Dunkles NS-Erbe

Geheimes Versteck: Bunker unter Hitlers Neuer Reichskanzlei soll weg

Unter einer Brache in Mitte liegt Hitlers letzter Reichskanzlei‑Bunker – jetzt soll er zugeschüttet werden! Experten sprechen von „totalem Wahnsinn“.

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Der Bunker ist laut Berliner Unterwelten etwa 1.200 Quadratmeter groß.
Der Bunker ist laut Berliner Unterwelten etwa 1.200 Quadratmeter groß.Sven Kaeuler/dpa

Unter einer unscheinbaren Brache mitten in Berlin-Mitte liegt ein Stück Geschichte, das viele lieber nicht anfassen würden. Auf dem Gelände der früheren Neuen Reichskanzlei befindet sich ein alter Bunker aus Hitlers Regierungsviertel. Der letzte seiner Art. Jetzt soll er zugeschüttet  werden, um Platz für Wohnungen und Büros zu schaffen. 

„Totaler Wahnsinn“ – Unterwelten-Verein schlägt Alarm

Für Dietmar Arnold vom Verein Berliner Unterwelten ist der geplante Abriss ein Skandal. „Eine der letzten Spuren der NS-Machtzentrale abzureißen, das ist totaler Wahnsinn“, sagt er. Der Verein setzt sich gemeinsam mit anderen Initiativen für den Erhalt des Bunkers ein. In der ganzen Stadt verteilt betreuen die Ehrenamtlichen Bunker.

Arnold betont: Der Bunker sei nicht irgendein Betonklotz, sondern ein authentisches Relikt der Neuen Reichskanzlei – Hitlers Machtzentrum, von dem aus der Zweite Weltkrieg geplant wurde.

Rund 1.200 Quadratmeter der Anlage sind noch erhalten, die Wände 1,70 Meter stark. „Man könnte ihn sogar überbauen, ohne ihn zu zerstören“, sagt Arnold. Für Berlin sei der Abriss des letzten authentischen Restes der Neuen Reichskanzlei „oberpeinlich“, findet er.

Dietmar Arnold ist der Vorsitzende des Berliner Unterwelten e. V.. Er kritisiert den geplanten Abriss scharf.
Dietmar Arnold ist der Vorsitzende des Berliner Unterwelten e. V.. Er kritisiert den geplanten Abriss scharf.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Kurier

Bausenator Gaebler: „Kein Wallfahrtsort“

Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) sieht das anders. Er will den Neubau von Wohnungen nicht blockieren, um einen Bunker zu erhalten, der „womöglich noch zum Wallfahrtsort wird“. Für Arnold ist das allerdings ein vorgeschobenes Argument: „Wir zeigen seit Jahren, wie man solche Orte historisch einordnet, ohne sie zu verherrlichen.“

Derzeit macht der Verein sogar einen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg am Blochplatz wieder nutzbar und hat einen Bunker unter dem Hotel Adlon freigelegt. 

Oberhalb des Hitler-Bunkers auf dem ehemaligen Gelände der Reichskanzlei an der Voßstraße und Wilhelmstraße in Berlin-Mitte befinden sich heute überwiegend großflächige Wohnblocks aus DDR-Zeiten. Jetzt soll auch die letzte Bunker-Brache bebaut werden. Möglich wird dies, weil das Relikt aus NS-Zeiten nicht unter Denkmalschutz steht.

Zwei Frauen verbringen ihre Mittagspause am Teich der Neuen Reichskanzlei, 1946.
Zwei Frauen verbringen ihre Mittagspause am Teich der Neuen Reichskanzlei, 1946.IMAGO/United Archives / Erich Andres

Denkmalschützer warnen vor historischem Verlust

Doch auch das Landesdenkmalamt hält den Bunker für bedeutend. Sebastian Heber, Leiter der Bodendenkmalpflege, nennt ihn ein Objekt von „umfassender historischer und wissenschaftlicher Bedeutung“. Doch eine Weisung der Senatsverwaltung verhindert bislang die Eintragung als Denkmal. 

Der Landesdenkmalrat – ein Expertengremium – empfiehlt seit 2025, den Bunker zu schützen. In Zeiten, in denen Zeitzeugen sterben und NS-Verbrechen teils relativiert werden, seien materielle Spuren der NS-Zeit besonders wichtig.

Was wurde aus Hitlers Führerbunker

Laut einem Bericht der „B.Z.“ sollen auf dem Gelände ein siebengeschossiges Wohnhaus mit 66 Wohnungen und ein Bürogebäude entstehen. Dietmar Arnold kritisiert: „Das werden keine bezahlbaren Wohnungen sein, die Berlin wirklich braucht.“

Wichtig: Der Bunker ist nicht der berühmte „Führerbunker“, in dem Hitler und Eva Braun starben. Dieser lag in der Gertrud-Kolmar-Straße und wurde nach dem Krieg beseitigt. Heute befindet sich dort ein Parkplatz.

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