Berlin steht ein Ausnahme-Wochenende bevor: Während Zehntausende Läufer durch die Innenstadt strömen, rüstet sich die Polizei parallel für einen heiklen Staatsbesuch mit weitreichenden Sperrungen und erwarteten Protesten.
Sicherheitszone am Potsdamer Platz
Grund ist die Ankunft des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Der 43-Jährige wird laut Berichten am Sonntagabend in der Hauptstadt erwartet. Am Sonntag gibt es bereits etliche Sperrungen, weil Zehntausende in der Innenstadt beim Halbmarathon mitlaufen. Am Montag stehen politische Gespräche auf höchster Ebene an, unter anderem mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Für die Berliner Polizei bedeutet das Großalarm. Schon am Sonntag greifen rund um das Hotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz strenge Maßnahmen: Von 18 Uhr bis Montagabend um 22 Uhr gilt dort ein Versammlungsverbot, zusätzlich sind Messer und Waffen untersagt. Weitere Sperrzonen folgen am Montagvormittag rund um Schloss Bellevue sowie anschließend im Bereich des Bundeskanzleramts.

Anwohner müssen Ausweis vorzeigen
Die Behörden rechnen mit erheblichen Verkehrsbehinderungen und raten Autofahrern, die betroffenen Gebiete großräumig zu umfahren. Anwohner und Berechtigte dürfen die abgesperrten Bereiche nur mit Ausweis betreten.
Besonders brisant: Parallel werden Proteste gegen den syrischen Übergangspräsidenten erwartet. Mehrere Demonstrationen sind bereits angemeldet, teils in unmittelbarer Nähe des Kanzleramts. Wegen der eingerichteten Sperrzonen müssen diese jedoch verlegt werden.
Politisch dürfte der Besuch ebenfalls Zündstoff bieten. Themen sind unter anderem die mögliche Rückführung syrischer Flüchtlinge sowie der Wiederaufbau des vom Bürgerkrieg gezeichneten Landes.
Für zusätzliche Brisanz sorgt die ohnehin angespannte Lage in der Stadt: Zeitgleich findet der Halbmarathon statt, der Zehntausende Teilnehmer in die Innenstadt lockt. Für die Polizei bedeutet das eine Doppelbelastung.
Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Stephan Weh, machte deutlich, wie angespannt die Situation ist. Die Vorbereitungen liefen, „auch wenn wir vorher mal eben noch einen Halbmarathon und weitere Lagen an einem typischen Berliner Wochenende über die Bühne bringen müssen“. Al-Scharaa sei eine Person mit hoher Gefährdungsstufe. „Neben dem Besuch selbst muss die Polizei Berlin viele Sachen drumherum, wie zu erwartende Versammlungslagen, beachten – und überlässt da natürlich nichts dem Zufall.“
Eine solche Lage lasse sich „nicht mal eben mit ein, zwei Einsatzhundertschaften bewältigen“ und bringe die Hauptstadtpolizei an die Belastungsgrenze. Klare Worte fand Weh auch in Richtung Bundesregierung: „Wenn Herr Merz Herrn Al-Scharaa einlädt, kann er auch die Rechnung bezahlen und das nicht allein auf die Hauptstadtpolizei abwälzen.“


