Prickelnder Fund

Flaschenpost nach 50 Jahren entdeckt: Das ist der letzte Gruß aus der DDR

Jahrzehntelang war sie verborgen in einer Museumswand in Sachsen. Das erzählt die Botschaft aus der Flasche Radeberger-Bier!

Author - Stefan Doerr
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In dieser Bierflasche steckte die Nachricht.
In dieser Bierflasche steckte die Nachricht.Carsta Off

Mit so einem Fund hatte auf der Baustelle wohl niemand gerechnet: Bei Sanierungsarbeiten am Lessing-Museum im sächsischen Kamenz entdeckten Bauarbeiter eine alte Radeberger-Bierflasche. Doch statt eines leckeren Hellen wartete im Inneren eine echte Sensation! Eine handgeschriebene Botschaft aus dem Jahr 1976. Die Flaschenpost ist damit der letzte neu aufgetauchte Gruß aus der DDR!

Maurer arbeiteten vor 50 Jahren im Lessinghaus

Aufgestöbert wurde die Flasche von Bauarbeitern, die den überraschenden Fund direkt an das Museum übergaben. Am 21. April wurde die jahrzehntelang verborgene Flaschenpost schließlich gemeinsam geöffnet.

„Man schaut bei einer Baustelle eigentlich nach vorn. Umso spannender ist es, wenn plötzlich eine Nachricht aus der Vergangenheit auftaucht“, sagt Matthias Hanke (62) vom Lessing-Museum, wie Tag 24 berichtet.

Der Zettel erzählt von drei Männern, die vor fast 50 Jahren am Lessinghaus gearbeitet hatten. Offenbar waren sie keine ausgebildeten Maurer, packten aber trotzdem mit an. Auf dem Dokument steht: „Tür und Fenster mauerten in mühseliger Kleinarbeit im Schweiße ihres Angesichts zu, die drei Laien im Maurerhandwerk. G. Langer (‚Polier‘), A. Kretzschmer, D. Pietzsch (‚Gehilfen‘)!“

Flasche blieb fast 50 Jahre in der Wand verborgen

Die Arbeiten wurden damals im Rahmen einer sogenannten Feierabend-Brigade erledigt. In der Botschaft heißt es: „Die Arbeit wurde nach unserem Feierabend erledigt, um dem Lessingmuseum zu schönerem Aussehen zu verhelfen!“ Darunter vermerkten die drei Männer Ort und Zeit: Kamenz, im August/Sept. 1976. Dann unterschrieben sie mit Langer, Kretzschmer und Pietzsch.

Am Lessing-Museum in Kamenz finden derzeit Sanierungsarbeiten statt.
Am Lessing-Museum in Kamenz finden derzeit Sanierungsarbeiten statt.Sylvio Dittrich/Imago

Hanke erklärt den historischen Hintergrund: „Wegen der knappen Handwerkerkapazitäten in der DDR gab es damals solche Feierabend-Brigaden. Menschen mit handwerklichem Geschick haben zusätzlich solche Arbeiten übernommen.“

Fast ein halbes Jahrhundert blieb die Flasche unentdeckt. Versteckt war sie in einer Trennwand, die bei früheren Umbauten entstanden war. Erst jetzt kam sie ans Licht, weil die Wand im Zuge der aktuellen Sanierung zurückgebaut wird.

Für das Museum ist der Fund ein kleines Stück Alltagsgeschichte aus der DDR. Deshalb wandert die ehemalige Bierflasche nicht in den Müll, sondern in die Sammlung des Hauses. „Wir sind begeistert über so viel Engagement“, heißt es aus dem Lessing-Museum.

Während die Flaschenpost von vergangenen Zeiten erzählt, wird am Lessinghaus zugleich an der Zukunft gebaut. Rund vier Millionen Euro fließen derzeit in die Sanierung und Erweiterung des Museums. Geplant sind neue Ausstellungsflächen, ein Aufzug für mehr Barrierefreiheit sowie moderne Bereiche für Besucher.

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