Bebauen oder nicht bebauen? Die Debatte um das Tempelhofer Feld flammt erneut auf. Eine neue Initiative will die riesige Freifläche im Herzen Berlins zumindest teilweise bebauen – und bringt ein ambitioniertes Konzept ins Spiel.
Bis 2040 hat Berlin vier Millionen Einwohner
Unter dem Namen „Zuhause am Tempelhofer Feld“ schlagen die Initiatoren vor, am äußeren Rand des Geländes rund 21.400 Wohnungen zu errichten. Eine massive Zahl, doch Berlin braucht bekanntlich Wohnraum. Der Berliner Senat prognostizierte das Jahr 2040 als Einwohner-Zielpunkt für die Vier‑Millionen‑Grenze.
Am Tempelhofer Feld ist eine, wie es heißt, „günstige, serielle Bauweise“ geplant, um Wohnraum zu schaffen. Das Innere des Feldes soll unangetastet bleiben. Um dies langfristig zu sichern, setzt die Initiative auf eine gemeinnützige Stiftung als Schutzinstrument. Mit Hans Kollhoff (79) gehört ein in Berlin bekannter Architekt zu den Unterstützern der Initiative.

Der Vorstoß knüpft an eine alte, nie wirklich abgeschlossene Debatte an. Seit der Schließung des Flughafens Tempelhof im Jahr 2008 gilt das Areal mit seinen rund 300 Hektar immer wieder als potenzielle Baufläche. Schon früh gab es Pläne, dort Wohnungen, Gewerbe und neue Stadtquartiere zu entwickeln. Der bislang weitreichendste Versuch folgte mit dem Masterplan des Senats. Vorgesehen waren damals mehrere tausend Wohnungen, Gewerbeflächen sowie große öffentliche Einrichtungen – eine Bebauung vor allem an den Rändern des Feldes.
Bei Volksentscheid stimmten 64 Prozent gegen jede Form der Bebauung
Doch das Vorhaben scheiterte im Mai 2014 spektakulär: Beim Volksentscheid stimmten rund 64 Prozent der Berliner gegen jede Form der Bebauung. Seitdem schützt das sogenannte Tempelhofer-Feld-Gesetz die Fläche weitgehend vor baulichen Eingriffen. Und Fakt ist auch: Das Tempelhofer Feld spielt eine wichtige Rolle für das Stadtklima in Berlin.

Ganz verschwunden ist das Thema der Bebauung trotzdem nie. Im Gegenteil: Angesichts des angespannten Wohnungsmarkts wird immer wieder über eine mögliche Randbebauung diskutiert. So sagte Bausenator Christian Gaebler (61, SPD) im vergangenen Jahr: „Ich bin der Meinung, man kann eine Randbebauung realisieren, ohne dass die Feldnutzung massiv eingeschränkt wird.“
Zuletzt hatte die Landespolitik im Sommer 2025 neue Impulse gesetzt. In einem Ideenwettbewerb wurden Konzepte für die Zukunft des Feldes gesammelt. Die Bandbreite reichte von weitgehend naturbelassenen Lösungen bis hin zu Vorschlägen mit Wohnbebauung am Rand.




