Ein zeittypisches Bild.
„Das 50. Jubiläum lag allerdings in der Corona-Zeit, weshalb die Mini-Ausstellung noch bis Ende 2022 zu sehen war“, erklärt Museumsleiter Christoph Wegner im Gespräch mit dem „Nordkurier“. Begleitmaterial wie Plakate und eine Broschüre sind längst vergriffen – nur digital existieren sie noch.
Dia-Serie zeigt freizügige Sauna-Aufnahmen mit Models
Dafür wächst die Sammlung stetig weiter: 55 Jahre Neptun, gesammelt in Badetüchern, Arbeitsmützen aus der hauseigenen Eisdiele, Schlüsselanhängern, Plastiktüten aus dem Shop, alten Taschenkalendern, einem Flaschenöffner aus DDR-Zeiten sowie Krügen und Gläsern aus der Hotelgastronomie.
Besonders kurios: eine Dia-Serie von 1979, die das Hotel mit Werbemotiven aus den späten 70ern zeigt – inklusive freizügiger Sauna-Aufnahmen mit Models. „Ein zeittypisches Bild“, sagt Wegner. Prüde waren sie also nicht, die DDR-Hotelmacher.




