Kampf um Fördergeld

Rettung für DDR-Kutter „Pasewalk“: Warnemünde will ihn unter Denkmalschutz stellen

140.000 Euro werden benötigt, um das kulturelle Erbe zu bewahren und den Kutter zu restaurieren.

Author - Sebastian Krause
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Die Instandhaltung der „Pasewalk“ könnte bis zu 140.000 Euro kosten.
Die Instandhaltung der „Pasewalk“ könnte bis zu 140.000 Euro kosten.Meike Engels/imago

Der knallrote Kult-Kutter „Pasewalk“ soll nicht sang- und klanglos verrotten. Im Gegenteil: In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Warnemünde hat der Vorsitzende Axel Tolksdorff die nächsten Schritte für die Zukunft des historischen Fischkutters „Pasewalk“ erklärt. Der liegt derzeit an Land im Fischereihafen Rostock und soll gerettet werden.

Schiff soll unter Denkmalschutz gestellt werden

„Ziel ist, das Schiff unter Denkmalschutz zu stellen, um öffentliche Fördermittel zu nutzen“, sagte Tolksdorff im „Nordkurier“. Voraussetzung sei aber der Fortbestand des Fischereikuttervereins Jugend zur See als anerkannter Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Fischkutter „Pasewalk“ wird 1950 gebaut

Die „Pasewalk“ ist für Warnemünde mehr als nur ein Boot. Der 17 Meter lange und 5,60 Meter breite Kutter prägte jahrzehntelang das Bild am Alten Strom. Gebaut wurde er 1950 auf der VEB Boddenwerft Damgarten. Damals liefen dort in kurzer Zeit massenhaft hölzerne Fischkutter vom Stapel. Berichten zufolge sollen es 130 Stück gewesen sein, gefertigt von bis zu 2200 Beschäftigten. 

Technisch gehört die „Pasewalk“ zu den typischen 17‑Meter-Kuttern. Nach der Wende übernahm der Verein „Jugend zur See“ das Schiff und machte es für viele zum schwimmenden Abenteuer. Die vielen Ausfahrten waren vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt.

Der Fischkutter „Pasewalk“ stammt aus dem Jahr 1950.
Der Fischkutter „Pasewalk“ stammt aus dem Jahr 1950.Ullrich Gnoth/imago

Verein kann die laufenden Kosten nicht mehr tragen

Doch dann kamen die Probleme. 2024 teilte der Verein mit, die laufenden Kosten für den Kutter nicht mehr tragen zu können. Der Vorsitzende Norbert Ripka wollte das Schiff für einen symbolischen Euro abgeben. Hinter dem „Ein Euro“-Schild steckte laut Ripka vor allem die teure Pflicht, das über 70 Jahre alte Traditionsschiff regelmäßig prüfen zu lassen.

Er sprach von einer notwendigen „wiederkehrenden Klassifizierung“, für die Investitionen von etwa 10.000 bis 12.000 Euro im Raum standen. Zusätzlich hatte der Verein auch Einschränkungen bei kommerziellen Fahrten, die nicht mehr möglich seien. Erlaubt seien nur noch Vereinsfahrten und Fahrten mit Sponsoren.

Kosten von rund 140.000 Euro stehen im Raum

Um den Fischkutter zu retten, muss viel Geld in die Hand genommen werden. Tolksdorff kalkuliert mit rund 140.000 Euro, hält einen höheren Betrag aber für wahrscheinlich. „Der Kutter liegt seit rund einem Jahr an Land. Die Trockenliegezeit setzt dem Holz zu: Planken schwinden, Material fällt aus“, sagte er. Zwar gelte die „Pasewalk“ noch als seetüchtig, dennoch müsste vor der Zuwasserlassung eine Sanierung erfolgen.

Dafür soll der Denkmalschutz helfen. Wer ein Schiff offiziell als erhaltenswert einstufen lassen kann, hat bessere Chancen auf öffentliche Töpfe. Tolksdorff verwies auf mehrere mögliche Gelder, darunter einen neuen Fonds für maritimes Erbe. Die Pöhler Werft sei um ein aktuelles Gutachten samt Kostenvoranschlag gebeten worden.

Wenn jeder Gast einen Euro geben würde, dann wäre das Geld schnell zusammen.

Axel Tolksdorff, Vorsitzende des Ortsbeirats Warnemünde

EU-Fördertöpfe und Stiftung als Rettung

Rückenwind für das Vorhaben kommt aus der Politik. Auf Bundesebene ist für historische Schiffe eine „Deutsche Stiftung Maritimes Erbe“ angekündigt worden, die für die Jahre 2026, 2027 und 2028 jeweils mit zehn Millionen Euro ausgestattet sein soll.

Parallel gibt es EU-Fördertöpfe, die ausdrücklich auch „Maritimes Erbe“ als Handlungsfeld nennen. Ob und wie solche Programme am Ende auf Warnemünde und die „Pasewalk“ passen, muss noch geprüft werden.

Touristen und Einheimische sollen zahlen

Tolksdorff will jetzt möglichst viele Unterstützer an einen Tisch bringen. „Private Initiative plus Unterstützung durch die Stadt Rostock und Fördermittel bilden die richtige Mischung, um den Fischkutter zu retten.“

Geplant seien auch Online-Aktionen. Tolksdorff kann sich auch freiwillige Beiträge von Touristen und Einheimischen vorstellen: „Wenn jeder Gast einen Euro geben würde, dann wäre das Geld schnell zusammen.“

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