Ist die Lage wirklich so schlimm bei der Heidekrautbahn (RB27)? Anfang Januar gab es auf der Regionalstrecke, die von Berlin-Karow über Basdorf nach Groß Schönebeck (Schorfheide) und Wensickendorf führt, Probleme. Aufgrund von fehlendem Treibstoff (Wasserstoff) sind einige Züge ausgefallen. Der KURIER hat berichtet und bekam daraufhin viele Leserbriefe von genervten Fahrgästen: Die Heidekrautbahn sei insgesamt sehr unzuverlässig. Jetzt äußern sich die Verantwortlichen.
Wetter schuld an fehlendem Wasserstoff
Wie kann es sein, dass einem Eisenbahnbetrieb der Treibstoff ausgeht? Die Betreiberin der Heidekrautbahn, die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), erklärt auf KURIER-Anfrage hin: „Es gab ja unmittelbar davor winterliche Unwetter in vielen Teilen Deutschlands. Die Verzögerungen bei der Wasserstoffversorgung der Heidekrautbahn sind auf eben diese winterlichen Straßenverhältnisse mit Schnee, Eis und Glätte zurückzuführen.“

„Da der Wasserstoff per Trailer angeliefert wird, kam es dadurch zu logistischen Einschränkungen, die durch krankheitsbedingte Ausfälle beim Logistikdienstleister zusätzlich erschwert wurden“, so der Sprecher.
Gute Nachrichten: „Die Lieferung ist inzwischen wieder gesichert und erfolgt planmäßig“, versichert die NEB. Außerdem gibt es für die Fahrgäste heitere Zukunftsaussichten: Die Transportwege sollen sich in diesem Jahr wegen der Inbetriebnahme eines nahe gelegenen Wasserstoffwerks deutlich verkürzen. Dann sollte es keine Mangelprobleme mehr geben.
Betreiberin kann Erfahrungen der Fahrgäste nicht bestätigen
Dass es bei der Heidekrautbahn bedingt durch fehlenden Wasserstoff häufiger zu Ausfällen kommt, entspreche laut NEB nicht den Tatsachen. Die Vorwürfe der Fahrgäste können sie also nicht bestätigen.
„Auch sonst kann von regelmäßigen Störungen keine Rede sein“, betont die NEB. „Dass es in der Anfangsphase bei neuer Technologie Störungen gibt, ist nichts Ungewöhnliches. Das war bei kaum einer Einführung neuer Züge irgendwo anders.“

Zum Hintergrund: Die Heidekrautbahn ist Ende 2024 auf Wasserstoff umgestellt worden – hier verkehren jetzt Züge des Typs Siemens Mireo Plus H.
Warum fährt die Heidekrautbahn seltener?
Die KURIER-Leser unter den Fahrgästen haben auch kritisiert, dass die Heidekrautbahn inzwischen viel seltener fahren würde. „Das hat mit dem Thema Wasserstoff nichts zu tun“, betont der NEB-Sprecher.

„Grundsätzlich werden die Fahrten des Regionalverkehrs im Rahmen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) von diesem beziehungsweise den Ländern Berlin und Brandenburg bestellt“, erklärt er weiter. „Wir erbringen die Leistung (=Zugfahrten) auf den Linien, für die wir im Rahmen einer Ausschreibung den Auftrag erhalten haben.“
Dabei seien Details wie Fahrzeiten, Takt, Größe der Fahrzeuge, zu bedienende Halte beziehungsweise Streckenabschnitte bereits vorgegeben.
Was wurde aus Zehlendorf und Schmachtenhagen?
„So wurden beispielsweise die Fahrten nach Schmachtenhagen zum letzten Fahrplanwechsel komplett abbestellt“, berichtet der Sprecher. „Fahrten von/nach Wensickendorf finden nun nur noch von Montag bis Freitag zur Hauptverkehrszeit statt. Begründet wurde das vom Land mit einer sehr geringen Auslastung.“
Zehlendorf sei schon seit einigen Jahren nicht mehr im regulären Fahrgastbetrieb angefahren worden. „Eine Reaktivierung wird immer mal wieder von unterschiedlichen Seiten thematisiert. Es gibt hier aber aktuell keine konkreten Planungen“, sagt der Sprecher abschließend.



