Kennen Sie noch „Ikarus“?

DEFA-Schatz wieder da! DDR-Film verschwand aus den Kinos, jetzt ist er gratis

Der DEFA-Film „Ikarus“ galt vielen DDR-Funktionären als unbequem. Jetzt ist das selten gezeigte Drama kostenlos auf YouTube verfügbar.

Author - Florian Thalmann
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Peter Welz im DDR-Film Ikarus. Vor allem das Ende ist vielen in lebhafter Erinnerung geblieben. Reinschauen lohnt sich, den Film gibt es jetzt gratis auf Youtube.
Peter Welz im DDR-Film Ikarus. Vor allem das Ende ist vielen in lebhafter Erinnerung geblieben. Reinschauen lohnt sich, den Film gibt es jetzt gratis auf Youtube.DEFA-Stiftung/Youtube

Die DEFA-Stiftung verwaltet noch immer das Filmerbe der DDR – einen riesigen Fundus aus großartigen Produktionen, der von Märchen wie „Das Zaubermännchen“ bis hin zu ernsthaften und berühmten Filmen wie „Spur der Steine“ reicht. Immer wieder zaubert die Stiftung alte Filmperlen aus der DDR-Zeit aus der Schatzkiste und stellt diese gratis zur Verfügung. Ein besonderes Stück DEFA-Geschichte wird nun auf YouTube wieder gezeigt: der Film „Ikarus“, der der DDR-Regierung damals zu unbequem war.

DDR-Film „Ikarus“ kann jetzt jeder gratis gucken

Der Streifen von Regisseur Heiner Carow aus dem Jahr 1975 wurde jetzt auf dem YouTube-Kanal der DEFA-Stiftung hochgeladen – das Portal „DEFA Filmwelt“ zeigt etliche Filme aus der DDR-Zeit.

Immer wieder kommen damit auch echte Perlen zurück ans Tageslicht, die man im Fernsehen schon lange nicht gesehen hat. Wie „Ikarus“: Der Streifen erzählt nicht nur eine besondere Geschichte, sondern bringt selbst eine spannende Story mit. Er verschwand nämlich nach sehr kurzer Zeit aus den Kinos.

Das Scheidungsdrama dreht sich um den kleinen Mathias, der acht Jahre alt ist und bei seiner Mutter in Berlin lebt. Die Eltern sind geschieden, Mathias besucht seinen Vater aber ab und zu. In dessen Wohnung findet er an der Wand ein Bild von Ikarus und entwickelt daraufhin selbst den Wunsch, einmal zu fliegen.

An seinem 9. Geburtstag will sein Vater mit ihm einen Rundflug über Berlin machen. Doch am Geburtstag lässt sich der Vater nicht blicken – Mathias macht sich auf die Suche nach seinem Papa.

Für den jungen Schauspieler Peter Welz war Ikarus die erste große Filmrolle. Später wurde er Regisseur, machte nach der Wende Karriere.
Für den jungen Schauspieler Peter Welz war Ikarus die erste große Filmrolle. Später wurde er Regisseur, machte nach der Wende Karriere.DEFA-Stiftung/Youtube

Er gibt die Hoffnung nicht auf, geht auf den Flugplatz und rennt auf die Startbahn, wo gerade eine Maschine der DDR-Fluggesellschaft Interflug parkt. Doch auch dort ist sein Vater nicht. Stattdessen wird er von der Polizei mitgenommen und nach Hause gebracht. Dort wartet unter anderem sein Vater, der ihm statt des Rundfluges eine elektrische Eisenbahn schenkt. Mathias stiehlt sich daraufhin davon. Zu seinem Rundflug kommt er nicht mehr, dafür findet der Film auf eine andere Art und Weise ein trauriges und dramatisches Ende, bei dem vielen Zuschauern das Herz bluten dürfte.

Erste Filmrolle für Schauspieler Peter Welz

Dafür verantwortlich ist Schauspieler Peter Welz, der hier in die Rolle des Mathias schlüpfte – seine erste Filmrolle, aber nicht seine letzte. Lange stand er allerdings nicht vor der Kamera, sondern wechselte die Seiten beim Film: Welz studierte nach der Schule Regie und drehte im Laufe seiner Karriere zahlreiche Filme, hauptsächlich nach der Wende.

Denn seine erste Kinoproduktion, der Film „Banale Tage“, war im Jahr 1990 zugleich der letzte Film bei der DEFA. Er trat als Regisseur unter anderem bei „Medicopter 117“, „SK Kölsch“, „Notruf Hafenkante“ und „Pastewka“ in Erscheinung.

An seiner Seite im DEFA-Film „Ikarus“ standen einige bekannte Schauspieler der DDR. Die Mutter des kleinen Mathias wurde beispielsweise von Karin Gregorek gespielt, der Vater von Peter Aust. Auch Stars wie Günter Junghans und Rolf Hoppe standen für den Film vor der Kamera – und Günter Schubert, den viele unter anderem als Verkehrssünder Meier in der Ratgebersendung „Verkehrskompass“ kannten, spielte einen Volkspolizisten. Das half dem Film allerdings nicht, auf der Leinwand der DDR-Kinos zu bleiben.

DDR-Politiker hielten „Ikarus“ für sozialismusfeindlich

Denn das Thema – die dramatische und enttäuschende Geschichte eines Scheidungskindes – sagte offenbar nicht allen zu. Am 4. September 1975 feierte der Streifen in einem Kino in Karl-Marx-Stadt seine Premiere, am 19. September 1975 lief er dann in den Kinos der DDR an. Gezeigt wurde er aber nur kurz, dann verschwand er wieder. Es heißt, der „Ikarus“ sei von führenden Politikern der DDR als sozialismusfeindlich eingeordnet worden. In der BRD war das kein Problem, hier kam der Film ab dem 16. März 1979 in die Kinos. In der DDR lief er später nur noch im Fernsehen.

Jetzt kann ihn endlich wieder jeder sehen: Auf dem YouTube-Kanal der DEFA-Stiftung steht der Film gratis zur Verfügung. Wenn also mal nichts im Fernsehen kommt, lohnt sich ein Blick. Vor allem für Berliner: Zu sehen sind viele Gegenden in der Hauptstadt, denn gedreht wurde „Ikarus“ unter anderem am Flughafen Schönefeld, im Treptower Park und in der Schönhauser Allee. Auch Luftaufnahmen von der sächsischen Messestadt Leipzig sind in dem besonderen DDR-Film zu sehen.

An welche Filme aus dem Osten erinnern Sie sich besonders gern? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!