Nazi-Hochzeit in Mexiko mit Nazi-Uniformen und SS-Symbolen: Fernando und seine Frau Josefina sind glühende Führer-Fans.
Nazi-Hochzeit in Mexiko mit Nazi-Uniformen und SS-Symbolen: Fernando und seine Frau Josefina sind glühende Führer-Fans. dpa/Milenio/Jorge Carballo

Geht es noch geschmackloser? Bräutigam Fernando trägt zu seiner Hochzeit mit seiner Frau Josefina eine SS-Uniform. Nach der Zeremonie nehmen sie Platz in einem VW Käfer in Tarnfarben, dessen Haube mit einem riesigen Hakenkreuz verziert ist. Die Gäste, viele ebenfalls in Uniform, werfen bunte Blumen und sind außer sich vor Freude.

Diese bizarre Szene spielt sich ab im mexikanischen Bundesstaat Tlaxcala, südöstlich der Hauptstadt Mexiko Stadt und unweit von Puebla, wo der Volkswagen-Konzern eines seiner größten Werke betreibt. Millionen von VW Käfern wurden hier montiert, lange nachdem die Produktion in Deutschland eingestellt worden war.

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Bräutigam Fernando: Deutsches Volk hat den „Führer“ geliebt!

Deutschland, damit verbinden Fernando, Josefina und ihre Gäste vor allem das Dritte Reich: Hitler findet der Bräutigam der Zeitung Milenio zufolge großartig. „Ich weiß, dass Hitler für viele Leute ein Völkermörder ist, ein Symbol für Rassismus und Gewalt“, zitierte ihn die Zeitung. Diese seien jedoch schlecht informiert! In Wirklichkeit habe das deutsche Volk den „Führer“ geliebt, da er das Land aus der extremen Armut geführt und ihm die im Ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete zurückgegeben habe. Außerdem sei Hitler Vegetarier gewesen.

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Standesamtlich verheiratet sind die beiden bereits seit sechs Jahren, aber für die kirchliche Trauung hatten sie sich lange vorbereitet. Das Datum, 29. April, war kein Zufall: Das Paar hatte sich den Tag ausgesucht, weil es sich um den 77. Hochzeitstag von Adolf Hitler und Eva Braun handelt.

Simon-Wiesenthal-Zentrum: Nazi-Hochzeit verharmlost den Holocaust

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum reagierte mit einigen Tagen Verspätung. Die Organisation, die Antisemitismus in aller Welt aufspürt, hält die Veranstaltung für unerträglich. „Wir hoffen, dass die mexikanischen Behörden die entsprechenden Maßnahmen ergreifen werden“, hieß es von der Organisation, die sich mit der Aufarbeitung des Holocausts beschäftigt.

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Der Direktor des Wiesenthal-Zentrums für Lateinamerika, Ariel Gelblung, sagte in einer Mitteilung: „Unsere Institution verurteilt aufs Schärfste die Verzerrung und Verharmlosung des Gedenkens an die sechs Millionen jüdischen Brüder und Schwestern, die im Holocaust ermordet wurden, und die Verachtung seitens derjenigen, die die Geschichte leugnen oder verfälschen, sowie all derjenigen, die sich an dieser verachtenswerten Respektlosigkeit beteiligt haben.“