Ein Storch steht in seinem Nest. Patrick Pleul/dpa

In den ersten Horsten liegen schon Eier,  in anderen wird noch fleißig gewerkelt. Im Frühling sind sie wieder da: die Störche auf Brandenburgs Dächern und Scheuen. Die ersten Störche , die Brandenburg über die Westroute erreichten, sind schon vor etwa zwei Wochen gelandet. Die sogenannten Ostzieher verspäteten sich wegen schlechten Wetters in der Türkei, sagte  Bernd Ludwig, Landeskoordinator Weißstorchschutz im Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg. Dabei ist die Route aus dem Winterquartier ein wichtiger Faktor für das Bestehen der Storchen-Population in Brandenburg: Den Störchen in Brandenburg geht es nicht gut. Die Weißstorchpopulation nimmt im Osten Deutschlands seit Jahren ab.

Kurtchen Rotschnabel in Bad Freienwalde gelandet

Der traditionell erste Storch, der nach dem Winter wieder in Brandenburg landete, war „Kurtchen Rotschnabel“ in Bad Freienwalde. Als Westzieher hatte er einen kürzeren Weg. Vielfach überwintern Störche gar nicht mehr in afrikanischen Ländern, sondern in Spanien, Frankreich oder teilweise auch in Südwestdeutschland. Sie kehren früher zurück und haben damit einen Vorteil beim Brüten. Viele der Störche bleiben gleich in südwestlichen Bundesländern. Brandenburg ist damit nicht mehr unangefochten das Storchenland Nummer eins.

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Störche bleiben in Baden-Württemberg

Als Hauptursache für die wachsende Population im Westen Deutschlands, in Baden-Württemberg etwa, gelten die unterschiedlichen Routen, die die Weißstörche aus den unterschiedlichen Gebieten im Winter fliegen. Aus Baden-Württemberg fliegen die meisten Störche nur nach Spanien oder bleiben sogar im Land. Aus östlichen Gebieten Deutschlands nehmen die Störche hingegen die gefährliche Reise bis nach Afrika auf sich. Stromleitungen, Stürme und andere Widrigkeiten machen ihre Reise gefährlich.

Eine rechtzeitige Ankunft am Horst ist nach Nabu-Angaben  aber wichtig, damit die Jungvögel im Spätsommer auch bereit für den Flug  zurück in den Süden sind. Spätere Ankünfte wie jetzt aus dem Osten könnten sich negativ auf das Brutgeschäft auswirken.

Störche brauchen keine Monokulturen

Wichtig sei außerdem  eine ausreichende Nahrungsgrundlage für die Vögel, sagte Manuela Brecht, Naturschutzreferentin im Nabu. Dafür sei mehr artenreiches, feuchtes Grünland erforderlich - und nicht endlose Mais- und Rapswüsten.

Im Rekordjahr 2014 wurden in Brandenburg insgesamt rund 1400 Storchen-Paare erfasst, im Vorjahr 2021 waren es 1243 Horstpaare. Hohe Verluste an Jungtieren gab es durch Starkregen am 30. Juni und 1. Juli 2021. Im letzten Jahr war in Brandenburg kein gutes Storchenjahr.

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„In einigen Regionen Brandenburgs haben wir beim Nachwuchs große Verluste“, sagte damals der Storchenexperte Bernd Ludwig. Betroffen sei vor allem der Nordosten des Landes. „Die Jungen waren schon zu groß, als dass sich die Alten über sie legten. Das Gefieder aber war noch nicht so dicht, dass es den Regen abhält“, sagt Ludwig. Viele der jungen Störche unterkühlten nach dem starken Regen und erfroren.

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Im Storchendorf Linum bei Oranienburg, nordwestlich von Berlin, hatte es 2021 neun Horstpaare gegeben. Sie hätten acht Junge ausgebrütet, sieben davon seien gestorben. Neben Starkregen machten den Störchen aber auch Pestizide auf den Feldern, wenig Nahrung und die Flugroute zu schaffen. In Brandenburg brüten vor allem Ostzieher, die im Winter über den Bosporus bis nach Afrika fliegen.

Web-Cam am Horst: Flug der Störche nach Brandenburg beobachten

Auf der Seite https://blogs.nabu.de/stoerche-auf-reisen/ kann man den Flug einzelner, besenderter Störche genau verfolgen. Nick, Gustav, Michael oder Anni heißen die Senderstörche. Und auch ein alter Bekannter ist zurück in Linum, wie die Bilder aus der Webcam in Linum zeigen.

Auf dem Dach der dortigen Storchenscmiede ist ein Männchen gelandet. Das Weißstorchmännchen trägt einen Ring mit Gravur der Beringungszentrale Hiddensee an seinem linken Bein, die Nummer identifiziert ihn als dasselbe Männchen, das seit 2019 jedes Jahr auf dem Horst des Umweltbildungszentrums seine Jungen aufzieht. Der Storch ist 2015 im nahgelegenen Protzen geschlüpft und seit 2019 immer der erste Storch, der im Frühjahr in Linum ankommt.

Flugrouten genetisch bestimmt

Auf seine Artgenossen wird er wohl noch ein wenig warten müssen, der Großteil der Linumer Störche sind Ostzieher, die über den Bosporus ihre Winterquartiere in Afrika beziehen. Sie kommen in der Regel erst im April aus dem Süden zurück.

Jungstörche fliegen ohne Begleitung ihrer Eltern in die Überwinterungsgebiete. Wo sie hinfliegen, ist bei den Störchen genetisch bestimmt. Mit sinkenden Tageslängen entwickelt sich bei ihnen der Drang loszuziehen, die richtige Richtung wird über das Erdmagnetfeld gefunden.