Premiere vor 60 Jahren

Frank Schöbels erster Film: Vergessener DDR-Knaller ist jetzt kostenlos

Musik, Liebe und jede Menge Turbulenzen: Der DEFA-Klassiker „Reise ins Ehebett“ mit Frank Schöbel ist jetzt kostenlos im Netz verfügbar.

Author - Florian Thalmann
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Erinnern Sie sich noch an den DEFA-Film „Reise ins Ehebett“? Frank Schöbel hatte in dem Streifen seinen ersten Auftritt als Schauspieler.
Erinnern Sie sich noch an den DEFA-Film „Reise ins Ehebett“? Frank Schöbel hatte in dem Streifen seinen ersten Auftritt als Schauspieler.DEFA-Stiftung/Youtube, Retusche: BK

Es gibt Filme aus der DDR, die bei vielen längst aus dem Gedächtnis gestrichen sind – doch zum Glück haben Sie ja uns! Wir erinnern regelmäßig an die ganz besonderen Streifen aus längst vergangenen Zeiten. Filme, die aus heutiger Sicht unscheinbar aussehen, die aber die eine oder andere Besonderheit bieten. Ein echter DDR-Kracher ist jetzt wieder da: „Reise ins Ehebett“, eine Komödie von 1966. Was den Film so besonders macht? Es ist der erste Streifen, in dem DDR-Schlagerstar Frank Schöbel als Schauspieler zu sehen war!

„Reise ins Ehebett“ feierte vor 60 Jahren seine Premiere

Schon deshalb lohnt sich das Einschalten – und zum Glück müssen Sie nicht lange suchen, um den Kultfilm „Reise ins Ehebett“ zu sehen. Der steht seit Neuestem nämlich auf der YouTube-Seite der DEFA-Stiftung zur Verfügung, die das Filmerbe der DDR verwaltet. Kostenlos kann der Film von 1966 hier gestreamt werden.

Immerhin: Es ist in diesem Jahr 60 Jahre her, dass der Streifen das Licht der Welt erblickte. Im März 1966 wurde der Film im Rahmen einer Voraufführung in Ilmenau zum ersten Mal gezeigt, am 7. April 1966 wurde dann die offizielle Premiere im Berliner Kosmos gefeiert.

Worum geht’s in der Komödie? Es handelt sich um einen Musikfilm, der sich um einen jungen Bootsmann auf einem Schiff der Handelsmarine dreht. Er sorgt bei Landgängen mit seinen Frauengeschichten für Trubel und stiftet die anderen Matrosen zum Unfug an.

Der Kapitän will dem Bootsmann (gespielt von Claus Jurichs) eine Lektion erteilen: Er engagiert eine junge Journalistin namens Eva aus Polen (Anna Prucnal), die dem Bootsmann den Kopf verdrehen, ihn dann aber abblitzen lassen soll.

Im DDR-Film „Reise ins Ehebett“ macht der Bootsmann (gespielt von Claus Jurichs) immer wieder Probleme. An Land pflegt er Frauengeschichten und stiftet die anderen Matrosen zum Unfug an.
Im DDR-Film „Reise ins Ehebett“ macht der Bootsmann (gespielt von Claus Jurichs) immer wieder Probleme. An Land pflegt er Frauengeschichten und stiftet die anderen Matrosen zum Unfug an.DEFA-Stiftung/Youtube, Retusche: BK

Doch dann kommt noch die junge Sängerin Mary Lou (Eva-Maria Hagen) ins Spiel, die sich an Land in den Bootsmann verliebt und ihm heimlich auf das Schiff folgt. Wie turbulent wird es auf dem Schiff, was passiert mit dem Bootsmann, was wird aus den Frauen und für wen führt die Reise am Ende gemäß des Filmtitels ins Ehebett? Das erfahren die Zuschauer, wenn sie mal wieder einschalten – und sich die DEFA-Komödie „Reise ins Ehebett“ anschauen.

Den Film „Reise ins Ehebett“ aus der DDR kann man aktuell kostenlos auf Youtube sehen.
Den Film „Reise ins Ehebett“ aus der DDR kann man aktuell kostenlos auf Youtube sehen.DEFA-Stiftung/Youtube, Retusche: BK

Darum wurde „Reise ins Ehebett“ ein echter Hit

Der Film wurde aus verschiedenen Gründen ein echter Hit. Zum einen fand im Jahr 1966 einer der größten kulturpolitischen Kahlschläge in der DDR statt: Auf dem berüchtigten 11. Plenum des ZK der SED Ende 1965 wurde beschlossen, dass viele Filme verboten und unter Verschluss gehalten werden.

Diese sogenannten „Kellerfilme“ und „Regalfilme“ wurden erst in den 1990er-Jahren wieder aus der Versenkung geholt. Die aktuelle Folge war, dass ein großer Teil der Jahresfilmproduktion nicht verfügbar war, „Reise ins Ehebett“ durfte aber gezeigt werden. Neben „Die Söhne der großen Bärin“ wurde er zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres.

Der Film „Reise ins Ehebett“ glänzt mit tollen Musiknummern. Es folgten für Frank Schöbel vier weitere Musikfilme, zum Höhepunkt wurde Heißer Sommer.
Der Film „Reise ins Ehebett“ glänzt mit tollen Musiknummern. Es folgten für Frank Schöbel vier weitere Musikfilme, zum Höhepunkt wurde Heißer Sommer.DEFA-Stiftung/Youtube, Retusche: BK

Frank Schöbel hatte Auftritt bei „Reise ins Ehebett“

Hinzu kam aber auch die Besetzung: Die DEFA-Komödie „Reise ins Ehebett“ war der erste Film, in dem Schlagerstar Frank Schöbel als Schauspieler auftrat. Er feierte zu dem Zeitpunkt auch schon erste Erfolge als Sänger, hatte bereits Singles wie „Looky-Looky“, „Blonder Stern“, „Party-Twist“, „Teenager-Träume“ und „Baby, du bist o.k.“ auf den Markt gebracht.

Auf den Film „Reise ins Ehebett“ sollten für ihn danach auch noch vier weitere populäre Musikfilme folgen: Nach „Meine Freundin Sybille“ kamen „Hochzeitsnacht im Regen“ und dann der größte Erfolg „Heißer Sommer“, der Frank Schöbel an der Seite von Chris Doerk zeigte.

Auch die Musik machte „Reise ins Ehebett“ zum Kult

Nicht zuletzt war es aber auch die Musik, die „Reise ins Ehebett“ zu einem DDR-Knaller machte. Die wurde von keinem anderen Komponisten als Gerd Natschinski geschaffen, einem der bekanntesten Unterhaltungskomponisten der DDR. Er schuf 13 Stücke für das Musiktheater sowie Musik für etwa 70 Filme, 400 Lieder, Schlager und Chansons und leitete unter anderem das Unterhaltungsorchester des Berliner Rundfunks. Wer die Musik-Knaller mal wieder hören will: Der Film „Reise ins Ehebett“ aus der Schatzkammer der DEFA kann auf YouTube kostenlos gestreamt werden.

An welche Filme aus der DDR erinnern Sie sich noch heute besonders gern? Schicken Sie uns eine Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!