Im Mai vergangenen Jahres ließ die marode Wuhlheide-Brücke den Verkehr in Berlin-Köpenick komplett kollabieren. Das Bauwerk drohte einzustürzen, mehrere Straßen wurden komplett gesperrt. Der Abriss der Brücke wurde dann zur Zumutung für die umliegenden Anwohner. Lärm, Schmutz, Chaos. Der Senat versprach eine Entschädigung für die Betroffenen. Doch der Glaser Michael Kückelhahn und seine Frau, die direkt an der Brücke wohnen, gingen leer aus.
Wuhlheide-Brücke: Drei Meter entscheiden darüber, ob es Geld gibt
„Dass wir keine Entschädigung bekommen, ist eine absolute Frechheit. So ungerecht“, sagt Cornelia Pofahl (66), die mit Michael Kückelhahn (65) im Haus An der Wuhlheide 22 wohnt – keine 30 Meter von der Brückenauffahrt entfernt.
Für die beiden war die Zeit des Brückenabrisses besonders schwer. Kückelhahn hatte Blasenkrebs. Ende Mai, Anfang Juni lief der erste Zyklus seiner Chemotherapie. Der Krankenwagen kam nicht bis zu Wohnung, das kleine Gärtchen hintenraus konnte nicht genutzt werden. „Überall Drecknebel, Staub“, erzählt Cornelia Pofahl.
Fünf Abriss-Bagger, unter anderem die sogenannten Knabberer, kamen lärmend an der Baustelle zum Einsatz. Der Boden bebte, von Montag bis Sonntag wurde gearbeitet. „Das hat ohne Ende rübergeschallt“, sagt Cornelia Pofahl.
Auf dem Brückenteil vor der Haustür wurden tonnenweise Sand, Schutt und Steine gelagert. Andauernd führen schwere Lkw an den Fenstern vorbei. Doch jetzt soll das Paar zu weit weg von der Brücke wohnen.

Auf KURIER-Anfrage teilt Michael Herden, der Sprecher des Berliner Verkehrssenats, mit, dass an 1337 Anwohner eine Entschädigung gezahlt wurde. Pro Nacht und Person 80 Euro. Pech für Kückelhahn und seine Frau: Sie wohnen in Hausnummer 22 – Geld gab es nur bis zu Hausnummer 20.
Als wenn der Schall sich um Hausnummern kümmern würde. Den beiden wurden mitgeteilt, dass es für ihr „Haus“ keine Entschädigung geben würde. Dabei sind An der Wuhlheide 20 und 22 ein Haus, die Wohnungen nur durch verschiedene Aufgänge getrennt.

Unverständlich für Cornelia Pofahl und Michael Kückelhahn: Die äußeren Fenster von Hausnummer 22 sind nur gut drei Meter von den Fenstern in Hausnummer 20 entfernt. Die einen haben Geld bekommen, die anderen nicht.
- An der Wuhlheide 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20
- Roedernstraße 14b, 15-20
- Zeppelinstraße 1-12, 14, 16, 34, 34a
- Edisonstraße 29-39
- Helmholtzstraße 1-11
- Fritz-Kirsch-Zeile 12-35
- Fuststraße 12-50 (gerade Hausnummern)
„Ich sehe ein, dass hier gearbeitet werden musste“, erklärt die 66-Jährige. Als sie aber die Liste mit den Adressen sieht, an die vom Senat Entschädigungen gezahlt wurden, sagt sie nur eins: „Ich falle vom Glauben ab!“ Denn da hätte es Geld für Wohnungen gegeben, die viel weiter weg von der Brücke liegen. Unter anderem in der Zeppelinstraße, einer Querstraße hinter dem Haus des Paars.

„Diese Ungerechtigkeit macht uns wütend“
Vor Beginn der Bauarbeiten hing auch an der Haustür An der Wuhlheide 22 ein Zettel, in dem die Senatsverwaltung Entschädigungen versprach. „Wegen erhöhtem Baulärm in den Nachtstunden im Zuge des Abrisses der Brücke An der Wuhlheide vom 26.05.2025 bis 04.06.2025“, wie es auf einem Antrag im Internet heißt.





