Seit 34 unglaublichen Ziehungen wurde der aktuelle Jackpot bei 6aus49 nicht geknackt. Kein „Sechser mit Superzahl“, kein Jackpot-Gewinner. 50 Millionen Euro warten auf einen Gewinner. Die Deutschen sind im Lottofieber. Millionen spielen mit. Auch in der DDR war Lotto populär – besonders die Sendung Tele-Lotto. Fast 15.000 Annahmestellen nahmen im ganzen Land Tippscheine entgegen. Die Gewinne fielen zwar damals deutlich geringer aus als heute, dafür standen die Chancen auf einen Hauptgewinn wesentlich besser.
356 DDR-Mark: Das war mein erster Lotto-Gewinn
An meinen ersten Gewinn kann ich mich noch erinnern, an die Zahlen, die ich tippte, nicht mehr. Ich war 22 Jahre alt, als meine große Stunde beim Tele-Lotto der DDR schlug. Ein Vierer, der mir 356 Mark einbrachte. Klingt heute wenig, finanzierte mir aber damals den Urlaub. Das Tele-Lotto gab es seit 1972, die Geschichte des DDR-Glückspiels begann aber schon viel früher.
Erstes Zahlenlotto der DDR: Berliner Bärenlotterie startet 1953
Nach der Kriegstragödie sehnten sich die Menschen damals wieder nach etwas Glück. Bereits 1945, wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde in der sowjetischen Besatzungszone die Sächsische Landeslotterie wieder ins Leben gerufen. Bei der 16. Präsidialsitzung der Sächsischen Landesverwaltung vom 24. September 1945 wurde die Einführung „einstimmig gutgeheißen“.
Bis zum ersten Zahlenlotto auf dem Gebiet der DDR dauerte es dann allerdings noch ein paar Jahre. Den Anfang machte am 23. November 1953 die Berliner Bärenlotterie. Gespielt wurde nach dem System „5 aus 90“. Die erste Ziehung fand in der Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin statt. Der damalige Oberbürgermeister Friedrich Ebert wohnte der Premiere bei. Höchster Gewinn 36.373,40 Mark (Gewinnzahlen: 4 – 25 – 72 – 74 – 78).
Nur wenige Monate später folgte der nächste Meilenstein. Mit einem Regierungsbeschluss vom 4. März 1954 wurde das Zahlenlotto in der gesamten DDR eingeführt. Bereits ab dem 8. März konnten die ersten Tippscheine gekauft werden. Die erste landesweite Ziehung fand am 14. März statt. Die historischen Gewinnzahlen lauteten: 17 – 33 – 61 – 73 – 75. Noch im selben Jahr wurden bereits über fünf Mio. Tipps abgegeben.
Der erste ganz große Lottotreffer ließ allerdings auf sich warten. Erst am 24. Oktober 1954, nach 33 Spielwochen, wurden die drei Fünfer gezogen. Die drei Gewinner erhielen 94.780 Mark – damals eine enorme Summe.

Im Laufe der Jahre wurde das Lottoangebot in der DDR immer weiter ausgebaut. 1954 kamen die Systeme 5 aus 45 und 6 aus 49 hinzu. Den größten Popularitätsschub brachte 1972 die Einführung von „Tele-Lotto“ (5 aus 35) – organisiert vom VEB Vereinigte Wettspielbetriebe mit Sitz in Berlin.
Bereits 1957 wurde erstmals eine Lottoziehung im DDR-Fernsehen übertragen. Mit dem Start von Tele-Lotto wurde daraus eine feste Institution. Die Ziehung der Zahlen blieb dabei stets das Herzstück der Sendung. Nach jeder gezogenen Zahl folgte ein kurzer Filmbeitrag aus einer festen Rubrik – von Humor über Schlager bis hin zu Trickfilmen. Dadurch fieberten auch viele Zuschauer mit, die selbst gar keinen Tippschein abgegeben hatten.
Tele-Lotto: Das versteckte sich hinter den 35 Zahlen
Jeder Zahl war ein festes Motto zugeteilt. Bis heute tippe ich im Lotto sehr häufig die 32. Denn die 32 stand damals für die Kategorie „Trickfilm“ – und die wollte ich als kleiner Steppke immer sehen.
Das waren die 35 Kategorien: 1 – Anekdote, 2 – Aus alten Filmen, 3 – Ballett, 4 – Blasmusik, 5 – Chansons, 6 – Ensemble der Welt, 7 – Evergreens, 8 – Fernsehspiel, 9 – Filmspaß, 10 – Frecher Zeichenstift, 11 – Große Mimen, 12 – Große Stimmen, 13 – Heitere Verse, 14 – Humor, 15 – Jazz, 16 – Junge Talente, 17 – Komödie, 18 – Kuriositäten, 19 – Kurzkrimi, 20 – Marschmusik, 21 – Musical, 22 – Oper, 23 – Operette, 24 – Schlager, 25 – Sensationen, 26 – Shanties, 27 – Singeclub, 28 – Spielfilm, 29 – Sport, 30 – Tanz, 31 – Tierwelt, 32 – Trickfilm, 33 – Unterhaltungsmusik, 34 – Volksmusik, 35 – Zirkus
Tele-Lotto lief jeden Sonntag im 1. Programm des DDR-Fernsehens – von 19 bis 19.25 Uhr. 1984 kam eine Mittwochsziehung dazu, allerdings ohne Show und Kurzfilme. Moderiert von Promis, unter Ausicht eines Ziehungsleiters vom VEB Vereinigte Wettspielbetriebe. Deren Namen kannte in der DDR jedes Kind. Walter Rohr oder Herr Orlowski (dessen Vorname unbekannt blieb) waren die bekanntesten.

Der eigentliche Star von „Tele-Lotto“ war die legendäre Lotto-Schnecke. Das klobige Ziehungsgerät aus dem Jahr 1972 wirkte wie eine Erfindung aus der Bastelwerkstatt. Eine Holzkugel wurde hydraulisch nach oben befördert, rollte anschließend spiralförmig nach unten und stieß dabei einen von 35 Zahlenkegeln um. Besonders spannend wurde es, wenn die Kugel einen bereits umgefallenen Kegel traf. Dieser seltene Fall hieß „Durchläufer“ und sorgte regelmäßig für Jubel vor den Fernsehern. Der Satz „Das war ein Durchläufer, Herr Rohr!“ wurde sogar zum geflügelten Wort in der DDR.


