Bei Mathias Keller im Wohnzimmer stapeln sich weiße Kartons. Darin befinden sich Tausende Sport-Sammelkarten. Was als Hobby begann, ist mittlerweile ein ernst zu nehmendes Geschäft auf Ebay geworden. Es gibt Monate, in denen Keller mit dem Verkauf der Karten in ganz Europa und Asien 20.000 Euro Umsatz macht.
Kinderhobby: Panini-Sticker und Trading-Cards sammeln
Mathias Keller ist in seinem eigentlichen Beruf Berater für öffentliche Verwaltungen. Mit jeder Menge Know-how aus seiner Vergangenheit beim Beraterriesen McKinsey strafft er Prozesse, optimiert er Abläufe. Kein Wunder, dass er das irgendwann auch mit seinem Hobby versucht hat.
„Schon als Kind habe ich angefangen, Sportkarten zu sammeln“, erzählt Keller und legt seine liebsten Schätze auf den Küchentisch. Ein Panini-Bildchen mit Bernd Schuster, ein Klinsmann, ein Boris Becker mit Unterschrift. Das Taschengeld verjubelte der gebürtige Duisburger gern am Kiosk. Sieben Karten im Päckchen für 1,70 Mark.

Dieser Kick beim Auspacken und das Gefühl, Teil einer großen Sammel-Community zu sein, haben ihn nie wieder losgelassen. Doch in die große, weite Welt der Trading-Cards tauchte er erst später ein.
„Besonders in Amerika ist das Sammelfieber hoch“, weiß er. Es gibt dort Karten für Politiker oder Computerspiele, wenn auch der Fokus auf Sportarten wie American Football, Baseball, Basketball oder Eishockey liegt. Auf diese Karten hat sich Keller spezialisiert.
Über die Jahre wurde er zum Hobby-Experten. Dass Trading-Cards gerade so im Trend sind, liegt ihm zufolge daran, dass Mittdreißiger wie er sich jetzt an ihre Kindheit und Jugend erinnern. Vielleicht haben sie selbst eine Familie gegründet und schauen auf das zurück, was sie als Kinder begeisterte. Nostalgie zum Sammeln und Tauschen, das ist ein bisschen wie eine Kunstauktion für Jungs mit Sportfaible.
Sammelkarten sind in den 90ern in Deutschland besonders populär geworden. Meist fing alles mit einem Lieblingsverein oder -spieler an. Doch wer sich auskennt, kann tief in die Materie eintauchen. In den USA gibt es den Markt schon viel länger. Dort werden noch heute besondere Karten für Tausende oder sogar Hunderttausende Dollar auf Auktionen verkauft.
Günstige Karten, dafür sehr viele
Doch mit diesen superteuren Sammlerstücken hat Mathias Keller gar nichts am Hut. Er setzt lieber auf Masse: Kleinvieh macht auch Mist, oder eher richtig Schotter, beweist er mit seinem Wohnzimmer-Business auf Ebay. „Ich verkaufe günstige Einzelkarten“, sagt Keller, „aber davon sehr viele.“

Tausende Karten hat er in seiner Wohnung in Kartons sortiert und nummeriert. Per Scanner und KI-unterstütztem Programm bringt er sie in Windeseile auf die Verkaufsplattform Ebay.
„Für das Listing von 250 Karten brauche ich eine Stunde“, rechnet Keller vor. 40.000 Karten hat er in seinem Ebay-Shop regelmäßig im Angebot. Jeden Tag werden an die 200 durchgetauscht.
Um an seine Ware zu kommen, kauft er größere Sammlungen auch aus Übersee auf. Der Postbote im Kiez ist ein häufiger Gast. „Er bekommt immer ein gutes Trinkgeld“, sagt Keller und lacht.
Discounter für Sport-Sammelkarten
Sein Wohnzimmer-Business, eine Art Discounter für Trading-Cards, meldete der 37-Jährige im Jahr 2022 an, seither wuchs es stetig. Auf eine neue Ebene aber hob es der Verkauf per Livestream auf Ebay. „In guten Monaten mache ich mit drei Streams pro Woche einen Umsatz von 20.000 Euro“, sagt Mathias Keller. Wobei 90 Prozent seiner Sammelkarten unter fünf Euro kosten.

Dieser hohe Durchlauf funktioniert nur mit Automatisierung. Scannen, Beschreiben, Einstellen. Alles geht mit wenigen Klicks. Nur das Verpacken müssen Keller und seine Frau noch mühsam per Hand übernehmen. Er überlege, ob er mit einem eigenen Büro und einem Mitarbeiter expandiere, so Keller.
In China ist Live-Selling total normal.
Dabei ist in Kellers Fall das Live-Verkaufen der Gamechanger gewesen. „In China ist das superpopulär“, weiß er. Und vielleicht sieht auch in Deutschland so die Zukunft des Verkaufens aus? Ähnlich dem Verkaufssender QVC erzählt der Verkäufer vor der Kamera Geschichten zum Produkt. Per Chat ist auch direkte Interaktion möglich: Interessierte können sofort zuschlagen und kaufen.
Die deutschen Verkaufspioniere auf Ebay
„In Deutschland gibt es bisher vielleicht 50 Streamer, die Live-Selling machen“, weiß Keller. Als Ebay die neue Verkaufsform 2025 in Deutschland einführte, wollte er sofort dabei sein. Er kannte sie als Kunde aus Amerika, Keller war einer der Ersten, die sich in Deutschland mit ihrem Angebot vor die Kamera setzten.
Liveshow auf Ebay aus dem Kinderzimmer
Heute streamt er dreimal die Woche. Wenn sein kleiner Sohn im Bett ist, sendet er live aus dessen zukünftigem Kinderzimmer.
Mittlerweile habe er viele Stammkunden, von denen einige schon mal Tausende Euro im Quartal in Sammelkarten investieren. Er sei mit 9000 Kunden einer der größeren Ebay-Shops in Deutschland, sagt Mathias Keller.




