Sei einem Jahr müssen Dutzende Pankower erfinderisch und hart im Nehmen sein. Weil die Warmwasseranlage ausgefallen ist, müssen Sie im Kochtopf ihr Wasser aufwärmen und kalt duschen. Ein kompletter Häuserblock rund um die John-Schehr-Straße, Greifswalder Straße und der Eugen-Schönhaar-Straße lebt seit über einem Jahr unter diesen Zuständen. Jetzt melden sich auch verzweifelte Wohnungsbesitzer beim KURIER.
Belastende Situation für die Bewohner
„Als Eigentümerin in der Anlage möchte ich zu Ihrer Recherche folgende Informationen ergänzen“, schreibt eine Wohnungsbesitzerin dem KURIER. Die Situation sei für alle Bewohner sehr belastend. Nicht nur für die Mieter. Viele Eigentümer wohnen in dem Häuserblock und sind daher „seit über einem Jahr ebenso von den Einschränkungen betroffen“.
„Auch wir haben uns entweder irgendwie damit abgefunden oder auf eigene Kosten Boiler angeschafft und sind mittlerweile sehr verzweifelt. Wir sehen uns mit einer Lage konfrontiert, in der wir zwar immer wieder Erklärungen der Hausverwaltung erhalten, es jedoch zu keiner Lösung kommt.“
Havarie bei der Fernwasserversorgung
„Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand handelt es sich um eine Havarie im Zusammenhang mit der Fernwärmeversorgung“, schildern die Eigentümer. Die Ursache des Problems liege an einem Verteilungspunkt der Anlage, der sich im Bereich des Gemeinschaftseigentums befindet und für Bewohnerinnen und Bewohner selbst nicht zugänglich sei.
„Diese Anlage ist vor über einem Jahr ausgefallen. In der Folge wurde zu heißes Wasser in die Leitungen eingespeist, wodurch erhebliche Schäden entstanden sind“, erzählen die Bewohner.
Das Problem: Weil die Anlage Gemeinschaftseigentum ist, können einzelne Eigentümer keine eigenständigen Reparaturen veranlassen. Entscheidungen müssen innerhalb der sehr großen Wohnungseigentümergemeinschaft getroffen und über die Hausverwaltung sowie unter Einbindung von Fachfirmen und Versicherungen organisiert werden.
Im Haus tauchen immer neue Probleme auf
Es seien bereits mehrere Fachfirmen mit Untersuchungen beauftragt worden – bisher ohne Ergebnis. Im Gegenteil seien immer wieder neue Erkenntnisse und Probleme aufgetaucht. „Gutachten wurden dabei teilweise revidiert und erneut in Auftrag gegeben“, so die Eigentümerin.

Heillos versunken in einem Zuständigkeits-, Abstimmungs- und Entscheidungschaos harren die Mieter seit der Havarie ohne warmes Wasser aus. Wer konnte, hat sich selber einen Warmwasserboiler gekauft. Andere kochen sich auf dem Herd warmes Wasser.
Derweil sind seit 13 Monaten Ausfall noch nicht einmal die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten eindeutig geklärt. „Nach unserem Eindruck wird derzeit zwischen verschiedenen Beteiligten weiterhin geprüft, wer für Ursache, Behebung und mögliche Versicherungsleistungen zuständig ist.
Die Gebäudeversicherung sieht bislang keinen Versicherungsfall. Weder der Fernwärmebetreiber noch die Wohnungsverwaltung MVV fühlen sich verantwortlich. Wir erleben daher eine Situation mit erheblicher Bürokratie, in der Verantwortlichkeiten zwischen den Beteiligten hin- und hergeschoben werden“, so die Eigentümer.
Von der Hausverwaltung heißt es, dass zunächst die Beweislage gesichert werden müsse. Der Schaden wird solange eingefroren, bis technische oder versicherungsrechtliche Prüfungen abgeschlossen sind.
Havarie für Laien nicht zu durchschauen
„Viele private Eigentümerinnen und Eigentümer wohnen selbst in der Anlage“, schreibt die Betroffene, „und sehen sich in dieser Situation mit komplexen bürokratischen Abläufen, umfangreichen Abstimmungen und für Laien schwer nachvollziehbaren Zuständigkeitsstrukturen konfrontiert.“ Teilweise führt das zu großer Überforderung.
Zusätzlich hat bis vor Kurzem nach Angaben der Mieter ein „institutioneller Eigentümer mit Sitz in Luxemburg“ die Mehrheit der Wohnungen besessen. „Welche Rolle dieser Akteur derzeit einnimmt, ist uns jedoch nicht bekannt.“
Ob Mieter oder Eigentümer, alle in dem Wohnblock eint der Wunsch, dass es so schnell wie möglich wieder warmes Wasser aus der Leitung in der John-Scheer-Straße gibt. Doch eine Lösung ist nicht in Sicht.
Und auch vom Bezirk Pankow ist keine rasche Hilfe zu erwarten. Die Behörde sei auf Hinweise aus den Häusern angewiesen – erst dann könne sie eingreifen, so eine Antwort aus dem Bezirksamt auf eine Anfrage der Berliner Zeitung.






