Trotz Millionen-Belohnung

Für ein paar 100 Euro jagt BKA in Berlin die Strom-Terroristen

Blackout in Berlin: Millionen-Belohnung, doch die Plakat-Fahndung nach den Attentätern ist überraschend günstig.

Author - Norbert Koch-Klaucke
Teilen
Mit diesem Fahndungsplakat jagt das BKA die Stromterroristen in Berlin.
Mit diesem Fahndungsplakat jagt das BKA die Stromterroristen in Berlin.DAVIDS

Das BKA ist auf Terroristen-Jagd in Berlin. Die Mitglieder der „Vulkangruppe“ sind das Ziel, die vor einem Monat mit einem Brandanschlag für den tagelangen Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf sorgten. Wer glaubt, dass bei der großen Fahndungskampagne viel Finanz-Pulver verschossen wird, der irrt. Das BKA ist in dieser Sache überraschend günstig unterwegs.

Terroristen der Vulkangruppe werden gejagt

Anfang Januar waren über 100.000 Menschen im Südwesten Berlins ohne Strom und Heizung – und das bei klirrenden Minusgraden. Bis zu fünf Tagen hatten sie kein Licht, kein warmes Wasser und froren in ihren Wohnungen. Grund war in Brandanschlag auf eine Kabelbrücke nahe dem Kraftwerk Lichterfelde. Zu dem Attentat bekannte sich die Öko-Terrorristen der Vulkangruppe.

An dieser Stelle fackelten die Terroristen die Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde ab.
An dieser Stelle fackelten die Terroristen die Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde ab.Britta Pedersen/dpa

Mit voller Härte wolle man die Attentäter verfolgen und zur Rechenschaft ziehen, die für den größten Blackout der Berliner Nachkriegsgeschichte verantwortlich waren. Die Generalbundesanwaltschaft zeigt sich dabei nicht kleinlich: Eine Million Euro will man für Hinweise zahlen, die zur Ergreifung der Täter führen.

Bei der Werbekampagne zu dem Fahndungsaufruf mussten Strafverfolgungsbehörden dagegen nicht so tief in den Finanztopf mit Steuergeldern greifen, wie der KURIER erfuhr. Stolz erklärt das BKA, das man die Kosten dafür sogar aus dem eigenen Etat bezahlen konnte.

Zeugenaufruf zum Schnäppchen-Preis

Der Zeugenaufruf des Bundeskriminalamtes, der auf großen Werbetafeln in Berlin zu sehen war – da habe man richtig Kosten gespart. Denn es wurden nur 200 Werbeplakate gedruckt, die im Berliner Stadtgebiet ausgehangen wurden.

Und diese waren überhaupt nicht teuer. Für einen Netto-Preis von 174,60 Euro gab es sie! Ein nicht unüblicher Preis bei dieser Menge.

Auf elektronischen Anzeigen ist der Fahndungsaufrug in einer Bildfolge zu sehen, an dessen Ende auch die Nummer für das Hinweistelefon steht.
Auf elektronischen Anzeigen ist der Fahndungsaufrug in einer Bildfolge zu sehen, an dessen Ende auch die Nummer für das Hinweistelefon steht.DAVIDS

Allerdings wurden noch 10.000 sogenannte Handzettel mit dem Zeugenaufruf verteilt – und die kosteten schon etwas mehr. Insgesamt gab das BKA für den Druck der Plakate und der Handzettel 1064,60 Euro (netto) aus, so eine BKA-Sprecherin.

Und es gab noch etwas gratis. „Zusätzlich wurde für den Zeugenaufruf im Raum Berlin auch eine Bildfolge auf digitalen Anzeigetafeln gezeigt, hierfür sind keine gesonderten Kosten angefallen.“

BKA schweigt zu Hinweisen

Bleibt am Ende die Frage: Hat sich der ganze Aufwand auch schon  für die Ermittler gelohnt? Gibt es schon den entscheidenden Hinweis? Dazu schweigt das BKA.

„Da die Hinweisaufnahme und -auswertung aktuell läuft, bitte ich um Verständnis, dass derzeit diesbezüglich keine weiteren Auskünfte erteilt werden können“, sagt eine Sprecherin. Vielleicht erfahren wir nach dem 24. Februar mehr. Denn so lange ist der Fahndungsaufruf mit der Belohnung von einer Million Euro befristet.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com