„Schnippel-die schnappel-die Scher“

Haben alle „Meister Nadelöhr“ vergessen? Der traurige Tod der DDR-Legende

Meister Nadelöhr war eine Ikone des DDR-Fernsehens. Doch heute ist Eckart Friedrichson fast vergessen – trotz seiner großen Bedeutung.

Author - Florian Thalmann
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Er bescherte vielen kleinen und großen Zuschauern als Meister Nadelöhr schöne TV-Momente: Schauspieler Eckart Friedrichson
Er bescherte vielen kleinen und großen Zuschauern als Meister Nadelöhr schöne TV-Momente: Schauspieler Eckart FriedrichsonYoutube, Retusche: BK

Im Juni 2026 begeht ein ganz besonderer Star der DDR ein trauriges Jubiläum: Am 7. Juni 1976, also vor 50 Jahren, starb Schauspieler Eckart Friedrichson. Vielen dürfte der Name heute kaum noch etwas sagen, doch er war eine echte Legende des DDR-Fernsehens: In seiner Paraderolle als „Meister Nadelöhr“ war er einer der ganz großen Stars im Kinderfernsehen des Ostens. Und trotzdem scheint der DDR-Star heute beinahe vergessen zu sein: Nur wenige Medien berichten noch über den Kinder-Star. Doch seine Fans vermissen Meister Nadelöhr noch immer! Wir erinnern an die Fernseh-Legende und an seinen traurigen und viel zu frühen Tod.

Lied von Meister Nadelöhr prägte eine TV-Generation

Es ist ein Lied, das eine ganze Generation kleiner Fernsehzuschauer in der DDR prägte – und das noch heute bei vielen im Kopf erklingt, wenn sie an die damalige Zeit denken: „Ich komme aus dem Märchenland, schnippel-die-schnappel-die-Scher‘! Bin allen Kindern wohlbekannt und reiste weit umher. Die schönsten Märchen kenne ich und alle Kinder freuen sich, schnippel-die-schnappel-die-Scher‘, auf Meister Nadelöhr!“ Man kann diese Zeilen als Ossi kaum lesen, ohne automatisch die Melodie zu hören. Denn Meister Nadelöhr hat Spuren in den Herzen vieler Menschen hinterlassen.

Das ist noch heute gut zu sehen: Nur wenige Videos und Aufzeichnungen seiner Auftritte gibt es noch auf dem Video-Portal YouTube. Doch dort, wo er zu sehen ist, sind die Zuschauer voller Liebe. „Das war eine wirklich wunderschöne Kinderzeit“, schreibt etwa ein Nutzer unter einem Video von Meister Nadelöhr. „Es war immer so gemütlich, wenn die Kindersendungen liefen.“

Ein anderer: „Ich habe Meister Nadelöhr geliebt. Das war eine Kindersendung auf höchstem Niveau. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Kinderzeit erleben konnte.“ Und einer schreibt: „Ich war großer Meister Nadelöhr Fan – wobei, was heißt, ich war? Ich finde es immer noch herrlich und wunderbar.“

Meister Nadelöhr mit Pittiplatsch in seiner TV-Sendung. Eckart Friedrichson spielte die Rolle im Kinderfernsehen bis zu seinem viel zu frühen Tod.
Meister Nadelöhr mit Pittiplatsch in seiner TV-Sendung. Eckart Friedrichson spielte die Rolle im Kinderfernsehen bis zu seinem viel zu frühen Tod.YouTube, Retusche: KURIER

Sie lieben Meister Nadelöhr noch heute – und sie vermissen ihn. Denn die Legende des Kinderfernsehens starb leider viel zu früh. Am 7. Juni 1976 starb Schauspieler Eckart Friedrichson, der jahrelang in die Rolle geschlüpft war, im Alter von nur 46 Jahren. Er hatte einen Herzinfarkt erlitten, konnte nicht mehr gerettet werden.

Es war die schwere Folge einer Erkrankung, an der der Schauspieler schon seit seiner Jugend litt: Bereits im Alter von 13 Jahren erkrankte Eckart Friedrichson an Diabetes. Es war das viel zu frühe Ende einer beeindruckenden TV- und Bühnen-Karriere.

1956 hatte Meister Nadelöhr seinen ersten DDR-Auftritt

Eckart Friedrichson wurde im wunderschönen Wernigerode im Harz geboren. Schon im Jahr 1945 knüpfte er als Schüler Kontakt zum Theater. Nach der Schule besuchte er die Schauspielschule in Quedlinburg und wurde danach am Volkstheater Rostock engagiert. Anschließend ging er nach Berlin und arbeitete am Theater der Freundschaft und am Deutschen Theater. Gleichzeitig kam er an das Engagement, das ihm im gesamten Fernsehen der DDR berühmt machte: Am 23. November 1956 war Eckart Friedrichson erstmals als Meister Nadelöhr im Fernsehen der DDR zu sehen.

Zu Beginn hieß die Sendung „Meister Nadelöhr erzählt“. Eckart Friedrichson begrüßte die Zuschauer in seiner Schneiderei im Märchenland und fungierte als Geschichtenerzähler, bekam dabei Besuch von Sandmännchen, Pittiplatsch und Schnatterinchen – und ab und an auch von Stars wie Clown Ferdinand und Frau Puppendoktor Pille. Auch der Postbote „Meister Briefmarke“ war als befreundete Figur regelmäßig zu sehen.

Meister Nadelöhr lief jeden Sonntag im DDR-Fernsehen

Die Folgen der Sendung waren 30 Minuten lang, liefen zuerst am Samstag, später am Sonntag zwischen 15.30 Uhr und 16 Uhr. Eckart Friedrichson spielte die Rolle des Meister Nadelöhr bis 1975. Sein viel zu früher Tod beendete dieses große Stück DDR-Fernsehgeschichte – und hinterließ im Herzen vieler Fans eine große Lücke, die sich nur schwer füllen ließ. In der Folge drehte sich die Sendung ausschließlich um Figuren wie Pittiplatsch und Schnatterinchen. 1978 stieß dann Schauspieler Klaus-Peter Pleßow als neuer Erzähler hinzu. Die Sendung wurde umbenannt in „Zu Besuch im Märchenland“.

Der kleine Kobold Pittiplatsch hatte seinen ersten Auftritt in der Sendung von Meister Nadelöhr im Fernsehen der DDR.
Der kleine Kobold Pittiplatsch hatte seinen ersten Auftritt in der Sendung von Meister Nadelöhr im Fernsehen der DDR.KH/imago

In den Herzen seiner Fans wird Meister Nadelöhr immer einen festen Platz haben – denn er schenkte den kleinen Zuschauern nicht nur tolle TV-Momente. Seine Show ist auch der Geburtsort von Pittiplatsch und Schnatterinchen: Der kleine Kobold, der noch heute Kult ist, hatte seinen ersten Auftritt am 17. Juni 1962. Schnatterinchen war schon vorher zu sehen, nämlich ab 1959.

Während die ersten Figuren der Sendung, die Kanarienvögel Zwirnchen und Röllchen, heute die meisten nicht mehr kennen, sind Pittiplatsch und Schnatterinchen noch heute Kult. Wer weiß, ob das ohne Eckart Friedrichson und seine Rolle als Meister Nadelöhr auch passiert wäre.

Erinnern Sie sich noch an Meister Nadelöhr?

Erinnern Sie sich noch an Meister Nadelöhr und seine Auftritte im Fernsehen der DDR? Und würden Sie sich wünschen, dass solche Sendungen von früher wieder zurück ins Fernsehen kommen? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!