Seit mehr als 25 Jahren ist Alexandra Bahr Teil des KitKat – als Showgirl, Managerin und heutzutage jeden Samstag an der Kasse. Im Gespräch mit dem Berliner KURIER verrät sie, wer reinkommt, was drinnen wirklich passiert und warum sogar ein Hollywood-Superstar hier die Nacht seines Lebens hatte.
Berlins rätselhaftester Club öffnet seine Türen
Er gilt als einer der bekanntesten und rätselhaftesten Clubs der Welt. Wer in Berlin lebt, hat von ihm gehört. Wer ihn von außen sieht, fragt sich, was dahintersteckt. Und wer drinnen war, redet nicht viel darüber. Der KitKatClub ist eine Berliner Institution – und Alexandra Bahr gehört seit fast drei Jahrzehnten dazu.
Die Business-Operation-Managerin hat die Entwicklung des Clubs bis zur heutigen Größe miterlebt. Ihr Buch „Radikal frei“ erscheint am 3. Juni – und gewährt tiefe Einblicke hinter die Kulissen. Wir haben Alexandra Bahr getroffen.
Wer denkt, die Tür des KitKatClubs sei die einzige Hürde, irrt. Es gibt drei. Zuerst das Tor – dort wird der erste Eindruck geprüft, Outfit und Auftreten. Dann die Tür, die noch mal gegencheckt, was das Tor bereits bewertet hat. „Das ist so das Vier-Augen-Prinzip“, sagt Bahr. Und dann kommt sie. An der Kasse geht es nicht mehr ums Outfit – das wurde bereits abgehakt. „Bei mir wird das Verhalten geprüft.“ Wer unfreundlich ist, aufs Handy starrt oder ihr das Geld vor die Füße wirft, kommt nicht rein. „Da kann mir keiner erzählen, dass der sich drinnen plötzlich besser verhält.“
Auch zu viel Aufregung kann ein Ausschlussgrund sein. Wer so aufgedreht ist, dass Bahr befürchtet, die Person könnte drinnen durchdrehen, geht wieder. „Manche Menschen kommen beim ersten Mal hier drinnen nicht klar.“

Die erste Hürde ist das Outfit. Wer denkt, er komme mit einer einfachen Shorts durch, liegt falsch. „Zeig uns deine wildeste Seite und bring die irgendwie zum Ausdruck“, sagt Bahr. Spontan vorbeikommen funktioniert nicht. Man muss vorbereitet kommen, durchdacht verkleidet, so skurril wie möglich. „Gib der Seite irgendeinen Ausdruck, für die du dich vielleicht überall woanders schämst.“ Definitiv verboten: weiße Turnschuhe!
Wer kein passendes Outfit hat, kann in einem der umliegenden Spätis theoretisch Fetischkleidung kaufen – allerdings erkennt Bahr das sofort. „Wenn wir sehen, da kommt einer mit einem Späti-Outfit, dann lassen wir den auf keinen Fall rein. Das hat ja nichts mit der Person zu tun.“

Grundsätzlich gilt laut Bahr: Wer eigentlich in diese Welt gehört, kommt rein. „Wenn du zu irgendeiner Randgruppe zählst oder dein Leben irgendwie ein bisschen chaotischer verlaufen ist – dann glaube ich, ist es sehr, sehr einfach, hier reinzukommen.“

Viele glauben, wer das KitKat betritt, muss auch Sex haben. Bahr lacht darüber. „Das ist natürlich totaler Blödsinn. Ganz viele Leute kommen nur zum Feiern, zum Philosophieren, zum Sich-miteinander-Austauschen.“ Was den Club ausmacht, ist etwas anderes: die radikale Gleichheit. CEO oder Putzkraft – durch die Outfits sieht man es nicht. „Das heißt, du kommst erst mal mit jedem ins Gespräch, grundsätzlich.“
Drogen: verboten, aber kein Tabu
Wie in jedem Techno-Club ist auch im KitKat das Thema Drogen präsent. Bahr spricht offen darüber. „Wenn wir jemanden erwischen, der verkauft, dann ja.“ Alles andere? „Du wirst Drogen im Techno-Club nie ganz ausschließen können. Wenn man damit verantwortungsvoll umgeht – hey, bitteschön.“ Wer es aber offen macht, wird darauf angesprochen.

Bahr selbst macht keinen Hehl aus ihrer eigenen Geschichte. Mit Anfang 20 probierte sie alles aus – bis sie im Club abstürzte und nach Hause gebracht werden musste. „Da habe ich mich so geschämt, dass ich keine Drogen mehr angefasst habe.“ Heute, mit über 40, sei das Thema wieder präsent – aber anders. „Sehr verantwortungsbewusst. Nicht jedes Wochenende, nicht alles, was ich kriegen kann.“

Namen nennt Bahr nicht. Aber eine Geschichte lässt sie dann doch raus. Eines Abends stellte sich ein Mann allein an die Schlange. Kein Gefolge, kein Bodyguard. Bahr erkannte ihn sofort – ein echter Hollywood-Superstar. Sie ließ ihn rein, ohne ein Wort zu verlieren. Nur ein Grinsen zwischen beiden. Als er später wieder an der Kasse vorbeikam, sagte er ihr, er habe die genialste Nacht seines Lebens gehabt. Der Grund: „Ihn hat niemand erkannt.“ In einem Club, wo alle damit rechnen, dass jemand Berühmtes da sein könnte, rechnet eben auch keiner damit.

Das Buch „Radikal frei“ erscheint am 3. Juni im ZS Verlag, 256 Seiten, 23 Euro.


