Dieser Film ist Kult, hat Millionen Fans – und die dürfte es besonders freuen, dass der wohl berühmteste Tanz-Streifen aller Zeiten in eine neue Runde geht. Wie jetzt bekannt wurde, soll von „Dirty Dancing“ bald eine Fortsetzung erscheinen, in der Schauspielerin Jennifer Grey sogar in die Rolle von „Baby“ schlüpft. Getanzt wurde, als der kultige Streifen in die Kinos kam, auch in der DDR: Erinnern Sie sich noch daran, wie der Osten die Zeit seines Lebens erlebte?
4,5 Mio. Zuschauer sahen „Dirty Dancing“ in der DDR
„Dirty Dancing“ ist ein Stück Filmgeschichte – und wurde auch in der DDR zum Kult. Rund 4,5 Millionen Menschen sahen den Film im Kino, ein echter Straßenfeger! Gemessen an der Bevölkerungszahl ließen sich sogar mehr Ossis von dem Film verzaubern als Wessis. Die Sehnsucht nach Freiheit, die Lust auf Veränderung, der Wunsch nach der Flucht aus dem tristen Alltag der DDR trieb Millionen Zuschauer in die Arme von Frances „Baby“ Houseman und Johnny Castle.
Dabei waren Patrick Swayze und Jennifer Grey im Osten spät dran: Schon 1987 wurde der Film im Westen gezeigt, ein kleiner Filmverleih aus Frankfurt sorgte hier dafür, dass der Streifen es in die Kinos schaffte. Zwei Jahre später flimmerte „Dirty Dancing“ dann in der DDR über die Leinwand, löste eine regelrechte Bewegung aus.
Der Hype begann aber schon vorher – denn die berühmte Filmmusik fand auch schon vor der Kinopremiere, die übrigens im berühmten Berliner Kino International stattfand, den Weg über die Mauer. Obwohl man sich in der DDR redlich mühte, die Jugend vor schädlichen Einflüssen aus dem Westen zu schützen, konnte kaum einer dem Hüftschwung von Swayze widerstehen. Auch auf der Ostseite der Mauer wurde getanzt, studierte man die Schritte ein, wagte man sich ans „Dirty Dancing“.

Noch heute erinnern sich Fans des Films an die Zeit. „Das war im Sommer 1989 – ich bin zeitweise zweimal pro Woche ins Kino gegangen, um den Film zu sehen“, schreibt eine Frau auf Facebook. Eine andere: „Das war erst 1989? Kommt mir vor, als ob es danach die DDR noch ein paar Jahre gab, aber wer hat das im Sommer geahnt.“ Eine Zuschauerin schreibt, dass sie den Film 15-mal im Kino sah.
Eine Frau erinnert sich daran, dass sie in jener Zeit auch ihren Mann kennenlernte. „Dann ging er zum Studium, kam nur am Wochenende nach Hause. Wir waren so verliebt, haben nur eine Wochenendbeziehung geführt. Aber es hat einfach alles gepasst.“ Noch heute sei „Dirty Dancing“ einer ihrer Lieblingsfilme.
Kino-Fan schrieb wegen „Dirty Dancing“ an Honecker
Eine besondere Geschichte ist auch die von Simone Spahn: Die Frau aus Beelitz berichtete in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“, dass sie 1989 den Kinosommer ihres Lebens erlebte. „Ich hatte schon im Westfernsehen gehört, dass es ein toller Film ist, und war happy, als er in die DDR-Kinos kam“, sagte sie dem Blatt. Sie kaufte beim ersten Kinobesuch gleich Karten für drei Vorstellungen hintereinander, tingelte danach zwischen mehreren Kinos hin und her. Und schrieb einen Brief an DDR-Staatschef Erich Honecker.

Der Grund: Sie wollte tanzen wie in „Dirty Dancing“, doch in der DDR wurde nur Standardtanz unterrichtet, tanzen wie Swayze konnte man nirgendwo. Tatsächlich bekam sie eine Antwort mit der Bitte, sich an die „zuständigen Organe des Kreises“ zu wenden – und schaffte es am Ende tatsächlich zu einem „Dirty Dancing“-Kurs in Potsdam. „Ich hätte damals Patrick Swayze von der Stelle weg geheiratet“, sagte sie der MAZ.
„Elf99“ brachte „Dirty Dancing“ ins Fernsehen der DDR
Die Geschichte von „Dirty Dancing“ schaffte es übrigens noch auf eine andere Art und Weise in die DDR: Zu dem Film gab es auch eine Serienadaption, die in den USA produziert und 1988 und 1989 ausgestrahlt wurde. Sie feierte ihre Premiere in der Fernsehsendung „Elf99“, die aus Adlershof gesendet wurde und vor allem eine jugendliche Zielgruppe ansprechen sollte. Sie lief mit dem Untertitel „Der Jugendnachmittag“ im zweiten Programm des DDR-Fernsehens.
Zum Mix aus Nachrichten, Sportberichten und Musikvideos gesellte sich immer auch eine Folge einer Fernsehserie – so schaffte es auch „Dirty Dancing“ ins DDR-Jugendprogramm, wurde zwischen dem 1. September und Dezember 1989 gezeigt.
Ob als Film oder Serie: „Dirty Dancing“ riss auch in der DDR die Massen mit. Noch heute wird der Streifen auch im Osten ordentlich gefeiert. „Dirty Dancing“ ist beispielsweise ein fester Programmpunkt bei den alljährlichen „Filmnächten am Elbufer“ in Dresden – und jedes Jahr ausverkauft. Obwohl inzwischen nicht mehr jeder die Hebefigur schafft.




