Aufreger in Berlin

Dürfen Lieferboten mit ihren E-Bikes in der Bahn mitfahren? Die Antwort hier!

Der KURIER hat bei Wolt und der Deutschen Bahn nachgehakt: Dürfen Fahrradkuriere mit ihren Pedelecs in den Nahverkehr?

Author - Sharone Treskow
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Viele Berliner regen sich über dieses Bild auf. Dürfen Lieferanten mit E-Bikes in die S-Bahn einsteigen?
Viele Berliner regen sich über dieses Bild auf. Dürfen Lieferanten mit E-Bikes in die S-Bahn einsteigen?Sharone Treskow

Es ist ein Phänomen, das man als Berliner Öffi-Fahrgast oft beobachten kann: Essenslieferanten steigen mit ihren E-Bikes samt riesigen Packtaschen in S- und U-Bahnen ein. Oft folgt darauf kollektives Kopfschütteln – weil sie natürlich jede Menge Platz einnehmen. Doch ist das eigentlich erlaubt oder verboten? Der KURIER hat die Antwort.

Das sagt die Deutsche Bahn zu den E-Bikes

Ich habe diese Woche auf dem Weg zur Arbeit mehrere Wolt-Boten mitsamt riesigem E-Bike in der S-Bahn gesehen und daraufhin bei der Deutschen Bahn nachgefragt: Ist dieses Phänomen grundsätzlich okay? Ein Sprecher erklärte mir daraufhin: „Sofern ausreichend Platz vorhanden ist, darf jeder Fahrgast genau ein Fahrrad in den Zügen des Eisenbahn-Regionalverkehrs, der S-Bahn und der U-Bahn sowie auf Fähren über den gesamten Verkehrszeitraum hinweg mitnehmen.“ In Bus und Tram hingegen ist es verboten.

E-Bikes sind grundsätzlich in öffentlichen Verkehrsmitteln erlaubt.
E-Bikes sind grundsätzlich in öffentlichen Verkehrsmitteln erlaubt.Leonie Asendorpf/Imago

Die Entscheidung über die Mitnahme von Fahrrädern obliege aber bei allen Verkehrsmitteln letztlich dem Betriebspersonal. Bezüglich E-Bikes (Pedelecs) gilt außerdem folgende Einschränkung: „Als Fahrräder gelten [...] Pedelecs sowie nicht zusammengeklappte E-Tretroller, mit einer Nenndauerleistung von unter 500 Watt gemäß Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr (Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung - eKFV) vom 06.06.19.“

Kurz gesagt lautet die Antwort also: Ja, solange genug Platz vorhanden ist, dürfen die Boten von Wolt und Co. mit ihren E-Bikes in S- und U-Bahn einsteigen. Für ihr Rad benötigen sie aber einen extra Fahrschein.

Was ist mit den ganzen aufgemotzten E-Bikes?

Es wird jedoch zum Problem, wenn die E-Bikes aufgemotzt worden sind. Was man in Berlin immer häufiger beobachten kann. Pedelecs mit Motorkraft dürfen theoretisch nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde fahren, wie Siegfried Brockmann, Unfallforscher von der Björn-Steiger-Stiftung, dem Tagesspiegel erklärt hat.

Aber das entspricht wohl in vielen Fällen längst nicht mehr der Realität: „Die fahren, teilweise fast ohne dass sie die Tretkurbel berühren, mindestens Tempo 40. Die sind alle illegal, da bin ich mir ganz sicher“, so Brockmann.

Viele E-Bikes in Berlin sind illegal aufgemotzt worden. Doch das lässt sich schwer überprüfen.
Viele E-Bikes in Berlin sind illegal aufgemotzt worden. Doch das lässt sich schwer überprüfen.Sharone Treskow

Wer sein E-Bike auf über 500 Watt aufmotzt, dürfte damit auch nicht mehr in U- und S-Bahn einsteigen. Doch das lässt sich nur schwierig nachweisen und überprüfen.

Das sagt Wolt zu den E-Bikes in den Bahnen

Ich habe auch bei Wolt nachgefragt, ob es diesbezüglich Richtlinien im Unternehmen gibt. „Wir haben keine spezifische Vorgabe, die die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln thematisiert, da unser lokaler Lieferradius dies im Normalfall nicht erforderlich macht“, antwortet ein Sprecher dem KURIER.

„Unsere Kurier:innen sind grundsätzlich mit ihren eigenen Fahrrädern, E-Bikes, Autos oder Mopeds unterwegs. Wie sie diese außerhalb ihrer Arbeits- bzw. Lieferzeiten nutzen, liegt in ihrer privaten Verantwortung“, so der Sprecher. Auf meinen Fotos sei nicht eindeutig erkennbar, ob der Lieferant hier gerade Essen ausgeliefert oder sich auf dem Weg nach Hause befunden hat.

Wolt versichert: Ihre Fahrer sind verpflichtet, alle Sicherheitsregeln einzuhalten.
Wolt versichert: Ihre Fahrer sind verpflichtet, alle Sicherheitsregeln einzuhalten.Sabine Gudath/Imago

Weiter beteuert der Wolt-Sprecher: „Während eines aktiven Lieferauftrags gelten jedoch klare Vorgaben: Unsere Kurier:innen werden regelmäßig zum Thema Verkehrssicherheit geschult und sind dazu verpflichtet, die geltende Straßenverkehrsordnung (StVO) sowie die lokalen Hausordnungen (wie die der Verkehrsbetriebe) einzuhalten.“

Was ist mit E-Bikes auf Rolltreppen?

Ich konnte auch einen Wolt-Fahrer beobachten, der mit seinem E-Bike auf eine fahrende Rolltreppe gestiegen ist. Das ist natürlich verboten – niemand will von einem schweren Pedelec erschlagen werden. Diesbezüglich verweist der Wolt-Sprecher darauf, dass ihre Lieferanten angehalten seien, die Hausordnungen der Verkehrsbetriebe einzuhalten. „Dazu gehört etwa, dass Rolltreppen nicht mit Fahrrädern befahren werden dürfen.“

E-Bikes sind auf Rolltreppen natürlich nicht gestattet. Genauso wenig wie normale Fahrräder und Kinderwägen. Hier muss man auf einen Aufzug ausweichen oder die Treppe hochschleppen.
E-Bikes sind auf Rolltreppen natürlich nicht gestattet. Genauso wenig wie normale Fahrräder und Kinderwägen. Hier muss man auf einen Aufzug ausweichen oder die Treppe hochschleppen.Sharone Treskow

Abschließend betont der Sprecher: „Sollte Zeug:innen ein mögliches Fehlverhalten während eines Lieferauftrags auffallen, können Hinweise jederzeit an unser Kundenservice-Team per Chatfunktion in der App oder per E-Mail an support@wolt.com gemeldet werden.“

Warum man mit den Lieferboten nicht zu streng sein sollte

Meiner Meinung nach sollte man bei den Fahrradboten für Wolt, Lieferando und Co. ein Auge zudrücken. Immerhin versorgen sie täglich etliche hungrige Berliner mit Essen – Tag und Nacht, egal bei welchem Wetter.

Lieferando-Boten verdienen Mindestlohn.
Lieferando-Boten verdienen Mindestlohn.Michael Kappeler/dpa

Außerdem gibt nicht jeder Kunde Trinkgeld und das Gehalt für Fahrradlieferanten ist bekanntermaßen nicht sehr hoch: Lieferando zahlt beispielsweise nach eigenen Angaben einen Grundlohn von 13,90 Euro pro Stunde plus einen stündlichen Auftragsbonus von knapp zwei Euro. Der Mindestlohn in Berlin liegt bei 14,84 Euro brutto pro Stunde.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema: Ärgern Sie sich über die großen E-Bikes in öffentlichen Verkehrsmitteln? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.