Die Lage um den Buckelwal Hartwin, der in den vergangenen Wochen immer weiter in Richtung Ostsee schwamm: Sie hat sich noch immer nicht entspannt. Im Gegenteil: Der Meeresgigant ist noch immer in großer Gefahr. Nach seiner langen Reise macht sein Zustand Tierschützern große Sorgen. Hat Hartwin nach dem Tod von Buckelwal Timmy Hope im Mai überhaupt noch eine realistische Überlebenschance? Wir erklären seine lange Reise und verraten, wie schlecht es dem Tier gerade wirklich geht.
Buckelwal Hartwin hat eine lange Reise hinter sich
Erst vor ein paar Wochen beschäftigte die Geschichte von Buckelwal Timmy Hope ganz Deutschland. Das Tier war mehrfach an der Ostsee gestrandet, wurde dann im Rahmen einer großen Rettungsaktion in die Nordsee gebracht. Doch seine Geschichte hatte kein Happy End.
Timmy Hope verendete, wurde etwas später vor der dänischen Insel Anholt angespült. Droht dem Buckelwal Hartwin, der in den vergangenen Wochen immer wieder auf dem Weg zur Ostsee gesichtet wurde, jetzt das gleiche Schicksal?
Der Wal hat bereits eine lange Reise hinter sich. Seit Januar 2026 wird er immer wieder beobachtet. Zum ersten Mal gesichtet wurde er am 18. Januar vor der niederländischen Küste. In den Monaten danach wanderte Hartwin bis zu den norwegischen Lofoten, anschließend wurde er am 23. Mai vor der schottischen Küste gesichtet. Am 3. Juni beobachteten ihn Männer, die auf dem Jetski unterwegs waren, vor South Shields. Am 5. Juni war Hartwin zurück in niederländischen Gewässern und weitere zwei Wochen später in Dänemark.

Hier wurde der Buckelwal zuerst in Odden Havn auf Seeland beobachtet. „Von dort bewegte sich Hartwin westlich durch den Lillebælt an Middelfart vorbei (20. Juni), südlich von Årø bei Årøsund (21. Juni), zurück nordwärts zum Fænøsund (23. Juni), südlich zur Varnæsvig bei Aabenraa (24. Juni) und wurde zuletzt am 26. Juni 2026 bei der Einfahrt in den Als Fjord bei Stegsvig gesichtet“, heißt es auf der Website der Tierschutzorganisation Stranded No More.
- 18. Januar 2026: Bloemendaal, Niederlande
- 2. Februar 2026: Bloemendaal aan Zee, Niederlande
- 13. Mai 2026: Lofoten, Norwegen
- 23. Mai 2026: Bucht Moray Firth, Schottland
- 3. Juni 2026: South Shields, England
- 5. Juni 2026: Kruiningen, Niederlande
- 18. Juni 2026: Odden Havn auf Sjællands Odde, Dänemark
- 20. Juni 2026: Lillebælt, Middelfart, Dänemark
- 21. Juni 2026: Årø bei Årøsund, Dänemark
- 23. Juni 2026: Fænøsund, Dänemark
- 24. Juni 2026: Varnæsvig bei Aabenraa, Dänemark
- 26. Juni 2026: Einfahrt in den Als Fjord bei Stegsvig, Dänemark
Reiseroute von Wal Hartwin macht vielen Sorgen
Den Tierschützern macht die Reiseroute des Wals aus mehreren Gründen Sorgen. Zum einen habe Hartwin bereits Tausende Kilometer durch verschiedene Länder zurückgelegt. Zum anderen scheint sich hier eine tierische Geschichte zu wiederholen. „Seine Bewegungen durch zunehmend enge dänische Meerengen, Fjorde und Binnengewässer spiegeln das Muster wider, das den Buckelwal Timmy Hope in der deutschen Ostsee nur Wochen zuvor in die Falle lockte und letztlich tötete“, heißt es bei den Tierschützern.

Das Problem ist auch, dass es Hartwin nicht gut zu gehen scheint. Auf seinem Rücken sind bereits starke Verfärbungen der Haut zu sehen. „Es sieht schrecklich aus. Das könnte an einem Pilzbefall liegen“, sagte der Biologe Carl Kinze vom Dänischen Naturhistorischen Museum. Er konnte aber auch nicht ausschließen, dass die Erklärung für das Muster im natürlichen Wachstum der Buckelwale liegen könnte. Laut Stranded No More kann man aber eine deutliche Verschlechterung zu früheren Beobachtungen feststellen. Die Tierschützer kritisieren, dass laut dem dänischen Notfallplan von 2024 keine Maßnahmen für das Tier zur Verfügung stehen. Die dänischen Behörden werden den Buckelwal Hartwin also sich selbst überlassen.
Hat der Buckelwal Hartwin überhaupt eine Chance?
Hat das Tier überhaupt eine Chance – und was passiert, wenn Hartwin immer weiter in Richtung Ostsee schwimmt? Droht ihm dann wirklich das gleiche Schicksal wie Timmy Hope? Der Meeresbiologe Heiko Buch-Illing sagte bereits gegenüber Newstime, dass Hartwin sehr geschwächt wirkt – vermutlich sucht er ein flaches Gewässer, damit er sich dort hinlegen und Kraft tanken kann.
Der Experte glaubt, dass das Schicksal von Hartwin bereits besiegelt ist. „Da gibt’s keine Chance. Er wird sterben.“ Seine Aussagen lösten jedoch Proteste aus – denn gerade nach dem Tod von Timmy Hope hoffen viele Tierfreunde, dass es für Hartwin trotz allem noch eine Rettung gibt.


