Die Friedrichstraße im historischen Zentrum Berlins soll ein ganz neues Gesicht bekommen: nicht nur als Einkaufsmeile, sondern als ein einladender Boulevard. Mit breiteren Fußwegen, zusätzlichen Bäumen und weniger Autoparkplätzen. Das kündigte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) an. Sein Ziel ist ein Comeback für die Friedrichstraße als Flaniermeile, weg vom Autolärm, hin zu einem Boulevard mit urbaner Aufenthaltsqualität.
Das konkrete Umbaukonzept, wie es jetzt im Roten Rathaus von Kai Wegner vorgestellt wurde, sieht vor, dass auf einem zentralen Abschnitt die Gehwege verbreitert werden, und zwar zulasten von Parkplätzen. Dies soll Raum schaffen für Baumreihen, Pflanzinseln, Sitzgelegenheiten vor Cafés und ein stärkeres Grünbild in der Stadt. „Wir wissen alle, dass der heutige Zustand der Friedrichstraße nicht hinnehmbar ist“, sagte Wegner zum Hintergrund der Pläne.
So ein Vorhaben hat in Berlin allerdings eine Vorgeschichte: Der Streit um eine autofreie Friedrichstraße zieht sich bereits über Jahre. Im Januar 2023 etwa verfügte die damalige grüne Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch, dass ein rund 500 Meter langer Abschnitt zwischen Leipziger und Französischer Straße dauerhaft zur Fußgängerzone wird. Diese Entscheidung löste heftige Widerstände aus.
Jahrelanger Streit um die Friedrichstraße
Gewerbetreibende, Anwohnende und Interessenvertretungen wie das Bündnis „Rettet die Friedrichstraße!“ warfen der Senatorin einen Alleingang vor. Ein Teil der Gegner klagte sogar, und das Verwaltungsgericht Berlin erklärte die Sperrung schließlich für rechtswidrig, weil es eine ausreichende gesetzliche Grundlage für den Versuch laut Gericht nicht gebe.

Der politische Richtungswechsel kam rasch: Mit dem Regierungswechsel 2023 übernahm Manja Schreiner (CDU) das Ressort Mobilität. Unter ihr wurde die Sperrung im Sommer desselben Jahres wieder aufgehoben, die Autos durften zurück. Gleichzeitig kündigte die neue Verwaltung einen umfassenden Beteiligungsprozess an, um ein langfristiges Konzept für die Friedrichstraße zu entwickeln.
Die Kritik an der autofreien Phase war aber nicht nur politisch aufgeladen: Laut Umfragen waren zwar rund 82 % der Passanten mit der verkehrsberuhigten Variante zufrieden, doch gerade Gewerbetreibende äußerten Skepsis. Sie fanden weniger Flanieratmosphäre als erwartet vor. Zudem wurden die Kosten des Modellprojekts immer wieder als zu hoch bemängelt.



