Berlin Fashion Week 2026

Kilian Kerner: „Von meinem Herzen ordentlich eins in die Fresse gekriegt“

Beruflich läuft es spitze, während beim GNTM Star privat alles in Trümmern lag. Zur Fashion Week ist Kerner zurück. So wie der alte wird er nie wieder, sagt er.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Kilian Kerner hat privat viele Rückschläge verkraften müssen.
Kilian Kerner hat privat viele Rückschläge verkraften müssen.Tobias ORTMANN

Wie er da so auf dem Hotelsofa sitzt, mit untergeschlagenen Beinen, in kurzen Hosen und mit Wuschelkopf, niemand würde vermuten, dass Killian Kerner gerade die härteste Zeit seines Lebens durchgestanden hat. Die letzten Monate waren eine Zerreißprobe. Mit seiner neuen Show zur Berlin Fashion Week feiert der Designer nun seinen Phönix-Moment. Wieder Aufstehen aus Trümmern, Glanz finden in der Asche.

KIlian Kerner zeigt spektakuläre Show in Skaterhalle

„Burning Symphonie“ heißt die Show, die Kerner zur Berlin Fashion Week  in einer rauen Skaterhalle in der Revaler Straße zeigt. Sie ist das Produkt einer persönlichen Häutung – schmerzhaft, quälend hin zu einem neuen Ich. In klassischen Dramen fallen die Helden, bevor sie stärker zurückkehren.

Dunkle Monate liegen hinter ihm

Wenn Kilian Kerner von seinen dunklen Momenten während der vergangenen Monate erzählt, tut er dies gefasst, professionell.

Über ein halbes Jahr lang, von Ende November 2025 bis Ende April 2026 sei er durch die Hölle gegangen, sagt er. Unerträgliche Schmerzen, ein viel zu spät diagnostizierter Bandscheibenvorfall, OP-Komplikationen und  Medikamente, die ihn monatelang stumpf und gefühllos machten, haben sein Leben bestimmt.

„Ich war irgendwie da, aber innerlich längst aus mir selbst verschwunden. Monatelang. Weil nichts mehr ging.“ Mitten in diesem Strudel aus Schmerzen zerbricht auch noch Kerners große Liebe. Erst  Wochen später dringt die  Endgültigkeit dieses größten Verlustes in sein Bewusstsein.

Trennung: Von meinem Herzen in die Fresse gekriegt

„Da habe ich nach der OP im Krankenbett von meinem Herzen ordentlich eins in die Fresse gekriegt“, sagt Kilian Kerner heute nachdenklich. „Dieser Krieg in meinem Kopf, welcher Schmerz ist größer? Der körperliche und seelische über die Krankheit oder der über die verlorene Liebe?, der war nicht lustig.“

Doch Kilian Kerner hegt keinen Groll gegen seinen Ex-Freund. „Er hat mir so viel gezeigt. Er war meine große Liebe. Und jetzt sind wir nicht mehr zusammen. Er ist ein besonderer Mensch“ Was sich so einfach liest, ist in Wirklichkeit ein tiefes Loch, in das Kilian Kerner sinkt. Die OP, die Komplikationen, Selbstvorwürfe und die Auswirkungen gemeinsam mit der Trennung war zu viel.

Kampf gegen Postraumatische Belastungsstörung

Wochenlang kämpft er gegen eine Posttraumatische Belastungsstörung, liegt im Bett, an Arbeit ist nicht zu denken. Kerners Assistentin, das sagt er heute aus vollem Herzen, retten ihn in dieser Zeit, in der die Paris Fashion Week so kurz bevor steht.

Kerner macht weiter, muss weiter machen. Das gebieten Verträge und auch der immer so hohe Anspruch an sich selbst. Auch wenn er bei Dreharbeiten in Thailand immer nur weint und weint. Wenn die Kamera aus ist, abends allein, wenn er in den Pool springt, nimmt das Wasser die Tränen. Die Angst vor der Zukunft bleibt. „Ich hatte Panik“, sagt Kerner. Während privat alles zerbricht, der Körper Stopp schreit, stehen die nächsten Shows an.

Größte Angst: Ich schaffe das alles nicht mehr

Mitte April ist noch kein einziger Entwurf für die Show im Juli in Berlin fertig.  „Ich schaffe das alles nicht“, schreibt er seiner Managerin. Es musste sich etwas ändern, das ist ihm klar.

Wann, wenn nicht jetzt den alten Traum von einem Leben in L.A. verwirklichen? Die Tatsache, dass die Endlichkeit des Lebens nicht mehr nur irgendeine Theorie sondern ständiger Begleiter ist, macht seine Entscheidungen radikaler.

Kilian Kerner
Kilian KernerTobias ORTMANN

Traum vom Leben in Los Angeles

All die Narben, die Dunkelheit der letzten Monate, sie müssen ins Licht Kaliforniens. Der Schritt, für ein halbes Jahr nach L.A. zu gehen, ist ein gedanklicher Befreiungsschlag – auch im Hinblick auf die Berliner Show. 

Innerhalb weniger Wochen organisiert Kerner von seinem Stoffhändler, was der verfügbar machen kann und entwirft Ende April innerhalb von zwei Tagen wie im Rausch seine neue Kollektion. Burning Symphonie heißt sie. Ein Buch, in das er all die Schmerzen und dunklen Momente schrieb, hat er verbrannt. Asche ist fruchtbar, weiß Kerner jetzt. 

Dass er mit 47Jahren nun die Mitte seines Lebens erreicht hat und erfolgreicher ist als je zuvor, das nimmt Kerner zum Anlass, das Leben mit beiden Händen zu packen. Die Zeit, die einem bleibt, das Leben ist endlich. Eine Komplikation bei einer OP an der Bandscheibe hat ihm das deutlich gezeigt und ihn verändert.

Kilian Kerner nimmt kein Blatt mehr vor den Mund

„Ich kann nicht mehr ins Bett gehen, ohne alles gesagt zu haben“, sagt Kilian Kerner. Seinen Freunden versichert er öfter als denen vielleicht recht ist, wie lieb er sie hat. Der alte Netflix-Junkie Kerner hat schon lange kein Wochenende auf der Couch mehr verbracht. Das Leben ist zu kurz für schlechte Serien. „Ich fahre Boot, mache einen Führerschein, demnächst will ich Bungeespringen ausprobieren, trotz größer Höhenangst. Ich will wissen, wie sich Dinge anfühlen.“

Und auch wie sich das Leben in L.A. anfühlt, wird Kilian Kerner bald wissen. Im Oktober geht es los mitten rein in den großen Traum. In L.A. wird sich Kerner dann ein paar Tage in ein Auto setzten und die Highways abfahren. Jeden Tag in einer anderen Stadt, jede Nacht ein anderes Motel. Ganz allein.

Fashion Week im Winter ohne Kerner

Die Januar Fashionweek in Berlin lässt er sausen. Und dann kommt der Frühling, wer weiß schon, was der bringt. 

„Finde ich es geil, was in den letzten Monaten passiert ist? Nein, aber ich finde es geil, was jetzt draus geworden ist“, sagt Kilian Kerner. Und: „Ich kann wieder Lachen. Echtes Lachen, nicht Instagram. Ich weiß jetzt, dass das Leben wieder schön sein kann.“

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