Wie die Zeit vergeht. Am Mittwoch (22. Juli) ist es schon 30 Jahre her, dass Tamara Danz von uns ging. Tamara Danz war der wohl größte Rockstar der DDR, ein Paradiesvogel, Kopf, Motor und Stimme von Silly. Die Sängerin war erst 43 Jahre alt, als sie den Kampf gegen den Brustkrebs verlor. Doch ihre Musik ist immer noch in den Herzen der Fans. Silly, ihre Band, ist gerade wieder auf Tour. Auch weil Tamara Danz das so wollte. Im Gespräch mit dem KURIER erzählt Gitarrist Uwe Hassbecker vom Silly-Schwur, einem Versprechen, das die Musiker der Sängerin kurz vor ihrem Tod geben mussten.
Das Grab von Tamara Danz: Wallfahrtsort für Silly-Fans
Ein idyllisch gelegener, von Linden gesäumter Friedhof in Münchehofe: Hier, nur 500 Meter vom Haus der Eltern entfernt, wurde Tamara Danz 1996 beerdigt. Ein Meer aus Rosen und Gerberas – Tamaras Lieblingsblumen – lag damals an ihrem Grab. Auf der Kranzschleife von Silly stand ein einfaches „Bye, Bye“, berichtete damals der KURIER.
30 Jahre später kommen wir auf kurzes Hallo vorbei. Vögel zwitschern, frühe Sonnenstrahlen wärmen das Grab, das gleich links neben der Friedhofspforte liegt. Man fühlt gleich, dass der Ort immer noch ein wichtiger Ort für Fans der Sängerin ist. Das Grab ist mit Fotos geschmückt, bemalte und beschriebene Steine werden abgelegt.

Im Tod sind Mutter und Tochter wiedervereint. Gleich neben Tamaras steht der Grabstein von Helene Danz. Sie starb nur einen Monat nach der Tochter – ebenfalls am verfluchten Krebs. Zur Beerdigung von Tamara musste sie schon im Rollstuhl kommen.
Silly ist aber immer noch da, gerade unterwegs auf Openair-Sommer-Tour durch den Osten. Am Mittwoch wird Silly nicht spielen. „Das ist aber Zufall“, sagt Uwe Hassbecker (65), Silly-Gitarrist und damaliger Lebensgefährte von Tamara; kurz vor ihrem Tod heirateten sie noch. Am Mittwoch sei er geschäftlich in Leipzig. Doch seine Gedanken werden wohl woanders sein.

Dass es Silly heute noch als Band gibt, ist auch Tamara Danz zu verdanken. „Kurz vor ihrem Tod hat sie uns das Versprechen abgenommen, die Band nicht auch noch sterben zu lassen“, erzählt Hassbecker dem KURIER. Und Tamaras Jungs sind bis heute dabei: Neben Hassbecker auch Keyboarder Ritchie Barton und Bassist Jäckie Reznicek. Der Gitarrist sagt: „Wir haben dieses Versprechen eingelöst und versuchen bis zum heutigen Tag mit allem, was wir tun, ihrem, also auch unserem hohen Anspruch gerecht zu werden.“
Mit Hits wie „Mont Klamott“, „Die wilde Mathilde“, „Verlorne Kinder“ und „Bataillon d’Amour“ haben Silly einen Soundtrack für die 80er Jahre in der DDR geschrieben. Lieder, die das Lebensgefühl in der DDR auf den Punkt brachten. „Für Silly war Tamara von entscheidender Bedeutung“, sagt Uwe Hassbecker. „Tamara hat ab Mitte der 1980er eine persönliche und künstlerische Entwicklung vollzogen, die atemberaubend war. Als Sängerin ist sie einzigartig gewesen.“
Sondermünze und Briefmarke für Tamara Danz
Ersetzen ließ sich die Frontfrau mit der Berliner Großschnauze, die auf der Bühne zur wilden Mathilde wurde, natürlich nicht. Danz war nicht die Sängerin einer Band, Silly wurde durch ihre Präsenz, ihr Temperament zu ihrer Band.
Seit 2005 sind Silly wieder unterwegs – mit wechselnden Sängern, oft mit mehreren gleichzeitig: mit Anna Loos, mit Anja Krabbe, mit Toni Krahl. Seit 2019 ist Julia Neigel die feste Stimme der Band. „In diesen Tagen denkt man natürlich nach: Was wäre, wenn?“, sagt Uwe Hassbecker. „Tamara wäre jetzt 74 Jahre alt. Würde es Silly noch geben? Würde Tamara noch auf der Bühne stehen?“
In diesen Tagen ist die Erinnerung an Tamara Danz natürlich besonders präsent. Silly versucht aber, die Konzerte nicht mit zu viel Pathos aufzuladen. Singt Julia Neigel das Lied „Asyl im Paradies“, sagt sie: „Das ist für dich, Tamara.“ Und Toni Krahl, der wieder mit auf Tour ist, intoniert den Song „Tamara“, den er einst für seine Band City schrieb.

Das Plattenlabel Amiga hat zum 30. Todestag gerade das Album „Asyl im Paradies: 1952 – 1996“ wiederveröffentlicht – mit 18 Songs auf einer CD und 42 Tracks auf einer DVD. Darunter sind auch seltene Mitschnitte aus der DDR-Fernsehsendungen, Interviews und Ausschnitte aus Live-Konzerten.
Im nächsten Jahr, zu ihrem 75. Geburtstag (14. Dezember 1952), wird Tamara Danz dann offiziell geehrt. Am 4. März erscheint in der Serie „Prägende Frauen“ eine silberne 35-Euro-Münze mit dem Konterfei der Sängerin, im Frühjahr folgt eine Tamara-Danz-Briefmarke der Deutschen Post.


