Kommentar

Berlin ist ein Scherbenhaufen! Warum ein höheres Glaspfand überfällig ist

Unsere Autorin erklärt, weshalb sie uneingeschränkt pro Flaschenpfand-Erhöhung ist.

Author - Sharone Treskow
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So sieht es überall in Berlin aus: Glasflaschen mit wenig Pfand, die keiner ordnungsgemäß zurückgeben will.
So sieht es überall in Berlin aus: Glasflaschen mit wenig Pfand, die keiner ordnungsgemäß zurückgeben will.Wolfgang Maria Weber/Imago

Berlin hat ein Glasmüllproblem. Das ist Fakt. Wer durch Parks, Kieze oder über Spielplätze läuft, sieht es sofort: Flaschen überall. Auf Gehwegen, in Grünanlagen, auf Schulwegen. Besonders schlimm war es kürzlich wieder zum 1. Mai: Der Görlitzer Park oder auch der Mariannenplatz in Kreuzberg waren ein einziges Bierflaschenmeer. Wie man dagegen ankommen könnte? Die Lösung liegt näher, als viele glauben: ein deutlich höheres Glasflaschenpfand.

Wären Glasflaschen mehr wert, würde man sie nicht zurücklassen

Sind wir doch mal ehrlich: Solange eine Flasche nur ein paar Cent wert ist, bleibt sie für viele schlicht egal. Acht Cent für ein Berliner Pilsener, 15 Cent für eine Club Mate. Wegwerfen kostet nichts, Zurückbringen lohnt sich kaum. Genau deshalb landen so viele Flaschen im Gras, im Gebüsch oder zertrümmert auf dem Asphalt. Mehr Pfand würde diesen Teufelskreis durchbrechen. Denn was einen echten Geldwert hat, wird nicht achtlos zurückgelassen.

Ein Müllberg, den man schon aus der Entfernung sieht: So hat das Partyvolk <a href="https://www.berliner-kurier.de/berlin/berlin-mai-muellberge-berlin-li.10033966">den Görlitzer Park am 1. Mai hinterlassen</a>.
Ein Müllberg, den man schon aus der Entfernung sieht: So hat das Partyvolk den Görlitzer Park am 1. Mai hinterlassen.Axel Billig/Pressefoto Wagner

Die Leidtragenden sind dabei nicht die Verursacher des Glasmülls, sondern die Schwächsten: Kinder, die sich an zerbrochenem Glas schneiden. Hunde, die sich die Pfoten aufreißen. Radfahrer und Mütter mit Kinderwagen, die mit platten Reifen liegen bleiben. Glasscherben sind kein Ärgernis, sie sind ein Sicherheitsrisiko. Ein höheres Pfand wäre kein erhobener Zeigefinger, sondern aktiver Schutz im Alltag.

Auch die BSR würde sich freuen

Dazu kommt: Glas ist kein Abfall, sondern ein hochwertiger Rohstoff. Kaum ein Material lässt sich so gut und so oft recyceln. Trotzdem behandelt Berlin Glas wie Müll. Jede weggeworfene Flasche ist eine verpasste Chance für echten Umweltschutz. Wer Recycling und Klimaziele ernst meint, muss dafür sorgen, dass Glas im Kreislauf bleibt – nicht auf der Straße.

Auch die BSR würde von einem höheren Flaschenpfand und weniger Glasmüll profitieren.
Auch die BSR würde von einem höheren Flaschenpfand und weniger Glasmüll profitieren.A. Friedrichs / Imago

Auch für die Berliner Stadtreinigung (BSR) wäre ein höheres Pfand ein Gewinn. Weniger Glasscherben bedeuten weniger Sondereinsätze, weniger Kosten, weniger Aufwand. Statt Berliner Anwohner über die Reinigungsgebühren für den Glasmüll auf den Straßen zahlen zu lassen, ließe sich das Problem an der Wurzel packen: mit einem Anreiz, der wirkt.

Österreich ist ein Vorbild für Deutschland

Österreich hat genau diesen Ansatz übrigens schon umgesetzt. Seit Februar 2025 kosten Mehrweg-Glasflaschen für Bier und Co. nicht mehr neun Cent, sondern 20 Cent. Die Pfanderhöhung nach über 40 Jahren wurde von Brauereien und Handel eingeführt, weil die Rückgabequoten zuvor deutlich gesunken waren.

Berlin und der Rest von Deutschland sollten sich ein Beispiel an Österreich nehmen.
Berlin und der Rest von Deutschland sollten sich ein Beispiel an Österreich nehmen.Frank Sorge/Imago

Der Verband der Brauereien Österreichs berichtet bereits wenige Monate nach der Umstellung, dass sich die Rückgabeintervalle verkürzen und mehr Flaschen wieder in den Mehrwegkreislauf gelangen.

Berlin braucht dringend ein Pfand, das wehtut

Berlin braucht keine neuen Appelle und keine weiteren Plakate. Berlin braucht ein Pfand, das wehtut, wenn man es wegwirft – und sich lohnt, wenn man Verantwortung übernimmt. Ein höheres Glasflaschenpfand wäre ein einfacher Schritt mit spürbarer Wirkung. Für saubere Kieze. Für mehr Sicherheit. Und für eine Stadt, die endlich aufhört, wertvolle Flaschen wie wertlosen Müll zu behandeln.

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