Wer kennt sie nicht, die bunten Fußballer-Bildchen von Panini, die man in Fifa-Alben sammelt und tauscht? Generationen von Jugendlichen sind schon dem Sammelfieber verfallen. Jetzt hebt ein junger Gründer die Sammelei auf ein neues Level. Mit „Lehrerkarten“ trifft Aiko Zimmermann (19) einen Nerv auf deutschen Schulhöfen.
Berliner Teenager im Sammefieber
Auch in der Berliner Walther Rathenau Schule in Grunerwald ist das Sammelfieber ausgebrochen. „Irgendwann gibt es so eine Karte auch von mir, dann bin ich berühmt“, lacht Robin.
Der Schüler geht in die achte Klasse des Walther Rathenau Gymnasiums und ist im Organisations-Team, das in diesen Tagen die Lehrerkarten-Aktion auf die Beine stellt.

Erlös für Schulball oder Kinoabend
Mit dem Erlös aus dem Pausenverkauf der Karten wollen sich die Schüler, die sich in der Schülervertretung engagieren, unter anderem einen Schulball und einen Kinoabend für die Schule finanzieren.
Robin und sein Team sind einen Tag vor Beginn der Aktion schwer beschäftigt, jeweils fünf der bunten Lehrerkarten zu Päckchen zu packen. Biologielehrerin, Sportlehrer, Sozialarbeiter, schon hier kristallisieren sich die ersten Präferenzen heraus. „Ist doch klar, dass jeder seine Lieblingslehrer sammeln will“, sagen die Schüler.
Schlange stehen für den Mathe-Lehrer

Das Kollegium gibt auf den Karten etwa Auskunft über regelmäßigen Koffeinkonsum, den Lieblingssnack oder einen früheren Berufswunsch. Ein flotter Spruch und ein cooles Foto, fertig ist die Lehrerkarte zum Tauschen.
Ein 5er Pack Karten kostet 2,50 Euro. Glücklich der, der eine bunte Spezialkarte in seinem Päckchen findet. Wo andere Schülerinnen und Schüler einen Kuchenbasar veranstalten, um die Klassekasse aufzubessern, wirft die Lehrerkartenaktion, wenn alles gut geht, deutlich mehr Gewinn ab.
Wenn am Ende wirklich alle 1500 bestellten Päckchen verkauft werden, könnten über 2000 Euro Gewinn in der Kasse landen. „Bisher läuft der Verkauf gut“, sagt ein Schüler aus dem Orgateam, als wir nach Beginn der Aktion noch einmal telefonieren. Er habe schon einige Karten mit Lehrern getauscht.

Aus Schnapsidee wurde ein Schulhof-Hype
Die Idee zu den Lehrer-Sammelkarten hatte ein junger Gründer aus Hannover. Aiko Zimmermann und sein Abitur-Jahrgang wollten sich vor zwei Jahren zum Schulabschluss etwas für die Abikasse dazu verdienen.
Dass seine damals selbst gebastelten Sammelkarten ein solcher Erfolg werden würden, hatte Zimmermann nicht erwartet.
Mittlerweile hat er über eine selbst programmierte Webseite, die das Erstellen der individuellen Karten super-einfach macht, schon über 80 Schulen in ganz Deutschland mit seinem Angebot erreicht.

„Ich habe nicht für möglich gehalten, dass die Idee so durch die Decke geht“, sagt Aiko Zimmermann zum KURIER. Sein geplantes BWL-Studium hat der 19-Jährige erst einmal auf Eis gelegt um sich um sein Start-up zu kümmern.
Welche Sammelkarte wird wervoll?
In Berlin fiebern die Schülerinnen und Schüler des Walther Rathenau Gymnasiums derweil auf die Pausen hin, in denen die Karten verkauft werden. Von den etwa 50 Lehrkräften an der Schule haben sich 31 bereit erklärt, bei der Kartenaktion mitzumachen.
Sie haben zusammen mit Schülern die Fragen online ausgefüllt, ein Bild von sich hochgeladen und sind nun gespannt, ob sich ihre Karte zum Tausch-Champion entwickelt.

Dass diesmal sie, und nicht die Lehrer und Lehrerinnen bei dem Projekt die Führung übernommen haben, macht die Schüler besonders stolz.
„Der Rollentausch fühlte sich gut an“, sagen sie. Klar wollten auch einige Lehrer nicht mitmachen. „Sie hatten Bedenken wegen des Datenschutzes oder es war ihnen peinlich“, erzählen die Schüler. Auf die anderen Lehrer aber kommt jetzt mit Sicherheit ein bisschen Berühmtheit zu.

„Klar lass ich mir ein Autogramm von den Lehrern geben“, sagt auch Robin. „Dass die Lehrer ein Stückchen Privates von sich preisgeben und man spannende oder witzige Fakten über sie erfährt, ist besonders toll“, finden die Schüler. Man wachse zusammen, komme auf einer anderen Ebene in Kontakt, sagen sie.
Lehrerkarten sorgen für gute Stimmung in der Schule
Für Aiko Zimmermann ist genau das der Kern von Lehrerkarten: „Es geht nicht nur darum, die Abi-Kasse zu füllen – es geht auch darum, dass eine ganze Schulgemeinschaft zusammenwächst“, sagt er.
„Wenn Siebtklässlerinnen ihrer Lehrerin stolz ihre regenbogenbunte Sammelkarte zeigen, dann ist das genau die Dynamik, für die ich Lehrerkarten.de gegründet habe“, sagt er.
